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Was viele Menschen mit Fellbommeln an Mützen nicht wissen: Sie tragen das Fell von Marderhunden.

Daran erkennen Sie Pelz

Tiere leiden für Wintermode – und viele Kunden ahnen nicht, dass sie echtes Fell tragen

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Marderhunde und Füchse leiden für Mützen, Bommel, Schuh- und Mantelverzierungen – und viele Kunden ahnen nicht, dass sie echtes Fell tragen. Lesen Sie, woran Sie Pelz erkennen. 

München - Die Bestien würden uns ja auch töten, wenn sie könnten“, antwortete Karl Lagerfeld stets auf die Frage, warum er nicht auf Pelzmode verzichten will. Sicher ist jedoch, diese Tiere würden uns Menschen bestimmt nicht zu Tausenden in kleinen Drahtkäfigen halten, in denen wir uns gegenseitig kannibalisieren, oder uns per Stromstoß in den Tod schicken. 

Ob Karl Lagerfeld seine persönliche Meinung geändert hat, ist nicht bekannt. Dennoch hat das Luxuslabel Chanel nun angekündigt, auf Pelz und exotisches Leder aus Krokodil- und Schlangenhaut zu verzichten. Kurz zuvor hatte Jean-Paul Gaultier einen Pelzverzicht angekündigt - das Geschäft sei „absolut erbärmlich“.

Tragen von Pelzen: Das qualvolle Geschäft boomt weiter

Die beiden Modehäuser reihen sich ein in eine ganze Kette von Designern, die sich von echtem Pelz verabschiedet haben. Dennoch boomt das qualvolle Geschäft. Von 2005 bis 2015 haben sich die Umsätze der europäischen Pelzbranche auf sieben Milliarden Euro fast verdoppelt. Das liegt daran, dass seit vielen Jahren kuschlige Krägen aus Pelz oder flauschige Bommeln an Mützen, Handtaschen oder Pelzbesatz an Schuhen immer beliebter werden. Künstliches von echtem Fell zu unterscheiden, ist mittlerweile eine Wissenschaft für sich. Zudem fehlt es meist an einer korrekten Kennzeichnung. Daher erkennen viele Verbraucher nicht, dass sie eine totes Tier an der Kapuze oder der Handtasche herumtragen. 

Lesen Sie dazu: Mode-Kritik an der Landtagspräsidentin - Tierschützer fuchsig auf Ilse Aigner

85 Prozent der Tiere stammt aus Zuchtfarmen. Dort werden vor allem Nerze, Füchse, Nutrias, Marderhunde, Iltisse und Chinchillas in viel zu kleine Käfige aus Draht gepfercht. Bilder von einer Nerzfarm in Finnland vom Deutschen Tierschutzbüro zeigen Tiere, die sich gegenseitig an- oder auffressen. Tierschutz ist in solchen Betrieben ein Fremdwort. Das gilt auch für Farmen in Osteuropa oder China. 15 Prozent der Pelze im Handel, so Recherchen der Organisation Vier Pfoten, stammen aus der Wildnis. Darunter sind auch Hunderttausende Felle geschützter Arten, die in den letzten zehn Jahren eingeführt wurden. Die EU ist einer der Hauptabsatzmärkte für Felle aus der Fallenjagd. Bei dieser grausamen Jagdmethode beißen die Tiere sich die Gliedmaßen ab oder verenden qualvoll im Fangeisen.

Woran erkennt man einen echten Pelz?

Man muss genau hinschauen: Echtfell glänzt stärker als Kunstfaser. Die Haare bewegen sich leichter im Wind. Ein Blick an die Wurzel zeigt, ob darunter Leder (gegerbte Tierhaut) liegt oder ein Textilgewebe. Gewissheit bringt die Feuerprobe: Einige Haare auszupfen und anzünden: Riecht es nach verbranntem Horn (Pelz) oder Plastik?

Wir besuchen die geretteten Pelzfüchse auf Gut Aiderbichl

Sie riechen etwas streng und sind bei den Besuchern sehr beliebt: Die 35 scheuen Füchse von Gut Aiderbichl. Die tz fragte die Mitarbeiterin Sonja Großmann, warum die Tiere auf Hilfe angewiesen sind.

Sind Füchse sympathisch?

Sonja Großmann: Sie sind auf jeden Fall sehr schlau. Besonders nett ist es, wenn man sieht, wie behutsam die Tiere mit ihrer Lieblingsspeise umgehen. Rohe Eier tragen sie sehr zart im Maul zu einer Stelle, wo sie sich unbeobachtet glauben, beißen vorsichtig hinein und schlabbern sie komplett auf. Jeder, der dabei zuschaut, muss einfach schmunzeln. 

Woher stammen die Füchse? 

Großmann: Fast alle Rotfüchse wurden als Welpen per Hand aufgezogen. Da sind die Mütter Jägern zum Opfer gefallen oder wurden von einem Auto überfahren. Sie sind so an Menschen gewöhnt, dass man sie nicht mehr auswildern kann. Vor drei Jahren haben wir Silber- und Pelzfüchse aus einer osteuropäischen Pelzfarm befreit, darunter war ein trächtiges Weibchen. Diese Tiere waren ein Bild des Jammers: Zum Teil hatten sie sich die Zähne an den Gitterstäben ausgebissen. Sie waren klapperdürr, nur Haut und Knochen. Das hat man unter ihrem buschigen Fell nicht gesehen. Die Tiere werden ja so gezüchtet, dass sie einen besonders dicken Pelz haben, man nennt es eine Zucht, „wie die Kürschner es brauchen“. 

Wie geht es ihnen heute? 

Großmann: Die Pelzfüchse waren in diesem heißen Sommer mit ihrem unnatürlich dicken Fell ständig auf der Suche nach einem kühlen Fleckchen. Ich mag gar nicht daran denken, wie es den Tieren auf den sogenannten Farmen in ihren Drahtgefängnissen ergangen ist. 

Haben Besucher im Pelzmantel Zutritt zu Aiderbichl? 

Großmann: Natürlich, wir sind für jeden offen. Unser Ziel ist es ja, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sie zum Umdenken zu bewegen. Und viele wissen gar nicht, dass ihr Pelzkragen an der Jacke oder die fluffige Bommel an der Strickmütze aus echtem Pelz besteht.

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