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Mauritius: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Luftansicht von Port Louis, Hauptstadt von Mauritius
Port Louis, Hauptstadt von Mauritius © IMAGO / Westend61

Mauritius gilt mit seinen traumhaft schönen Stränden, malerischen Lagunen und bei Tauchern begehrten Riffen als absolutes Urlaubsparadies. Über Jahrhunderte hinweg wechselten sich hier die Kolonialmächte ab.

Port Louis – Der 2.040 Quadratkilometer große Inselstaat Mauritius bezeichnet sich laut Wappen selbst als „Stern und Schlüssel des Indischen Ozeans.“ Und das aus gutem Grund: Das Land nahm in der Vergangenheit für viele Kolonialmächte eine Schlüsselrolle in der Weltpolitik ein. Doch die Inselrepublik, die sich bei Touristen inzwischen absoluter Beliebtheit erfreut, konnte sich im 20. Jahrhundert unabhängig machen und weist inzwischen eine der repräsentativsten Demokratien in Afrika aus.

Mauritius: Frühgeschichte und Kolonialzeit

Die Inselgruppe der Maskarenen, zu denen auch Mauritius gehört, sind vulkanischen Ursprungs und vor etwa acht Millionen Jahren entstanden. Schon den Phöniziern und Malaien soll die Insel bekannt gewesen sein. Konkrete Beweise dafür fehlen aber. Allerdings ist die Insel bereits im 10. Jahrhundert auf einigen arabischen Seekarten verzeichnet. Für die reisenden Händler war dieses Gebiet allerdings bis dato von geringer Bedeutung.

Erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts geriet das heutige Mauritius in den Fokus der Europäer. Den Anfang machten die Portugiesen, die allerdings die Insel ebenfalls nur als Zwischenstation nutzten, um sich mit Wasser und Verpflegung einzudecken. Von 1598 bis 1710 nahmen die Niederlande Mauritius in Besitz. Durch sie erhielt die Insel auch ihren Namen, da sie nach dem niederländischen Prinzen Moritz von Oranien (ndl. Maurits, lat. Mauritius) benannt ist. Die niederländische Kolonialisierung ging nur schleppend voran. Die Kolonisten betrieben vorwiegend Zuckerrohrbau, weswegen viele Wälder fast komplett abgeholzt wurden. 1710 zogen die Niederländer endgültig ab und hinterließen eine fast vollständig abgeholzte Insel, deren Tierbestände sich auch komplett dezimiert hatten.

Mauritius unter französischer und britischer Flagge

Von 1710 bis 1715 wurde Mauritius von Piraten als Unterschlupf genutzt, bevor sie von Frankreich besetzt wurde. Die neue Kolonialmacht nahm die Bewirtschaftung der Zuckerrohrplantagen wieder auf und holte dafür vor allem Sklaven aus Afrika ins Land. 1735 wurde die Hauptstadt Port Louis gegründet. Und 1767 wurde die auf den Namen „Ile de France“ (Insel Frankreichs) getaufte Insel französische Kronkolonie.

1810 gelang es den Briten, die Insel zu erobern. Die Sklavenarbeit wurde unterbunden. Dennoch waren für die Plantagen weiterhin Arbeiter nötig, die man vorwiegend aus Indien und China holte. Dadurch stieg auch der indische Anteil in der Bevölkerung. Mit der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 verlor die Insel ihre Bedeutung auf den Handelsrouten. Im Zweiten Weltkrieg war sie lediglich noch als Militärstutzpunkt für britische Flieger interessant. Durch ein neues Wahlgesetz erhielten die Mauritier ab 1947 zunehmend politische Macht. Es bildeten sich Parteien und erste Unabhängigkeitsbewegungen heraus.

Mauritius seit der Unabhängigkeit

Am 12. März 1968 erhielt Mauritius seine Unabhängigkeit und verlor nach 150 Jahren seine Zugehörigkeit zum Britischen Empire, verblieb aber im Commonwealth. Unter dem ersten Premierminister Seewoosagur Ramgoolam fing das Land an, sich wirtschaftlich neu aufzustellen und neben Zuckerrohr auch die Textilindustrie und den Tourismus voranzutreiben.

1992 wurde Mauritius nach Einführung einer neuen Verfassung eine unabhängige Parlamentarische Republik. Formell ging die Rolle von Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt des Landes an den neuen Präsidenten über. Trotz einiger politischer Skandale (unter anderem Korruption und Drogenhandel) fand der Staat den Weg in eine stabile Demokratie, die für afrikanische Verhältnisse sogar sehr repräsentativ ist. Seit Dezember 2019 ist Prithvirajsing Roopun neues Staatsoberhaupt des Landes.

