+
Ein junger Mann wird gegen Masern geimpft. Foto: Lukas Schulze/Archiv

Trotz Impfung

Masern in Deutschland noch lange nicht ausgerottet

Die Weltgesundheitsorganisation würde die Masern gern ausgerottet sehen. Als erstes hat das im Herbst der amerikanische Kontinent geschafft. Und wo bleibt Deutschland?

Berlin (dpa) - Deutschland kommt beim Kampf gegen Masern nach einem Expertenbericht nicht voran. Das Land sei im vergangenen Jahr so weit von der Ausrottung der Krankheit entfernt gewesen wie lange nicht, schreibt die Nationale Verifizierungskommission Masern/Röteln am Robert Koch-Institut in einem Report.

Dieser ist an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gerichtet. 2015 war demnach von großen Masernausbrüchen geprägt, den größten gab es in Berlin. Gemeldet wurden insgesamt 2464 Masern-Fälle, im Jahr zuvor waren es 442.

Die Fallzahl schwankt von Jahr zu Jahr stark. Und die Experten gehen davon aus, dass nicht alle Fälle erfasst werden. Für eine Ausrottung der Masern hätte es weniger als einen Fall pro eine Million Einwohner geben dürfen, also nur rund 80 Fälle oder weniger in Deutschland. Der gesamte amerikanische Kontinent hingegen wurde Ende September als frei von Masern erklärt. Dort wurde seit 2002 nur noch von eingeschleppten Fällen berichtet.

Masern waren bis zur Einführung der Impfung als Kinderkrankheit weit verbreitet. Die von Viren ausgelöste Krankheit ist hoch ansteckend. Sie beginnt mit Schnupfen, Husten und Fieber, bevor ein charakteristischer roter Hautausschlag hinzukommt. Wer sie ein Mal durchmacht, wird dagegen immun. Allerdings können Masern sehr schwere Folgeerkrankungen hervorrufen. Gefürchtet ist die chronische Masern-Gehirnentzündung SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis), die sich erst nach Jahren bemerkbar macht.

Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese tödlich verlaufende Erkrankung häufiger vorkommt als bislang angenommen. US-Mediziner gehen anhand ihrer Auswertungen von einem SSPE-Risiko von 1:1387 aus, wenn ein Kind unter fünf Jahren an Masern erkrankt. Noch anfälliger sind Säuglinge: Bei einer Maserninfektion in den ersten zwölf Lebensmonaten folgt der Studie zufolge sogar bei einem von 609 Kindern SSPE. Das Team um James Cherry (University of California) hatte die Studie Ende Oktober auf einen Kongress in New Orleans vorgestellt.

Der Impfstoff mit abgeschwächten Masern-Viren wird Babys in der Regel erstmals zwischen dem 11. und 14. Monat gegeben. Vorher sind Säuglinge nur geschützt, wenn das Immunsystem der Mutter mit dem Virus vertraut ist: durch eine frühere Erkrankung oder durch Impfung.

Kurzbericht Nationale Verifizierungskommission

US-Studie zu SSPE

RKI zu Masern und SSPE

Deutsche Studie zu SSPE

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bundesamt warnt vor falschem Umgang mit Böllern
Die Silvesterknallerei ist nicht mehr fern - und Experten warnen vor falschem Umgang damit. Immer wieder stellen Zollbeamte unerlaubtes Feuerwerk aus dem Ausland in …
Bundesamt warnt vor falschem Umgang mit Böllern
Genau hinsehen: Diese beiden Schönheiten haben ein süßes Geheimnis
Die beiden Freundinnen Sarah Reilly (30) und Maria Luciotti (30) sind totale Fitnessfans. Genau in einem solchem Studio wagten die beiden ein ganz besonderes Experiment …
Genau hinsehen: Diese beiden Schönheiten haben ein süßes Geheimnis
Wie grausam: Bande in China verkauft zehntausende Giftspritzen zum Töten von Hunden
In China hat eine kriminelle Bande zehntausende Giftspritzen verkauft, um Hunde auf der Straße zu töten und sie zum Verzehr zu verkaufen.
Wie grausam: Bande in China verkauft zehntausende Giftspritzen zum Töten von Hunden
Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt
Bonenburg (dpa) - Wissenschaftler haben in Bonenburg bei Paderborn das älteste bekannte Fossil eines Plesiosauriers entdeckt. Das Tier habe vor rund 201 Millionen Jahren …
Ältestes Plesiosaurier-Skelett entdeckt

Kommentare