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Der deutsche Forscher Thomas Südhof (r.) erhält mit seinen US-Kollegen den Nobelpreis für Medizin.

Arbeit zu Zell-Transportprozessen

Medizin-Nobelpreis für deutschen Forscher

Stockholm/Göttingen - Nobelpreis für Deutschland: Thomas Südhof erhält zusammen mit seinen US-Kollegen den Medizin-Nobelpreis für ihre Entdeckungen zu Transportprozessen in Zellen.

Der Deutsche Thomas Südhof zählt zu den diesjährigen Trägern des Medizin-Nobelpreises. Mit seinen beiden US-Kollegen James Rothman und Randy Schekman werde er für grundlegende Erkenntnisse über die Transportsysteme der Zellen ausgezeichnet, teilte das Nobelpreis-Komitee in Stockholm am Montag mit. Die drei Wissenschaftler hätten "das Rätsel gelöst, wie die Zelle ihr Transportsystem organisiert".

Alle drei Wissenschaftler forschen an US-Universitäten. Sie bekommen den Nobelpreis für "ihre Entdeckungen der Mechanismen, die den Vesikeltransport regulieren, ein wichtiges Transportsystem in unseren Zellen", heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees. Vesikel sind kleine Bläschen, die unter anderem Neurotransmitter, wichtige Botenstoffe im Körper, transportieren. Die Forschungsergebnisse seien von Bedeutung für das Verständnis einer Reihe von Krankheiten, so etwa neurologische Leiden sowie Diabetes, schrieb das Komitee.

Schekman entdeckte eine Reihe von Genen, die für den Vesikeltransport notwendig sind. Rothman entschlüsselte, wie die Vesikel in die richtige Zelle eindringen, um dort ihre Fracht abzuladen. Südhof entdeckte, welche Signale die Vesikel dazu bringen, die von ihnen transportierten Stoffe zur richtigen Zeit am richtigen Ort freizusetzen.

Für Südhof ist Nobelpreis "von enormer Bedeutung"

Südhof, der an der US-Eliteuniversität Stanford forscht, wurde 1955 in Göttingen geboren und studierte in Aachen, Göttingen und in den USA. Zwischen 1995 und 1998 war Südhof Direktor am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen. Für Südhof ist der Medizin-Nobelpreis „von enormer Bedeutung“. Er sei aber nicht nur eine Anerkennung seiner eigenen Arbeit. „Er ist auch eine Würdigung der Arbeit vieler Leute, die mit mir zusammengearbeitet haben“, sagte Südhof in Baeza in Südspanien, wo er an einer Fachkonferenz teilnahm.

Damit zollt Südhof auch seinen Kollegen aus den USA Respekt: Schekman, Jahrgang 1948, forscht seit 1976 an der kalifornischen Elite-Universität Berkeley. Der 1950 geborene Rothman arbeitet seit 2008 an der US-Uni Yale.

Acht Millionen Kronen gibt es als Preisgeld

Die feierliche Preisverleihung findet am 10. Dezember in Stockholm statt. Das Preisgeld wird zu drei gleichen Teilen an die drei Wissenschaftler ausgezahlt. Es fällt in diesem Jahr mit insgesamt acht Millionen (925.000 Euro) Kronen deutlich niedriger aus als in den vergangenen Jahren. Seit 2001 hatte es zehn Millionen Kronen betragen, wegen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr wurde es aber verringert.

Vergangenes Jahr war der Medizin-Nobelpreis an die Stammzellenforscher John B. Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka aus Japan gegangen. Sie wurden für die Rückprogrammierung reifer Zellen in pluripotente Stammzellen geehrt - ein Verfahren, das neue Möglichkeit zur Erforschung von Krankheiten sowie zur Entwicklung von Diagnose- und Therapiemethoden eröffnet.

Der Nobelpreis-Reigen beginnt

Mit der Bekanntgabe des Medizin-Nobelpreises hat der diesjährige Reigen der Nobelpreise begonnen. Am Dienstag wird die Auszeichnung im Bereich Physik vergeben, am Mittwoch der Preis für Chemie. Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des Trägers des Literaturnobelpreises, wie am Montag offiziell bestätigt wurde. Am Freitag wird der mit besonderer Spannung erwartete Träger des Friedensnobelpreises verkündet. Am Montag kommender Woche wird der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften gekürt.

yb/ao/dpa

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