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Mauretanien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Nouakchott, Hauptstadt von Mauretanien
Nouakchott, Hauptstadt von Mauretanien © Joerg Boethling / IMAGO

Mauretanien ist eine Präsidialrepublik im Nordwesten Afrikas. Das Land ist größtenteils von der Wüste Sahara bedeckt und nur spärlich bewohnt. Die Mauretanier setzen sich aus Arabern, Berbern und Schwarzafrikanern zusammen.

Nouakchott – Das mit einer Fläche von über einer Million Quadratkilometer große Mauretanien gilt im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl von gerade einmal gut vier Millionen Menschen als unverhältnismäßig groß. Der größte Teil des Landes ist allerdings von der Sahara-Wüste bedeckt. Die Bevölkerung lebt gerade mal auf 15 Prozent der Landesfläche. Der Staat blickte in den letzten zwei Jahrzehnten auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

Mauretanien: Vorgeschichte uns Islamisierung

Bereits um 10.000 vor Christus siedelten im heutigen Mauretanien nomadische Berber und schwarzafrikanische Völker an. Der saharische Volksstamm der Mauren ist Namensgeber des Landes. Im 7. Jahrhundert verbreitete durch arabische Krieger der Islam entlang der Handels- und Karawanenrouten durch die Sahara. Allerdings konvertierten erst im 11. Jahrhundert die großen Reiche Westafrikas zum Islam – allerdings blieben noch traditionelle Religionen der Landbevölkerung erhalten.

Im 11. Jahrhundert wurde von islamisierten Mauren das sogenannte Almoraviden-Reich gegründet. Dieses umfasste bis ins 12. Jahrhundert sogar das Reich der Gana und ging bis zum Ebro in Spanien. Dieses Reich galt bis zu seinem Zerfall im Jahr 1147 sogar als mauretanische Blütezeit mit vielen kulturellen Zentren und Karawanenstädten. In den Folgejahrhunderten wurde die Islamisierung durch die nomadischen Kunta-Araber sowie der Qadiriyya-Bruderschaft weiter vorangetrieben, sodass der Islam nicht nur von Kaufleuten, sondern am Ende als Religion jedes Einzelnen gelebt wurde.

Mauretanien in der Kolonialzeit

Von den Kolonialmächten fand Mauretanien anfänglich wenig Beachtung. Die Küstengebiete waren schwer zugänglich und von den Bodenschätzen des Landes war nur wenig bekannt. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Land als Bindeglied zwischen West- und Nordafrika für Frankreich attraktiv. Die Unterwerfung des Landes wurde von Süden aus gestartet, sodass 1904 das Gebiet zum französischen Territorium im Rahmen von Französisch-Westafrika erklärt wurde. 1920 wurde es schließlich französische Kolonie. Dennoch hatte Frankreich noch bis 1934 mit Aufständen im Norden des Landes zu kämpfen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mauretanien Im Rahmen der Entkolonialisierungspolitik Überseeprovinz und Mitglied der Union française. Die Bürger erhielten damit auch das Wahlrecht am französischen Parlament. Noch bis in die 1950er Jahre hinein gab es Gebiete im Osten des Landes, die Europäern bislang unerschlossen geblieben waren und erst von dem Franzosen Théodore Monod erkundet worden sind. 1957 fanden die ersten Wahlen in Mauretanien statt. 1959 wurde Mokhtar Ould Daddah zum Regierungschef ernannt.

Mauretanien seit der Unabhängigkeit

Am 28. November 1960 erhielt Mauretanien seine Unabhängigkeit und Ould Daddah wurde Staatspräsident. Er regierte das Land allerdings autoritär. Doch die seit 1970 anhaltenden territorialen Streitigkeiten mit den angrenzenden Ländern – vor allem der West-Sahara –führten 1978 schließlich zum Sturz des Präsidenten. Aber auch in den Folgejahren blieb Mauretanien politisch instabil. Es kam zu weiteren Umstürzen und Regierungsumbildungen.

Anfang der 1990er Jahre versuchte Präsident Maaouya Ould Sid’Ahmed Taya die Demokratisierung des Landes voranzutreiben. Da weitergehende Reformen jedoch ausblieben, folgten mehrere Putschversuche, die ihn letzten Endes 2005 aus dem Amt hoben. Doch auch in den Folgejahren waren Staatsstreiche bei den Präsidentschaftswahlen an der Tagesordnung. Seit 2019 ist Mohamed Ould Ghazouani neues Staatsoberhaupt des Landes.

