1. Startseite
  2. Welt

Massive Angriffe vor der Waffenruhe

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Tel Aviv/Beirut - Vor Beginn einer geplanten Waffenruhe an diesem Montag hat Israel am Wochenende seine Offensive im Libanon noch einmal massiv verstärkt und auch wieder den Süden Beiruts bombardiert. Zugleich billigte das israelische Kabinett am Sonntag die UN-Resolution zur Waffenruhe.

24 Kabinettsmitglieder stimmten für die Resolution, eines enthielt sich der Stimme, berichtete der israelische Rundfunk. Die Waffenruhe soll am Montag um 7 Uhr deutscher Zeit in Kraft treten.

Es waren bis zu 20 laute Explosionen in den vor allem von Schiiten bewohnten Vororten Beiruts zu hören, berichtete die Polizei. Ein Bewohner sagte der dpa, dies seien die schwersten Angriffe, die er erlebt habe. Die Israelis hätten offenbar auf etwas Bestimmtes in dem Viertel gezielt. «Vor meinen Augen fiel ein Gebäude in sich zusammen», sagte ein anderer.

Rund 30 000 israelische Soldaten stießen am Sonntag nach Medienberichten weiter in Richtung des Flusses Litani vor, der etwa 20 bis 30 Kilometer nördlich der Grenze liegt, um Stellungen, Bunker und Raketenabschussrampen der Hisbollah zu zerstören. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten erneut südliche Vororte Beiruts.

Auch die südlibanesische Stadt Tyrus geriet wieder unter Beschuss. Fünf Tankstellen gingen dort in Flammen auf. Über der Stadt standen große schwarze Rauchwolken von dem brennenden Treibstoff. Auch das größte palästinensische Flüchtlingslager bei Sidon wurde angegriffen. Am Samstag starben bei den Kämpfen im Südlibanon 24 israelische Soldaten, darunter fünf Besatzungsmitglieder eines Hubschraubers, der von Hisbollah-Kämpfern abgeschossen wurde, bestätigte das israelische Militär. Nach Angaben der «Jerusalem Post» war es der verlustreichste Tag für die israelischen Streitkräfte seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen am 12 Juli.

Auch die Hisbollah verstärkte ihren Raketenbeschuss auf Nordisrael. 160 Geschosse gingen am Sonntagvormittag nieder. In der Ortschaft Schlomi wurde ein 60-jähriger getötet, dessen Haus direkt von einer Katjuscha-Rakete getroffen wurde. Neun weitere Israelis erlitten Verletzungen. Seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen am 12. Juli kamen fast 1000 Libanesen sowie 108 israelische Soldaten und 41 israelische Zivilisten ums Leben.

Das israelische Kabinett billigte am Sonntag die Waffenruhe in dem seit einem Monat anhaltenden Libanon-Konflikt. UN-Generalsekretär Kofi Annan hatte sie mit Ministerpräsident Ehud Olmert und dem libanesischen Regierungschef Fuad Siniora abgesprochen. Die Waffenruhe beruht auf der in der Nacht zum Samstag verabschiedeten UN-Sicherheitsratsresolution 1701, die das Einrücken libanesischer und UN-Truppen in die von Israel zu räumenden Stellungen im Südlibanon vorsieht.

Olmert hatte in der Nacht zum Samstag die Ausweitung der israelischen Angriffsoperationen bis zum Litani-Fluss angeordnet. Hubschrauber setzten unmittelbar darauf Fallschirmjäger tief im Inneren des Südlibanon ab, so auch direkt am Litani-Fluss. Die Tageszeitung «Haaretz» sprach von der größten Luftlandeoperation der israelischen Streitkräfte seit 1973. Ihr Ziel sei es, die «Grundlage für ein reibungsloseres Einrücken der internationalen Streitkräfte in den Südlibanon zu schaffen», erklärte der israelische Tourismusminister Isaak Herzog vor der Kabinettssitzung am Sonntag. Es gehe darum, die militärischen Kapazitäten der Hisbollah in der bis zur Waffenruhe verbleibenden Zeit «wegzuräumen», sagte der Minister.

Die libanesische Regierung hatte sich am Samstag zu der UN- Resolution und der darin enthaltenen Forderung nach «vollständiger Einstellung der Feindseligkeiten» bekannt. Die Vorlage sei «trotz einiger Vorbehalte» einmütig gebilligt worden, sagte der libanesische Informationsminister Ghasi Aridi am Samstagabend in Beirut. Insbesondere stimmten auch die zwei der Hisbollah zugehörigen Minister im Kabinett für die Waffenruhe. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah betonte aber zugleich am Samstag im parteieigenen TV-Sender Al-Manar, dass seine Organisation weiterkämpfen werde, solange Israel libanesisches Territorium besetzt halte.

Auch interessant

Kommentare