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Der norwegische Forscher Edvard Moser (rechts) erhält zusammen mit seiner Frau May-Britt Moser (links) und John O'Keefe den Medizin-Nobelpreis.

Mega-Überraschung am Gepäckband

Medizin-Nobelpreisträger Moser in Martinsried

Martinsried - Edvard Moser hat am Flughafen München von der erfahren, dass er Medizin-Nobelpreisträger ist. Er sah überrascht 150 Glückwunsch-Mails, als er am Gepäckband stand.

Als Edvard Moser aus dem Flugzeug steigt, hat er 150 neue E-Mails und 75 SMS auf seinem Handy. Er ahnt: „Etwas Wichtiges ist passiert.“ Was das ist, dämmert ihm erst, als er sieht, dass der Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees versucht hat, ihn zu erreichen. „Als ich aus dem Flugzeug kam, wusste ich nicht einmal, dass heute der Tag ist, an dem der Nobelpreis bekanntgegeben wird.“

Moser versucht auf Weg nach Martinsried seine Frau zu erreichen

Wenige Minuten nach der Landung aber stößt er mit seinem langjährigen Freund und Kollegen Tobias Bonhoeffer, Direktor am Max-Planck-Institut, mit Champagner an – auf den Nobelpreis für Medizin. Dann geht es mit dem Auto zum Max-Planck-Institut für Neurobiologie nach Martinsried bei München, wo Moser einen lange geplanten Forschungsaufenthalt antreten will.

Auf dem Weg versucht er dreimal, seine Frau May-Britt anzurufen. Erst beim vierten Mal ruft sie zurück. „Das war ein sehr glücklicher Moment.“ Gemeinsam mit ihr und dem Forscher John O'Keefe (USA/Großbritannien) bekommt Moser den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung eines Navis im Hirn.

Freund nennt ihn „frischgebackendsten Nobelpreisträger“

Lässig gekleidet in Jeans, Turnschuhen und einem schlichten grauen Pullover steigt Moser in Martinsried aus dem Auto – eine bunte Tasche in der einen, einen ebenso bunten Blumenstrauß in der anderen Hand. Etwas ungläubig lächelt er über die Fotografen und Kamerateams, die auf ihn warten. „Dass dies so ein Tag werden würde, das hätte ich heute Morgen nicht gedacht.“

Denn statt mit seinem Freund Bonhoeffer, mit dem er schon als Kind im Garten von dessen Tante in Deutschland spielte, über seine Forschung zu reden, muss er das nun mit einem guten Dutzend Journalisten tun. Sie sind alle in letzter Sekunde nach Martinsried gekommen, um mit Moser zu sprechen, dem „frischgebackendsten Nobelpreisträger, den ich je gesehen habe“, wie Bonhoeffer sagt.

Moser erklärt dann, was das Besondere ist an seinen Entdeckungen. Alzheimer-Patienten könnten sie irgendwann einmal helfen. Schließlich sei der Orientierungssinn oft das erste, das die tückische Krankheit den Patienten nehme. „Da gibt es eine klare Verbindung“, sagt er. „Was wir herausgefunden haben, ist für die künftige Behandlung von Alzheimer von Bedeutung.“

Edvard Moser gibt sich lässig und bescheiden

Im Navigationssystem männlicher und weiblicher Gehirne gebe es im Übrigen keinen grundlegenden Unterschied, sagt er auf die Frage, auf die er gewartet hat. „Das muss eher mit sozialen Erwartungen zusammenhängen. Vielleicht lernen Jungs eher, darauf zu vertrauen, dass sie den richtigen Weg finden.“

Seine Forschung sei wichtig, sagt Moser bescheiden, aber das seien andere auch. Gerechnet habe er mit dem Nobelpreis darum eben so wenig wie seine Frau, die die Auszeichnung mit einem Freudentanz auf dem Flur ihres Instituts in Trondheim feierte. Für Bonhoeffer, der in seinem Institut eine kleine Spontan-Party mit viel Sekt für Moser ausgerichtet hat, war sie dagegen nur eine Frage der Zeit: „Dass die beiden Mosers irgendwann mal dran sein würden, daran habe ich fest geglaubt.“

Die Neugier sei es, die ihn in seiner Arbeit stets antreibe, sagt Moser. „Wenn die einzige Motivation ist, den Nobelpreis zu gewinnen, gewinnt man den Nobelpreis wahrscheinlich nicht.“

Britta Schultejans, dpa

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