+
Angehörige suchen mit Plakaten nach den Vermissten.

Zwölf junge Menschen vermisst

Entführung: 575.000 Euro Belohnung ausgesetzt

Mexiko-Stadt - Am helllichten Tag werden zwölf junge Leute aus einer Bar in Mexiko-Stadt verschleppt. Seit vier Wochen fehlt von der Gruppe jede Spur. Das ganze Land rätselt über die spektakuläre Entführung mitten in der Hauptstadt.

Es sollte die letzte Station nach einer langen Partynacht werden. An einem Sonntagvormittag Ende Mai fahren zwölf junge Leute auf einen schnellen Absacker in die After-Hour-Bar „Heaven“ im Vergnügungsviertel von Mexiko-Stadt. Seitdem sind sie verschwunden.

Vermummte Männer mit Gewehren hätten die Freunde in Geländewagen mit Blaulicht, aber ohne weitere Kennzeichnung weggebracht, zitierte die Zeitung „La Jornada“ einen Zeugen. Mehrere Verdächtige wurden vernommen und die Überwachungskameras der Bar ausgewertet. Doch auch rund einen Monat nach der Tat tappen die Behörden noch weitgehend im Dunkeln. Jetzt hat der Bürgerrat eine Belohnung von zehn Millionen Peso - rund 575 000 Euro - für Hinweise ausgesetzt.

In einem Land, in dem Tag für Tag Menschen verschleppt werden, könnte der Fall „Heaven“ lediglich eine weitere traurige Episode in einer langen Reihe von Tausenden Entführungen sein. Doch gerade in Mexiko-Stadt hat die Tat die Einwohner tief verunsichert. Während vor allem in der Provinz die Gewalt allgegenwärtig ist, galt die Hauptstadt bis zuletzt als relativ sicher. Dieses Bild hat nun einen tiefen Kratzer bekommen.

Die Bar „Heaven“ liegt im Herzen von Mexiko-Stadt nur wenige Meter von der Prachtstraße Paseo de la Reforma und dem berühmten Unabhängigkeitsdenkmal entfernt. Gerade einmal einen Straßenblock weiter befindet sich der Sitz der Bundespolizei. Schräg gegenüber hat die Bundesanwaltschaft ihr Hauptquartier.

Die Entführungsopfer stammen nicht aus der Nachbarschaft, sie kommen aus Tepito. Der Stadtteil gilt als „Barrio bravo“ - als wildes Viertel. Auf den Märkten von Tepito werden gefälschte Markenprodukte und Hehlerware gehandelt, bewaffnete Gangs kontrollieren die illegalen Geschäfte.

Die Herkunft der jungen Leute gibt Anlass zu Spekulationen. Unter den Entführten sind die Söhne von zwei inhaftierten Chefs der Bande „La Unión“. Bis zu ihrer Festnahme 2003 galten Jorge Ortiz Reyes „El Tanque“ (Der Panzer) und Alejandro Sánchez Zamudio „El Papis“ als die heimlichen Herren von Tepito.

Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen könnten Verteilungskämpfe zwischen „La Unión“ und der konkurrierenden Bande „Los Tepis“ der Grund für die Entführung gewesen sein, zitierte die Zeitung „El Universal“ den örtlichen Staatsanwalt Rodolfo Ríos Garza.

Wer auch immer hinter der mysteriösen Tat steckt - die Hauptstädter sind gründlich verunsichert. Anders als die örtlichen Behörden gerne behaupten, sei Mexiko-Stadt eben kein Hort der Sicherheit, schrieb das renommierte Nachrichtenmagazin „Proceso“ kürzlich.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Eingang zur Unterwelt“: Forscher warnen vor blitzschnellem Tod in dieser Höhle
Schon in der Antike war den Römern der Eingang zu einer Höhle als todbringend bekannt und so setzten passenderweise ein Heiligtum des Pluto, dem Gott der Unterwelt an …
„Eingang zur Unterwelt“: Forscher warnen vor blitzschnellem Tod in dieser Höhle
Lotto am 24.02.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag
Lotto am 24.02.2018: Und? Haben Sie Glück gehabt? Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag. Acht Millionen Euro liegen heute im Jackpot.
Lotto am 24.02.2018: Das sind die aktuellen Lottozahlen vom Samstag
Schrecklicher Verdacht: Musste eine 15-Jährige wegen eines Saucenflecks sterben?
Zwei Teenager streiten sich in Dortmund-Hörde auf einem Parkdeck, bis eines der beiden Mädchen plötzlich ein Messer zückt – mit fatalen Folgen. Die 15-Jährige stirbt. …
Schrecklicher Verdacht: Musste eine 15-Jährige wegen eines Saucenflecks sterben?
Suche nach dem Kindermörder: DNA-Massentest hat begonnen
Wer hat den kleinen Nicky Verstappen vor 20 Jahren getötet? Jetzt hat ein DNA-Massentest begonnen - im niederländischen Grenzgebiet, dicht bei Aachen. Die Teilnehmer …
Suche nach dem Kindermörder: DNA-Massentest hat begonnen

Kommentare