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Mikronesien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Palau, Mikronesien
Palau, Mikronesien © Ingo Arndt / IMAGO

Mikronesien blickt auf eine wechselhafte Kolonialgeschichte zurück und war im vorigen Jahrhundert sogar Teil des damaligen Deutschen Reichs. Inzwischen ist das demokratisch geprägte Land unabhängig. Aus ökonomischer Sicht trägt es eher Züge eines Entwicklungslandes.

Palikir – Das rund 702 Quadratkilometer große Mikronesien ist ein Inselstaat, der sich aus einer Föderation von vier Bundesstaaten zusammensetzt. Die Inselgruppe nimmt auch einen Teil der Karolinen im Westpazifik ein. Der Name des Landes bedeutet übersetzt „Kleine Inseln“. Von den 607 Inseln sind gerade mal 40 bewohnt. Das Land, das lange Zeit UN-Treuhandgebiet war, machte sich 1991 unabhängig. Allerdings ist es wirtschaftlich immer noch auf Zuwendungen von den USA angewiesen.

Mikronesien: Frühgeschichte und wechselhafte Kolonialzeit

Mikronesien soll bereits mindestens seit Ende des 3. Jahrtausends vor Christus menschlich besiedelt worden sein. In vorkolonialer Zeit soll sich von der Insel Yap im westlichen Teil des Landes aus auch bereits ein größeres Staatswesen in der Region entwickelt haben. Ab dem 16. Jahrhundert setzt schließlich die wechselhafte Kolonialgeschichte des Landes ein. Zunächst kamen die Portugiesen als erste Europäer in das Land. 1696 ging Mikronesien in spanischen Besitz über.

Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, der vom 23. April bis 12. August 1898 andauerte, verkaufte Spanien die Inselgruppe an das damalige Deutsche Reich. Mikronesien wurde so 1899 in die Kolonie Deutsch-Neuguinea eingegliedert. 1910 versuchten die Rebellen der Sokehs gegen die deutsche Kolonialmacht anzukämpfen. Der Aufstand wurde allerdings 1911 niedergeschlagen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Mikronesien 1914 von Japan eingenommen, das 1920 auch das Völkerbundmandat über die Inselgruppe erhielt.

Mikronesien: Treuhandgebiet der Vereinigten Staaten

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die japanische Vorherrschaft jedoch zurückgedrängt. Die US-Marine bombardierte 1944 im Rahmen der Operation Hailstone den japanischen Militärstützpunkt Truk und vernichtete einen großen Teil der japanischen Streitkräfte. Aber auch Inseln, welche die Amerikaner beim sogenannten „Island Hopping“ umgegangen hatten, gingen nach der Kapitulation Japans an die Vereinigten Staaten.

Im Jahr 1947 wurde Mikronesien UN-Treuhandgebiet unter dem Namen „Trust Territory of the Pacific Islands“ (TTPI). Die USA errichteten hier weitere Militärstützpunkte. Doch bereits 1946 wurden erste Kernwaffentests durchgeführt: Zunächst Atombomben, später auch Wasserstoffbomben (wie zum Beispiel auf den benachbarten Marshallinseln). Allerdings verlangte die UN von der US-Verwaltung auch, ein nationales Bewusstsein in der Bevölkerung zu wecken sowie die Entwicklung der Wirtschaft zu fördern.

Mikronesien: Der Weg in die Unabhängigkeit

Bereits Ende der 1960er Jahre machte sich das US-Innenministerium Gedanken, wie die Zukunft der Inseln aussehen solle. 1970 erhielten die Mikronesier schließlich das Recht auf Souveränität. Bereits am 10. Mai 1979 wurde die Verfassung der neu gegründeten Föderierten Staaten von Mikronesien verabschiedet. Hierzu wurde der „Compact of Free Association“ (COFA) unterzeichnet, der eine Verteidigung sowie finanzielle Unterstützung des Landes durch die USA vorsah.

Allerdings ging der Weg in die Unabhängigkeit nur schleppend voran. Der Vertrag selbst trat erst am 3. November 1986 in Kraft. Auch das 1979 bereits eingeführte aktive und passive Frauenwahlrecht wurde erst fünf Jahre später bestätigt. Die endgültige Unabhängigkeit erreichten die Föderierten Staaten von Mikronesien erst 1991, als die Treuhandschaft mit den Vereinigten Staaten auslief. Im selben Jahr wurde Mikronesien in die Vereinten Nationen aufgenommen. Obwohl die Präsidenten Mikronesiens den Fischfang und den Tourismus weiter ausbauen wollen, sind sie bis heute von den USA finanziell und wirtschaftlich abhängig.

Mikronesien: Das politische System

Die Föderierten Staaten von Mikronesien bilden eine demokratische Republik mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt als Regierungssystem. Der Kongress mit 14 vom Volk gewählten Mitgliedern stellt die Legislative. Vier davon repräsentieren die vier Bundesstaaten und werden auf vier Jahre gewählt. Die restlichen zehn Mitglieder ergeben sich aus den einzelnen Wahlkreisen und werden auf zwei Jahre bestimmt.

