Meuterei in chilenischem Unglücks-Gefängnis

Santiago de Chile - Nur zwei Tage nach dem Großbrand mit 81 Toten in einem chilenischen Gefängnis hat die Polizei in der selben Haftanstalt eine Meuterei niedergeschlagen.

Während vor dem Gefängnis San Miguel im Süden der Hauptstadt Santiago am Freitag (Ortszeit) gerade eine Trauerfeier für die 81 qualvoll in der Feuerhölle umgekommenen Häftlinge abgehalten wurde, setzten die Meuterer in einem anderen Teil der völlig überbelegten Anstalt wieder Matratzen in Brand.

Grund der Meuterei sei die geplante Verlegung von 35 Häftlingen in ein anderes Gefängnis gewesen. Die trauernde Angehörigen und eine schnell wachsende Menschenmenge versuchten, das Gefängnis zu stürmen. “Wir wollen wissen, was da drinnen passiert“, schrien Frauen mit Kindern an der Hand. Sondereinheiten der Polizei schlugen sie zurück.

Auch in der Haftanstalt habe die Polizei den Aufstand nach eineinhalb Stunden niederschlagen können, sagte der nationale Leiter der Gefängnispolizei, Luis Masferrer. Über die Zahl möglicher Verletzter machte er keine Angaben. Inhaftierte meldeten sich per Handy aus ihren Zellen bei verschiedenen Medien und berichteten, die Polizei habe Tränengas, Gummigeschosse und Schlagstöcke eingesetzt.

Ein Sprecher der Häftlinge sagte, die Verlegung von Inhaftierten in andere ebenso überfüllte Gefängnisse sei für die Betroffenen extrem gefährlich. Dort erwarteten sie Todesdrohungen und es sei möglich, dass sie von den neuen Mithäftlingen umgebracht würden.

Unmittelbar nach der Feuerkatastrophe vom Mittwoch, die durch einen Streit zwischen Häftlingen ausgelöst wurde, hatte Präsident Sebastián Piñera eingeräumt, dass die Zustände in den überfüllten chilenischen Gefängnissen unmenschlich und eines Staates nicht würdig seien, der seine Bürger mit Respekt behandeln wolle. Auch der Oberste Gerichthof warnte, die Zustände im Strafvollzug stellten “eine Zeitbombe“ dar. Piñera betonte, seine Regierung lasse neue Gefängnisse bauen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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