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Gesundheitsrisiko

Wasser verseucht - 80 Schulen geschlossen

Cananea - Ein ekelhafter Gestand und tagelange Angst. Das ist die Bilanz eines Unfalls in einer Mine in Mexiko. Ausgelaufene Schwefelsäure macht den Anwohnern das Leben zur Hölle.

Im Nordwesten Mexikos sind 80 Schulen vorerst geschlossen worden, weil Schwefelsäure aus einer der weltgrößten Kupferminen in einen angrenzenden Fluss gesickert ist. Für rund 5000 Schüler fällt der Unterricht in dieser Woche wegen Wassermangels oder zu großer Nähe ihrer Schule zu dem verseuchten Fluss aus, wie der Zivilschutz des Bundesstaats Sonora am Montag mitteilte.

Aus einem Becken der Buenavista-del-Cobre-Mine in Cananea waren vor knapp zwei Wochen rund 40.000 Kubikmeter Schwefelsäure ausgelaufen, mit deren Hilfe normalerweise Kupfer von Erzen gereinigt wird. Nach der Panne hatte sich der benachbarte Sonora-Fluss auf einer Länge von 60 Kilometern orange verfärbt, 20.000 Bewohnern in sieben Ortschaften wurde aus Sicherheitsgründen das Wasser abgedreht. Ersatzweise wurden vier Millionen Liter Trinkwasser verteilt.

Die Bergbaugesellschaft ließ zwar tonnenweise Kalk in den Fluss kippen, um die Säure zu neutralisieren. Experten warnen jedoch weiterhin vor Gesundheitsrisiken, weil Schwefelsäure Schwermetalle im Erdboden freisetzen kann. Für Anwohner bestehe daher erhöhte Krebsgefahr, auch genetische Schäden und Entwicklungsprobleme bei Kindern seien nicht auszuschließen.

Die vom Bergbaukonzern Grupo México betriebene Mine produziert jährlich 200.000 Tonnen Kupfer. Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft droht dem Unternehmen wegen des Säure-Lecks eine Geldstrafe von umgerechnet knapp 170.000 Euro.

Der Zivilschutzvertreter der Region, Jesús Arias, wirft dem Konzern vor, den Vorfall zunächst verschwiegen zu haben. Der Konzern dagegen erklärt, er habe die Behörden gleich am ersten Tag informiert. Sein Unternehmen habe bereits alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, die Bevölkerung habe keine "schlimmen Konsequenzen" zu befürchten, versicherte Vize-Chef Juan Rebolledo zudem im Radiosender Firmula. Nach seinen Angaben hatte ungewöhnlich starker Regen in der Region das Säure-Becken zum Überlaufen gebracht.

Bewohner aus den betroffenen Dörfern berichteten, sie seien tagelang mit ihren Ängsten alleingelassen worden. Von Anfang an habe der Fluss nach verfaulten Eiern gestunken und sich dann jeden Tag ein bisschen mehr verfärbt, sagt Octavio Toledano. Doch erst nach fünf Tagen sei ihnen gesagt worden, dass sie ihr Vieh nicht mehr am Ufer weiden lassen sollten, berichtet auch Jesús Sabori.

Ramona Yesenia hat Angst, ihre Kuh schlachten zu lassen: "Wir wissen nicht, ob wir das Fleisch überhaupt noch essen dürfen - sie sagen, es sei bereits verseucht, wenn die Kuh nur ein wenig Flusswasser getrunken hat". Die staatliche Menschenrechtskommission untersucht inzwischen, ob die Menschenrechte der Bewohner in der Region verletzt wurden.

Die Kupfermine beschäftigt derzeit 9000 Menschen. Grupo México will die Jahresproduktion bis 2016 auf 510.000 Tonnen steigern.

AFP

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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