Mittel verringert HIV-Infektionen drastisch

New York - US-Forscher haben einen Erfolg bei der Vorbeugung von Aids verzeichnet: Studienergebnisse mit dem Medikament Truvada verheißen einen Rückgang der Ansteckungsgefahr um knapp die Hälfte.

Das berichtete das Team im Fachjournal “New England Journal of Medicine“ am Dienstag online. Truvada wird bislang auch in Deutschland zur Behandlung von HIV-Infizierten eingesetzt.

Die Studie umfasste 2499 nicht infizierte Männern in Nord- und Südamerika sowie Afrika und Asien. Experten wie Jim Pickett, einer der Direktoren der Aids-Stiftung von Chicago, gehen davon aus, dass das zusätzliche Angebot von Truvada in Form einer Rektalsalbe das Risiko von HIV-Infektionen noch weiter senken könnte. Da viele schwule Männer beim Verkehr von jeher eine solche Salbe benutzen, dürfte eine mit Abwehrstoffen gegen den Aidserreger für sie akzeptabel sein, glaubt auch der US-Forscher und Vorsitzende der Organisation International Rectal Microbicide Advocates, Ian McGowan.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) zeigten sich erfreut über die guten Studienergebnisse. Das neue Medikament könne ein zusätzliches Instrument sein, um HIV-Infektionen zu verhindern. “Das positive Ergebnis wird Millionen von homosexuellen Männern Hoffnung geben und ihnen dabei helfen, sich selbst und ihre Lieben zu schützen“, sagte UNAIDS-Geschäftsführer Michel Sidibé am Dienstag.

WHO und UNAIDS betonten jedoch, dass Kondome weiterhin das wirksamste Mittel seien, um die Übertragung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten zu reduzieren. Den Organisationen zufolge ist die beste Strategie zur Vorbeugung von Aids, verschiedene Präventions-Instrumente zu kombinieren.

Im Rahmen der sogenannten iPrEx-Studie erhielt die Hälfte der Männer eine Pille Truvada und die andere Hälfte das Scheinmedikament Placebo. Keiner der Teilnehmer wusste, zu welcher Gruppe er gehört.

Von denen, die Truvada bekamen, bekannte etwa die Hälfte, dass sie die Pille nicht regelmäßig oder auch gar nicht eingenommen hatte. Das erklärt nach Meinung von Pickett, warum das Mittel die Infektionsrate im Vergleich zu Placebo nur um 43,8 Prozent reduzierte. Nach durchschnittlich 14 Monaten Einnahmedauer waren 36 Männer der Truvada-Gruppe und 64 der Placebo-Gruppe infiziert. Die Studie mit den Truvada-Tabletten läuft seit Juni 2007. Eine Monatspackung kostet etwas über 800 Euro.

Auf der Weltaidskonferenz im Juli dieses Jahres war bereits ein Gel für Frauen vorgestellt worden, dass sich wirksam gegen Aids zeigte. In einer südafrikanischen Pilotstudie mit rund 900 Frauen sank dadurch das Ansteckungsrisiko mit HIV um knapp 40 Prozent. Das Vaginalgel, das vor dem Sex in die Scheide eingeführt werden muss, enthielt zu einem Prozent dem Wirkstoff Tenofovir, der sich unter anderem auch in Truvada befindet.

dpa

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