Die Folgen des Erdbebens

Menschenrechtler warnen vor Zwangsräumungen in Haiti

Port-au-Prince - Fünf Jahre nach dem Erdbeben in Haiti bleibt die Lage für die Flüchtlinge desolat. Bei dem Wiederaufbau werden die Ärmsten oft Opfer von Willkür und Gewalt, warnen Hilfsorganisationen.

Fünf Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti beklagen Menschenrechtler die schwere Lage zehntausender Flüchtlinge. Mehr als 85.000 Menschen leben in dem verarmten Karibikstaat noch in provisorischen Notunterkünften, teilte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht mit. Seit 2010 seien zudem über 60.000 Menschen Opfer von Zwangsräumungen geworden. Rund ein Viertel der Bewohner von insgesamt 123 Notlagern sei gegenwärtig dieser Gefahr ausgesetzt, hieß es.

Nach Amnesty-Angaben werden die Flüchtlinge oft mit Gewalt vertrieben. Neben privaten Grundbesitzern beteilige sich auch der Staat an den Zwangsräumungen. Dies geschehe in der Regel an Orten, in denen neue Gebäude und öffentliche Einrichtungen entstehen sollen.

Mehr als zwei Millionen Menschen wurden obdachlos

Bei den Bemühungen zum Wiederaufbau würden die Ärmsten häufig nicht berücksichtigt, sagte Amnesty-Expertin Chiara Liguori. Im Norden des Landes gebe es beispielsweise neue Tourismusprojekte. „Wir machen uns aber Sorgen, dass es in diesem Zusammenhang zu weiteren Zwangsräumungen kommt“, sagte Liguori der Deutschen Presse-Agentur.

Haiti wurde am 12. Januar 2010 von einem Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert. Mehr als 220.000 Menschen kamen ums Leben, über 300.000 wurden verletzt. Mehr als zwei Millionen wurden obdachlos. Die Schäden wurden auf gut 7,2 Milliarden Euro geschätzt.

Eine seit Oktober 2010 landesweit grassierende Cholera-Epidemie macht die Lage noch dramatischer. 80 Prozent der Haitianer leben in Armut, die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt. Mehr als 40 Prozent sind arbeitslos. Nach Angaben von Amnesty International hat die Gewalt gegen Frauen durch die prekären Lebensbedingungen noch weiter zugenommen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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