Mexiko: Angehörige vermisster Studenten blockieren Autobahn

Chilpancingo - Die Familien werfen den Behörden Untätigkeit bei der Suche nach den verschwundenen jungen Leuten vor. Der Fall rückt die enge Verstrickung von Politikern, Polizisten und Gangstern in den Fokus.

Zwei Monate nach dem Verschwinden Dutzender Studenten in Mexiko haben Verwandte und Kommilitonen eine der wichtigsten Fernstraßen des Landes blockiert. Rund 500 teils vermummte und bewaffnete Demonstranten besetzten am Mittwoch (Ortszeit) für mehrere Stunden die Autopista del Sol zwischen Mexiko-Stadt und dem Badeort Acapulco im Bundesstaat Guerrero. Die Bundespolizei verlegte rund 800 Beamte und zwei Wasserwerfer in die Provinzhauptstadt Chilpancingo.

Die Familien der Opfer werfen den Behörden Untätigkeit vor. „Das Verschwinden unserer Kinder erfüllt uns mit großem Schmerz, aber das gibt uns auch Kraft, weiter nach ihnen zu suchen“, sagte die Mutter eines der Verschwundenen. Im Gegensatz zu den Ermittlern glauben viele Angehörige, dass die jungen Leute noch am Leben sind.

Die 43 Lehramtsstudenten einer linken Hochschule waren am 26. September von der Polizei verschleppt und der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben worden. Bandenmitglieder räumten den Mord an den jungen Leuten inzwischen ein. Hinter dem Verbrechen sollen der Bürgermeister der Stadt Iguala und seine Frau stecken. Die Angehörigen der Opfer bezweifeln allerdings die bisherigen Ermittlungsergebnisse.

„Es ist klar, dass Mexiko in den vergangenen Wochen Momente der nationalen Bestürzung erlebt hat“, sagte Präsident Enrique Peña Nieto. Am Donnerstag wollte der Staatschef eine neue Sicherheitsstrategie vorstellen, um Fälle wie in Iguala künftig zu verhindern.

Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong räumte ein, das Verschwinden der Studenten habe institutionelle Schwächen offengelegt. Das Verbrechen gegen die jungen Leute hatte deutlich wie selten zuvor ein Schlaglicht auf die engen Verbindungen zwischen Politikern, Polizisten und Kriminellen in Mexiko geworfen.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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