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Misshandlungsvorwürfe in Österreich

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- Wien - Nach Bekanntwerden von Misshandlungen österreichischer Soldaten durch ihre Ausbilder hat Verteidigungsminister Günther Platter am Freitag die zuständigen Kommandeure mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Gegen sie sollen Disziplinarverfahren eingeleitet werden, sagte Platter am Freitag vor Journalisten in Wien. Der Fall sei der Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Der Skandal um die Misshandlung von etwa 80 jungen Rekruten in einer Kaserne in Freistadt (Oberösterreich) hat großes Aufsehen erregt und Empörung ausgelöst. Das Österreichische Fernsehen ORF hatte am Donnerstagabend ein Video gezeigt, auf dem die Rekruten zum Abschluss eines zweitägigen Marsches über 40 Kilometer Opfer einer von ihren Ausbildern inszenierten Geiselnahme wurden.

Ein Feldwebel zwang sie, Plastiksäcke über ihre Köpfe zu ziehen. Anschließend mussten sie über einen nassen Misthaufen und durch Schlamm robben, wobei ihnen der Ausbilder mit dem Stiefel in den Rücken und gegen den Kopf trat. Die Misshandlungen wurden durch einen anderen Ausbilder mit einer Videokamera aufgezeichnet.

Die Betroffenen meldeten den Vorgang, nachdem sie von den Misshandlungen in der deutschen Bundeswehr gehört hatten. Soldaten, die inzwischen ihre Ausbildung beendet haben, sagten inzwischen aus, ihre Kameraden seien "physisch und psychisch am Ende gewesen", einige hätten geweint. "Dem Ausbilder hat das sichtlich Spaß gemacht", sagte ein Augenzeuge. Der betreffende Feldwebel befindet sich zurzeit auf einem Einsatz der österreichischen Armee im Ausland.

Minister Platter sagte am Freitag, er habe alle Soldaten schriftlich informiert, dass solche Übergriffe "inakzeptabel" seien. Man werde mit "voller Härte" gegen die Verantwortlichen vorgehen. Der österreichische Leiter der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International", Heinz Patzelt, sagte, die Bilder hätten ihn "an den Gefangenentransport der USA nach Guantånamo" erinnert. Es möge zwar sein, dass die Ausbilder nicht beabsichtigt hätten, die Betroffenen zu foltern - sie hätten aber zu Maßnahmen gegriffen, "die in anderen Fällen Folter darstellen".

Die Truppenstärke der österreichischen Streitkräfte (Bundesheer) liegt zurzeit bei rund 35 000 Mann. Darunter sind 17 000 Wehrpflichtige, die gewöhnlich acht Monate dienen müssen. Gegenwärtig entsendet Wien Soldaten zu internationalen Einsätzen nach Afghanistan, auf die Golan-Höhen, nach Bosnien und Kosovo.

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