+
Patientin mit Rückenschmerzen. Foto: Arno Burgi/Illustration

Plus von 71 Prozent

Mehr OPs wegen Rückenschmerzen: Unterschiede je nach Region

Wegen Rückenschmerzen ins Krankenhaus? Das kommt tatsächlich immer häufiger vor. Die Zahl der Klinikaufenthalte wegen Kreuzschmerzen steigt - es wird auch öfter operiert. Dabei gibt es starke regionale Unterschiede, wie eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Gütersloh (dpa) - Patienten mit Rückenschmerzen werden immer öfter im Krankenhaus behandelt und landen immer häufiger auf dem OP-Tisch. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die auf Zahlen des Statistischen Bundesamts und eigenen Berechnungen beruht.

2015 zählten die Forscher demnach 611 000 Krankenhausaufenthalte wegen Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens. Das sind 154 000 Fälle mehr als 2007, ein Plus von 34 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl aller stationärer Behandlungen nur um 12 Prozent gestiegen.

Auch die Zahl der operativen Eingriffe nahm zu: 2015 gab es bundesweit 772 000 Eingriffe wegen Rückenbeschwerden. Zum Vergleich: 2007 waren es 452 000. Das ist ein Plus von 71 Prozent. Dabei gibt es je nach Region große Unterschiede, ob die Ärzte operieren oder eine andere Behandlungsmethode wählen. Beispielsweise kamen im Landkreis Fulda operative Versteifungen der Wirbelsäule (Spondylodesen) pro 100 000 Einwohner 13-mal so häufig vor wie in Frankfurt/Oder.

Auch ist die Wahrscheinlichkeit, mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus zu kommen, im Saarland deutlich höher als in Baden-Württemberg.

Die starken regionalen Unterschiede lassen sich dabei nach Aussage der Forscher nur zu einem kleinen Teil auf objektive Faktoren wie die Zahl der Orthopäden vor Ort zurückführen. Sie seien auch nicht darauf zurückzuführen, dass die Menschen häufiger Rückenprobleme haben. Die Experten nennen andere Ursachen: "Die Zunahme der Eingriffe und die regionalen Unterschiede hängen auch mit den Vorlieben der ortsansässigen Mediziner zusammen", sagte Eckhard Volbracht von der Bertelsmann-Stiftung, der an der Studie beteiligt war. "Die Entscheidung sollte aber unabhängig vom Wohnort, finanziellen Interessen und individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen", betonte er.

Die Bertelsmann-Stiftung fordert deswegen, dass die Krankenhäuser und Ärzte über auffällige "Leistungsmengen" schnell eine Rückmeldung erhalten und die medizinischen Fachgesellschaften für die Praxen und Kliniken evidenzbasierte Leitlinien entwickeln.

Pressemitteilungen der Bertelsmann-Stiftung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Panne zum Start jetzt Zugausfall auf neuer ICE-Strecke München-Berlin
Auf der Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Berlin und München hat es für manche Reisenden auch zum Wochenbeginn eine unschöne Überraschung gegeben.
Nach Panne zum Start jetzt Zugausfall auf neuer ICE-Strecke München-Berlin
Größtes Feuer in Südkalifornien wächst wieder
Los Angeles (dpa) - Kalifornien kämpft weiter gegen die Flammen: Das sogenannte Thomas-Feuer im Bezirk Ventura County hat sich Medienberichten zufolge am Sonntag …
Größtes Feuer in Südkalifornien wächst wieder
Unicef: Digitalisierung droht Ungleichheiten zu verschärfen
Wie verändern Internet, Smartphone, Laptop und Computer das Aufwachsen von Jungen und Mädchen weltweit? Der Unicef-Jahresbericht 2017 befasst sich mit "Kindern in einer …
Unicef: Digitalisierung droht Ungleichheiten zu verschärfen
Berliner Polizei findet größere Menge Munition
Berlin (dpa) - Die Berliner Polizei hat in einer Tiefgarage in Charlottenburg eine größere Menge Munition gefunden. Der Mieter eines Tiefgaragenstellplatzes habe die …
Berliner Polizei findet größere Menge Munition

Kommentare