Mauritius: Das politische System

Mauritius belegt im Demokratieindex von 2020 Platz 20 von 167 Ländern und gilt als „vollständige Demokratie.“ Der Staat besitzt eine Nationalversammlung, die aus mindestens 62 bis maximal 70 Mitgliedern besteht. Diese werden in den 21 Wahlbezirken auf fünf Jahre gewählt. Jeder Bezirk stellt drei Abgeordnete. Ausgenommen ist die Insel Rodrigues, die nur zwei stellt. Die restlichen acht Mitglieder werden aus dem „Best Loser System“ ermittelt. Dabei handelt es sich um die „besten Verlierer“ aller Bezirke, die unterrepräsentierten Ethnien angehören müssen. Diese Wahlstrategie, die auf einer Volkszählung aus dem Jahr 1970 beruht, gilt allerdings als umstritten.

Der Präsident ist das Staatsoberhaupt und wird nach den Wahlen vom Parlament gewählt. Er ernennt den Premierminister, der die Regierung leitet und Vorschläge für die Ministerämter macht. Mauritius zählt weltweit zu den etwa 25 Staaten, die kein Militär besitzen. Allerdings unterhält der Staat eine paramilitärische Spezialeinheit der Mauritius Police Force. Diese wird noch um die Küstenwache des Landes ergänzt.

Mauritius: Fakten im Überblick

Mauritius: Bevölkerung und Sprachen

Knapp zwei Drittel der Einwohner stammen vom indischen Subkontinent ab und sind Indomauritier (etwa 60 Prozent). Ergänzt wird diese Bevölkerungsgruppe von den Kreolen (27 Prozent), die sich aus der Vermischung von afrikanischen Sklaven und anderen Gruppen, vor allem Europäern, zusammensetzen. Hinzu kommen noch die Sinomauritier (3 Prozent) und die Frankomauritier (2 Prozent).

Fast von der gesamten Bevölkerung wird im Alltag das Morisyen gesprochen. Dabei handelt es sich um eine Kreolsprache, die auf dem Französischen basiert. Sie wird von über 86,5 Prozent der Einwohner als Muttersprache gesprochen. Obwohl Frankreich schon seit über 200 Jahren das Land nicht mehr beherrscht, wird Französisch immer noch in der Oberschicht gesprochen und dominiert auch in den Massenmedien. Englisch wird gerade mal von weniger als einem Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen, gilt aber als offizielle Parlamentssprache – wobei auch Französisch geläufig ist. Im öffentlichen Raum sind Englisch und Französisch daher gleichermaßen präsent.

Mauritius: Geografie und Städte

Mauritius ist ein Inselstaat im Indischen Ozean, zu dem auch Rodrigues, die Cargados-Carajos-Inseln sowie die Agalega-Inseln gehören. Das Land befindet sich 1.800 Kilometer östlich des afrikanischen Kontinents. Zu den Nachbarstaaten gehören die 200 Kilometer westlich gelegene Insel Réunion, die nördlich etwa 1.750 Kilometer entfernten Seychellen sowie das nordöstlich etwa 4.000 Kilometer entfernte Indien. Die Inseln von Mauritius sind vulkanischen Ursprungs, weshalb die Küste oft felsig und steil ist. Die höchste Erhebung ist der Berg Piton de la Petite Rivière Noire mit einer Höhe von 828 Metern.

Die größten Städte von Mauritius im Überblick

Mauritius: Wissenswertes zum Land

Mauritius wird häufig auch als eines der friedlichsten Länder der Erde bezeichnet, weswegen das Land auch bei Touristen sich großer Beliebtheit erfreut. Allerdings setzt die Politik nicht auf Massentourismus und auch der Umweltschutz hat auf der Insel enorm an Bedeutung gewonnen. Neben der paradiesischen Landschaft hat die Hauptinsel auch einige wichtige Kulturdenkmäler zu bieten, die noch aus der Kolonialzeit stammen. Neben alten Forts, Statuen, Windmühlen, Brunnen und Gräbern sind viele Hafenanlagen auch sehenswert. Unter anderem ist der Aapravasi Ghat (ein Lager für indische Einwanderer) in Port Louis im UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

Mauritius begann 1847 als fünftes Land der Erde, Briefmarken zu benutzen. Exemplare aus dieser Zeit sind heute eine Seltenheit und bei Sammlern darum heiß begehrt. Die „Blaue Mauritius“ (auch bekannt als Blue Penny) dürfte auch vielen Menschen ein Begriff sein, die sich nicht mit Briefmarkenkunde beschäftigen. Bis heute existieren noch insgesamt 12 von den einst 500 herausgebrachten Exemplaren. Je nach Erhaltungszustand können diese Briefmarken, die damals einen minimalen Cent-Betrag ausmachten, heute bis zu einer Million Euro wert sein.

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