78 Tote bei Massenpaniken in Afrika

Luanda - In der Elfenbeinküste und in Angola hat das neue Jahr nach Massenpaniken bei Silvesterveranstaltungen mit Schrecken und Trauer begonnen.

Nachdem bei dem Chaos in der Neujahrsnacht in Abidjan 62 Menschen gestorben waren, gab es heftige Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte der Stadt. Auch in der angolanischen Hauptstadt Luanda kam es Silvester zur Katastrophe. 16 Menschen starben, als nach Medienberichten Tausende in das mit mehr als 70 000 Menschen überfüllte Stadion zu einer religiösen Andacht strömten. Über hundert Menschen wurden demnach verletzt.

Der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, ordnete am Mittwoch eine dreitägige Staatstrauer an. „Dies ist eine nationale Tragödie“, sagte er nach einem Besuch von Verletzten in den Universitätsklinik. Mehr als 200 Menschen waren verletzt worden. „Wir sind alle tief geschockt“, sagte Ouattara. Viele Geschäfte, Bars und Büros in der Wirtschaftsmetropole blieben am Mittwoch geschlossen.

Die Massenpanik war zum Ende des Feuerwerks in Abidjan ausgebrochen. Mehr als zwei Millionen Menschen strömten in den frühen Morgenstunden des neuen Jahres durch die Stadt. Dabei kam es in der Nähe eines Stadions in wenig beleuchteten Straßen zu großem Gedränge, das dann Panik auslöste. Unter den Opfern waren viele Kinder und Jugendliche. Noch am Mittwoch wussten viele Menschen nicht, was mit ihren Angehörigen ist.

„Es gibt keine Liste der Toten und Verletzten, die Krisentelefone sind dauernd besetzt“, klagte die Friseuse Fanta Camara (32) am Eingang der Klinik-Leichenhalle, wo sie mit vielen anderen Menschen auf Informationen wartete. „Mein 13-jähriger Junge ist vermisst und ich kann ihn nicht finden“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Auch der 27-jährige Soumaïla Bamba war auf der vergeblichen Suche nach seinem 14-jährigen Bruder. „Die Türen sind alle zu, wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen“, kritisierte er die Behörden.

Auch am Mittwoch gab es noch keine genaue Klarheit, wie es zu der Katastrophe gekommen war. Ein Polizeisprecher sagte, zwei große Menschenmengen aus gegensätzlichen Richtungen seien aufeinandergestoßen. Der Chef der Rettungskräfte, Oberst Sako Issiaka, sagte, das Unglück habe vermutlich in einer engen Straße begonnen, in der die Polizei zusätzliche Sperren für Kontrollen errichtet hatte.

„Schuld sind die Sicherheitskräfte“, schimpfte der Ingenieur Franck Kouamé. „Wie kann man nur drei Barrieren in einer dunklen Straße aufstellen?“, fragte er. Stéphane Kallet erinnerte daran, dass es schon 2009 bei einer Massenpanik im Stadion von Abidjan 22 Tote und 130 Verletzte gegeben hatte. „Wenn wir nichts lernen aus den Fehlern beim Managen großer Menschenmassen, sind wir dazu verdammt, das sich alles wiederholt.“

Innenminister Hamed Bakayoko sagte, die Untersuchungen liefen noch. Präsident Ouattara und Bakayoko versicherten, dass die Verantwortlichen für mögliche Versäumnisse bei den Sicherheitsmaßnahmen zur Rechenschaft gezogen werden würden.

Bestürzung auch in Angola: Zu der nächtlichen Veranstaltung der Freikirche „Universal Church of the Kingdom of God“ im Stadion Cidadela Desportiva in der Hauptstadt Luanda seien weit mehr als die erwarteten 70 000 Menschen gekommen, berichtete die Zeitung „Journal di Angola“ auf ihrer Internetseite am Mittwoch. Die meisten Menschen seien bei dem Gedränge an den Toren des Stadions getötet oder verletzt worden, hieß es. Unter den Opfern waren auch drei Kinder.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprach nach der Massenpanik in Abidjan Präsidenten Ouattara sein Beileid aus. In einer persönlichen Mitteilung schrieb Barroso: „Ich möchte Ihnen und den Familien der Opfer meine Unterstützung und Solidarität aussprechen.“

dapd/dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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