Der Präsident ist das Staatsoberhaupt. Ihm zur Seite steht ein Vizepräsident. Beide werden vom Kongress aus der Mitte der von den Bundesstaaten entsandten Mitglieder auf vier Jahre gewählt. Die so freigewordenen Sitze werden durch Nachwahl neu besetzt. Der Präsident ernennt wiederum das Kabinett, das die Regierungsgeschäfte wahrnimmt. Politische Parteien gibt es in Mikronesien nicht.

Mikronesien: Fakten im Überblick

Mikronesien: Sprachen und Bevölkerung

Mikronesien besitzt gleich sieben offizielle Sprachen. Dazu zählen neben Englisch, noch die einheimischen Sprachen wie Yapesisch, Pohnpeanisch, Kosraeanisch, Chuukesisch, Ulithisch und Woleaianisch. Daneben lassen sich noch neun weitere Sprachen und Dialekte identifizieren. Aufgrund der wechselhaften Kolonial- und Besatzungsgeschichte wurden viele der Sprachen auch vom Spanischen, Deutschen und Japanischen beeinflusst.

Den größten Bevölkerungsanteil nehmen die Chuukesen mit etwa 48,8 Prozent ein. An zweiter Stelle stehen die Pohnpeianer mit 24,2 Prozent, gefolgt von den Kosraeanern mit 6,2 Prozent und den Yapesen mit 5,2 Prozent sowie die Yap-Außeninselbewohner mit 4,5 Prozent. Asiaten und Polynesier machen noch einen minimalen Bruchteil von jeweils 1,5 bis 1,8 Prozent der Bevölkerung aus. 6,4 Prozent gehören diversen anderen Volksgruppen der Gesamtbevölkerung an. Aufgrund der deutschen und spanischen Kolonialgeschichte ist ein Großteil des Landes christlich (in der Mehrheit römisch-katholisch) geprägt.

Mikronesien: Geografie und Städte

Obwohl Mikronesien eine Landfläche von gerade mal 702 Quadratkilometern besitzt, ist der Staat um einiges größer, wenn die Meeresfläche dazugerechnet wird: Nämlich rund drei Millionen Quadratkilometer. Der westpazifische Staat besitzt zudem keine Landesgrenzen. Die Staaten Chuuk, Kosrae und Pohnpei zählen zu den Ostkarolinen, der vierte Staat Yap zu den Westkarolinen. Die West-Ost-Achse Mikronesiens erstreckt sich über 2.500 Kilometer.

Obwohl Palikir auf der Insel Pohnpei offizielle Hauptstadt ist, bildet die Stadt Weno auf der Insel Moen im Osten des Chuuk-Atolls die größte Stadt des Landes.

Die größten Städte Mikronesiens im Überblick

Mikronesien: Wissenswertes zum Land

Die Wirtschaft des Landes ist stark von Landwirtschaft und Fischfang geprägt. Dabei bildet vor allem der Verkauf von Lizenzen zum kommerziellen Fischfang in Hoheitsgewässern an ausländische Fischereiflotten die wichtigste Einnahmequelle. Daneben hat sich noch der Abbau von hochwertigem Phosphat-Erz als bedeutender Wirtschaftsfaktor herauskristallisiert. Das Land, das ökonomisch eher einem Entwicklungsland gleicht, ist immer noch stark von der finanziellen Unterstützung der USA abhängig.

Schon seit Jahren sind die Präsidenten des Landes darum bemüht, den Tourismus auf Vordermann zu bringen. Im Tropenparadies herrscht ganzjährig warmes und feuchtes Klima. Viele Inseln und Atolle eigenen sich bestens zum Tauchen und Schnorcheln. Dabei locken nicht nur Korallenriffe, sondern auch die versenkten japanischen Wracks vor den Chuuk-Inseln (Truk Lagoon) immer wieder Touristen an. Jährlich kommt es im Februar zu einem regelrechten Highlight in der Unterwasserwelt, wenn sich Hunderte Manta-Rochen hier zur Paarung einfinden.

Aber auch das Inland, das in den Regenwäldern den idealen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen bietet, ist landschaftlich besonders reizvoll. Auf Yap befinden sich zahlreiche Mangrovenwälder. Zudem sind auch spektakuläre Wasserfälle beliebte Ausflugsziele, wie der Kepirohi Wasserfall, der Liduduniap Wasserfall oder der Lehnpaipohn Wasserfall. Allerdings wird das Gebiet vom Juni bis Dezember auch immer wieder von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Daher wird ein Besuch der Inseln eher zur Trockenzeit (nördlich des Äquators von November bis April, und südlich von Mai bis Oktober) empfohlen.

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