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Terror der Islamisten in Nigeria: Über 190 Tote

Abuja - Bei Anschlägen der Islamistensekte Boko Haram in Nigeria steigt die Zahl der Toten weiter an. Mittlerweile sollen es mindestens 180 Opfer sein.

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Der Terror der radikal-islamischen Sekte Boko Haram im Norden Nigerias reißt nicht ab: Bei Anschlägen sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden seit Freitag mindestens 191 Menschen getötet und viele andere verletzt worden. Die Polizei, die das Ausmaß der Anschläge in der Millionenstadt Kano vom Freitag zunächst heruntergespielt hatte, sprach von 120 Toten.

Im Nachbarbundesstaat Bauchi starben in der Nacht zum Sonntag elf Menschen bei bewaffneten Angriffen auf zwei Kirchen und auf Polizisten. Hintergrund seien vermutlich auch Stammesrivalitäten, sagte der Polizeichef von Bauchi, Ikechukwu Aduba.

Ziele der koordinierten Serie von Angriffen in Kano, der zweitgrößten Stadt Nigerias, waren das Polizeihauptquartier sowie andere Polizeistationen und Ämter. Laut Radio Vatikan waren auch christliche Einrichtungen betroffen. Zahlreiche Priester hielten sich versteckt. Augenzeugen berichteten von Chaos und Panik in vielen Teilen der Stadt. Bilder des nigerianischen Fernsehens zeigten brennende Häuser.

Die radikal-islamische Sekte Boko Haram bezeichnete die von ihr verübten Anschläge als „Vergeltungsmaßnahmen“ nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terror-Organisation. „Unser Kampf richtet sich gegen die Regierung, die Sicherheitskräfte und den Verband der Christen in Nigeria, weil sie uns abgeschlachtet haben“, heißt es in der Stellungnahme des Boko Haram-Führers Abubakar Shekau. Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab.

Fünf Mitglieder von Boko Haram wurden nach Angaben der Behörden am Sonntag in der Hafenstadt Port Harcourt im Süden Nigerias festgenommen. Die Männer hätten Sprengstoff mit sich geführt und vermutlich versucht, Anschläge auf Sicherheitseinrichtungen und Öl-Anlagen zu verüben, sagte ein Geheimdienstoffizier der Nachrichtenagentur dpa.

Viele Krankenhäuser in Kano waren von hunderten besorgter Menschen umlagert, die fürchteten, Angehörige befänden sich unter den Opfern oder Verletzten. Bei den Opfern handele es sich um Polizisten, andere Sicherheitskräfte, Häftlinge in den Zellen der Polizeistationen sowie Zivilisten. Die Behörden hoben erst am Sonntag die nach den Anschlägen verhängte Ausgangssperre über Kano wieder auf.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan versprach, dass die „Feinde unserer Demokratie“ und „Agenten des Terrorismus“ verfolgt und ihrer Strafe zugeführt würden. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sowie die Regierungen in Paris und London äußerten sich tief besorgt über die Entwicklung in Nigeria.

„Die blutigen Angriffe auf Christen und staatliche Stellen sind eine große Gefahr für den inneren Frieden im Vielvölkerstaat Nigeria“, erklärte Westerwelle am Samstag. Extremistischen Gruppen wie Boko Haram müsse „so schnell wie möglich das Handwerk gelegt werden“. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sicherte der nigerianischen Regierung und Bevölkerung Unterstützung zu, um die Bedrohung der Stabilität und Demokratie in dem Land zu überwinden.

Nigeria leidet seit langem unter dem Terror der Islamisten. Vor drei Wochen hatte die Boko Haram die Christen im überwiegend muslimischen Norden ultimativ aufgefordert, die Region zu verlassen. Rund 10 000 Christen waren nach Angaben des Roten Kreuzes aus dem Norden geflohen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen warnte am Sonntag vor einer Fluchtwelle der drei Millionen überwiegend christlichen Ibo aus dem Bundesstaat Kano.

dpa

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