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Die Truppen von Präsident Ouattara

Massaker und Unruhen: Die Elfenbeinküste am Abgrund

Kapstadt/Abidjan - Der rechtmäßig gewählte Präsident Ouattara scheint scheint den blutigen Machtkampf in der Elfenbeinküste zu gewinnen. Auf seinen Truppen lastet aber der Verdacht, sie hätten ein Massaker verübt.

Noch beschuldigt niemand den neuen starken Mann der Elfenbeinküste, für das Massaker in Duékoué verantwortlich zu sein. Aber die bisher bekannten Fakten sprechen gegen Alassane Ouattara, der im blutigen Machtkampf kurz vor dem Sieg zu stehen scheint. Am vergangenen Sonntag hatten seine Truppen die Stadt Duékoué im Westen erobert. Wenige Tage später entdeckten dort Hilfsorganisationen Massengräber und viele Leichen auf den Straßen.

Die Caritas spricht offen von einem “Massaker“ mit 1000 Toten. Das Internationale Rote Kreuz (IRK) berichtet von einem “Horrorszenario“. Die UN-Kräfte haben mindestens 330 Tote gezählt. Alle wollen nun eine genaue Untersuchung. Kurz nachdem das IRK über das Blutbad berichtet hatte, gab es eine Erklärung des Ouattara-Lagers. Darin wird jede Verantwortung für das Massaker zurückgewiesen und betont, man habe an anderen Orten - wie Toulepleu, Blolequin und Guiglo - “zahlreiche Massengräber“ entdeckt. Die Täter seien die “Söldner und Milizen“ von Laurent Gbagbo, der seit seiner Niederlage bei den Präsidentschaftwahlen vor fünf Monaten sein Amt nicht abgeben will.

Viele sehen in dem Massaker von Duékoué nicht nur ein schreckliches Kriegsverbrechen, sondern auch ein böses Omen für die Zeit auch nach dem Ende der Kampfhandlungen. Schon vor Monaten hatte der Botschafter der Elfenbeinküste bei der UN, Youssoufou Bamba, vor einem drohenden Völkermord gewarnt. Die Sorgen sind nicht kleiner geworden, auch wenn die Schlacht um die Präsidentschaft entschieden scheint.

Das unabhängige, einflussreiche Politikinstitut “International Crisis Group“ in Brüssel appellierte an die UN, einen Völkermord und “ethnische Säuberungen“ zu verhindern. Es seien “schreckliche Wellen der Gewalt“ zu befürchten. Unabhängig voneinander berichten die internationalen Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen von “extremen Spannungen“ zwischen den Bevölkerungsgruppen sowie einer aggressiven Stimmung gegen die zahlreichen Gastarbeiter im Land. Schon jetzt gebe es zahlreiche Übergriffe gegen die Ausländer, so die Menschenrechtsorganisation “Human Rights Watch“.

Vor allem aber zwischen Anhängern Gbagbos und Ouattarsa kommt es den Berichten nach überall zu Gewaltausbrüchen. Zwar verlaufen die Konfliktlinien in der Elfenbeinküste nicht exakt an den Grenzen der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit. Dennoch scheint es auch ein Machtringen zwischen Moslems und Christen zu sein. Ouattara kommt aus dem jahrelang rebellischen Norden, vor allem bewohnt von Moslems. Gbagbo ist Christ, seine Partei und Anhänger kontrollieren traditionell den Süden mit der Wirtschaftsmetropole Abidjan.

Wie gewalttätig und blutig die Machtkämpfe in der Elfenbeinküste ausgetragen werden, zeigte der Bürgerkrieg zwischen 2002 und 2007. Damals spaltete sich der islamische Norden ab. Wie so oft in Afrika gehörten brutale Übergriffe auf Zivilisten, Vergewaltigungen und der Einsatz von Kindersoldaten dazu. Manche fürchten, dass die Kräfte aus dem Norden nun nach dem Wahlsieg und mit einem Präsidenten Ouattara eine blutige Abrechnung mit dem ehemaligen Gegner suchen könnten. Der Afrika-Direktor von “Human Rights Watch“, Daniel Belekele, appellierte an Ouattara, er solle nun seine Truppen “von allen Vergeltungsmaßnahmen abhalten ...und ihnen harte Strafen androhen“.

dpa

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