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Marktls Traum vom eigenen Papstmuseum

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- Marktl am Inn - Für den Bürgermeister der Gemeinde Marktl am Inn (Kreis Altötting) hat sich mit dem 19. April das Leben völlig verändert. "Das Interesse an Marktl ist weltweit so riesengroß, dass wir erst lernen mussten, damit umzugehen", berichtet Hubert Gschwendtner (SPD). Denn schließlich wurde in Marktl vor 78 Jahren der heutige Papst Benedikt XVI. geboren.

Über 30 000 Menschen sind seither in die Gemeinde gepilgert, wollten das Geburtshaus besichtigen, das jetzt noch Claudia Dandl mit ihren beiden Söhnen bewohnt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Die Besitzerin will das schmucke Haus im Ortskern verkaufen - Gemeinde und auch Freistaat haben ein großes Interesse daran, das "Papsthaus" in ein Museum zu verwandeln. Doch die Verkaufsgespräche laufen noch. Bis zum 22. August können Angebote eingereicht werden. Ein, zwei Millionen Euro soll das Haus schon erbringen, für das sich Gerüchten zufolge auch Scheichs oder die Scientology-Sekte interessieren sollen. Was die Zukunft des Hauses anbelangt, hält der SPD-Bürgermeister dicht. Doch hinter den Kulissen laufen die Drähte heiß, ist von Gesprächen mit Finanzminister Kurt Faltlhauser die Rede, der der klammen Gemeinde helfen soll, das Vorkaufsrecht auf die umworbene Immobilie wahrnehmen zu können.Umso engagierter plaudert der Bürgermeister, wenn es um die Beurteilung des Papstes aus der Heimat geht. Bei der Amtseinführung war Gschwendtner mit einer Delegation aus Marktl in Rom. Er spürte, wie der Funke übersprang auf die vielen Menschen, die dem Bayern auf dem Petersplatz zujubelten. Begeistert hat Gschwendtner vor allem ein Satz aus der ersten Papstrede, in dem sich Ratzinger als "einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn" bezeichnet hatte. "Das sind Charakterzüge eines Menschen, der sich zurückhält und niemals ein Gefühl der Überlegenheit zeigt", schwärmt der Sozi.Der Bürgermeister hat hehre Ziele: Mit einem speziellen Vermarktungskonzept will er "der Würde und der Bedeutung des Papstamtes gerecht werden". Sollte das Geburtshaus wirklich zum Museum werden, will er darin "auch die Theologie Ratzingers darstellen". Eine religiöse Begegnungsstätte soll entstehen. Deshalb holt sich die Gemeinde dort Rat, wo man päpstliche Erfahrung hat: Vom 5. bis 8. August fährt eine Delegation in den polnischen Geburtsort von Papst Johannes Paul II. "Wadowice hat zweieinhalb Jahrzehnte Erfahrung damit, wie man die Heimat eines Papstes positiv einsetzt, dass es dem Image des Ortes dient."Seit dem 19. April arbeitet Gschwendtner "Tag und Nacht, auch samstags und sonntags". Aber er will auch die Chance für seine Gemeinde nutzen. Eine Touristik-GmbH wurde schon gegründet. Und vielleicht, wenn sich Marktl mit seinem künftigen Papstmuseum gut entwickelt, kommt auch Benedikt XVI. mal wieder in seinen Heimatort, träumt der Bürgermeister.

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