Mauretanien: Das politische System

Der Verfassung von 2006 nach ist Mauretanien eine islamische Präsidialrepublik. Das Staatsoberhaupt wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Er ernennt und entlässt die Regierung. Allerdings beträgt seine Präsidentschaft maximal zwei Amtszeiten. Der aktuelle Präsident Mohamed Ould Ghazouani pflegt im Gegensatz zu seinen Vorgängern einen inklusiveren Politikstil, indem er auch Vertreter aus der Zivilgesellschaft und der Opposition stärker mit einbindet.

Das Parlament setzt sich aus 157 Mitgliedern der Nationalversammlung zusammen, die ebenfalls alle fünf Jahre, allerdings in einer Mischung aus Mehrheits- und Verhältniswahl gewählt werden. Bis 2017 besaß Mauretanien noch ein Zweikammerparlament, das allerdings im Zuge eines Verfassungsreferendums abgeschafft wurde.

Mauretanien: Fakten im Überblick

Mauretanien: Sprachen und Bevölkerung

In Mauretanien gilt Arabisch als die alleinige Amtssprache. Allerdings hat sich aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes Französisch als Arbeits-, Handels- und Bildungssprache erhalten und wird auch als Unterrichtssprache gelehrt. Von der Bevölkerung wird weitgehend das Hassania gesprochen – dabei handelt es sich um eine maurische Abwandlung des Arabischen. Es sind auch noch westatlantische Sprachen und Mande-Sprachen als Nationalsprachen anerkannt. Die Berbersprachen gelten als fast ausgestorben und sind nur noch vereinzelt ausfindig zu machen.

Dementsprechend ist auch der Anteil an Nomaden weitgehend zurückgegangen. Weit über die Hälfte der Bevölkerung lebt in den Städten. Das Bemerkenswerte: Vier Fünftel der Einwohner leben auf gerade mal 15 Prozent der Landesfläche. Die Mauretanier setzen sich ethnisch aus drei Volksgruppen zusammen: Den Arabern, den Berbern und den Schwarzafrikanern. Allerdings leben diese nicht parallel nebeneinander, sondern haben sich stark miteinander vermischt.

Mauretanien: Geografie und Städte

Mauretanien grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und Südosten, dem Senegal im Südwesten sowie im Norden und im Nordwesten an den Landesstreifen der Westsahara. Mit Ausnahme einer Dornbuschsavanne besteht das Land weitgehend aus Wüste. Dennoch hat die Flora und Fauna des Landes einiges zu bieten. Neben Antilopen, Elefanten und Hyänen werden die Wüstensteppen auch von Gazellen, Strauße, Warzenschweinen und Leoparden bewohnt.

Die zahlreichen Dünen bieten außerdem Lebensraum für Skorpione und Schlangen. Das Land hat zudem zwei Nationalparks zu verzeichnen. In der Wüste selbst befindet sich noch ein einzelner riesiger Gesteinsblock mit dem Namen Ben Amera. Er gilt als einer der größten Monolithen der Welt und war für Händler auf Reisen ein guter Orientierungspunkt.

Das Land selbst gliedert sich in 15 Regionen, von denen drei bereits auf die Hauptstadt Nouakchott fallen. Das Stadtbild mit seinen niedrigen Häusern und flachen Dächern ist fast schon typisch für das Land. Oft lassen sich auch in den Stadtgebieten noch die sogenannten Khaimas finden. Dabei handelt es sich um die traditionelle Behausung der Nomaden, die eher Zelt-Charakter hat.

Die größten Städte Mauretaniens im Überblick

Mauretanien: Wissenswertes zum Land

In Mauretanien liegt das sogenannte „Auge Afrikas“. Dabei handelt es sich um kraterähnliche Hügelringe mit dem Namen „Guelb er Richat“, die einen Durchmesser von 45 Kilometer aufweisen. Das auch als Richat-Struktur bekannte geologische Gebilde ist so groß, dass es sogar vom Weltraum aus zu erkennen ist.

Im Jahr 2000 kam es zu einer kleinen Sensation. In den tiefen Tälern der Sahara wurde das Sahara-Krokodil wiederentdeckt – eine äußerst seltene Art, die in der Felsenlandschaft der Wüste jedoch ausreichend Schutz, Wasser und Nahrung gefunden hat. Das Besondere: Es galt eigentlich schon als ausgestorben. Der Bestand ist jedoch nur sehr klein und droht auch zu verschwinden.

Auch wenn das Land wirtschaftlich zu den ärmsten Ländern der Welt zählt, ist es in Sachen Umweltschutz anderen Ländern um einiges voraus – gerade was Plastikmüll betrifft. Seit 2013 ist es verboten, Weichplastik herzustellen oder zu verwenden. Es gilt inzwischen auch ein Plastiktütenverbot im ganzen Land. Sogar Reisende dürfen keinen Plastiktüten mit ins Land bringen.

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