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Die unbewusst ablaufende Kommunikation über Körpergerüche hat in den vergangenen Jahren die Neugier von Medizinern und Psychologen geweckt. (Symbolfoto)

Menschen kommunizieren über Schweiß-Geruch

Köln - Menschen kommunizieren mit Worten und Gesten - können aber nach neuen Erkenntnissen auch über ihre Körpergerüche Botschaften aussenden.

Aus der Tierwelt ist bekannt: Hunde, Ratten, Mäuse produzieren Geruchsstoffe, etwa um Artgenossen vor Gefahren zu warnen oder das eigene Revier zu markieren. Davon ist der Mensch nach Einschätzung einiger Wissenschaftler wohl in einigen Punkten gar nicht so weit weg. “Der Geruchssinn ist viel wichtiger, als wir bisher angenommen haben und spielt eine Rolle bei der menschlichen Kommunikation“, sagt Prof. Martin Wiesmann zum Start der Tagung der Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) am Donnerstag in Köln.

“Über Angstschweiß vermittelt der Mensch die Botschaft “Gefahr“ an andere, die dann selbst ängstlich werden, ohne zu wissen, warum - und die ändern dann sogar nachweislich ihr Verhalten“, erklärt Wiesmann, Direktor der Klinik für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Aachen. “Tiere produzieren Botenstoffe, um Artgenossen Nachrichten zu vermitteln, um sie zu warnen oder um einen Partner anzulocken.“ Der Mensch habe diese Fähigkeit im Laufe der Evolution nicht ganz verloren, meint der Aachener Experte.

Die unbewusst ablaufende Kommunikation über Körpergerüche hat in den vergangenen Jahren die Neugier von Medizinern und Psychologen geweckt. Im Mittelpunkt des Interesses steht der Angstschweiß. Ein Team um die Düsseldorfer Psychologin Prof. Bettina Pause hatte 2009 nachgewiesen, dass Angst - Studenten sammelten Angstschweiß vor ihren Prüfungen in Wattepads unter den Armen - ansteckend wirkt.

Probanden konnten den stark verdünnten Schweiß gar nicht mehr bewusst riechen, dennoch übertrug sich die Furcht der schwitzenden Studis auch auf sie. “Wir haben seitdem etliche Studien durchgeführt, die das Phänomen alle bestätigen“, sagt die Düsseldorferin der Nachrichtenagentur dpa und spricht von einer “chemischen“ Kommunikation - sonst nur aus der Tierwelt bekannt.

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“Bisher ging man davon aus, dass Menschen keine Botenstoffe in der Haut produzieren“, sagt Wiesmann am Rande der Kölner Tagung mit gut 1300 Teilnehmern, in der es auch um Alzheimer, Schlaganfall oder Tinnitus geht. Erst seit kurzem stehe fest, dass solche - als Pheromone bezeichnete - Geruchsstoffe eben doch auch auf menschlicher Haut gebildet werden. Nimmt ein anderer diese Angst-Pheromone wahr, ohne zu wissen, an was er da schnuppert), werden in seinem Hirn Regionen aktiviert, die zuständig sind für das Mitleiden mit anderen, das Erkennen von Angst und das Bilden von eigenen Angstzuständen. Die Gehirn-Aktivitäten können über eine spezielle Magnetresonanz- Tomografie (MRT) beobachtet werden.

Die Arbeitsgruppe von Wiesmann hat neben Angstschweiß - die Riechproben wurden in Teebeuteln dargeboten - auch Sportschweiß und normalen Körpergeruch - gesammelt und auf ihre zwischenmenschliche Wirkung untersucht: “Normaler Körpergeruch von Männern hat auf Frauen eine beruhigende Wirkung, auf Männer dagegen keine oder eine aufgeregte-nervöse.“ Der Mensch sei genetisch gesehen “Rudeltier“, da könnte diese Reaktion in Richtung “Mann als Beschützer“ gedeutet werden. Bei Sportschweiß passiert nichts, meinen Wiesmann und Pause.

Wiesmann will nun nachweisen, welche anderen Botschaften - außer Gefahr/Angst - noch über menschliche Gerüche transportiert werden. Er glaubt: “Das müsste funktionieren bei Aggression, Dominanz, Fortpflanzung - da sollte wohl noch was aus der Evolution übrig sein."

dpa

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