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Roboter – die Pfleger der Zukunft?

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Ri-Man soll bald Menschen bis zu 70 Kilogramm Gewicht hochheben und tragen können.
Ri-Man soll bald Menschen bis zu 70 Kilogramm Gewicht hochheben und tragen können. © fkn

München - Aus der Industrie sind Roboter längst nicht mehr wegzudenken. Doch zahlreiche Forscherteams arbeiten auch an Maschinen, die bei der Betreuung pflegebedürftiger Menschen helfen sollen. Auch Hightech-Tiere, die Nähe und Zuwendung simulieren, gibt es bereits. Menschliche Betreuung ersetzen kann Technik aber nicht, warnen Sozialexperten.

Paro zwinkert und fiept. Das Seehundbaby reagiert auf denjenigen, der ihn anspricht, indem es in seine Richtung schaut. Doch Paro ist kein echtes Tier, sondern ein Kuschel-Roboter mit Licht- und Berührungssensoren sowie Mikrofonen, der in japanischen Altenheimen bereits seit vier Jahren eingesetzt wird. Erfunden hat ihn der Japaner Takanori Shibata. Durch die Interaktion mit dem künstlichen Haustier würden Stress und Angst abgebaut und soziales Verhalten stimuliert, sagt der Erfinder. Diese Effekte, argumentiert er, könne er durch zahlreiche Untersuchungen belegen.

„Anders als in Europa werden Maschinen in Japan nicht als Bedrohung, sondern als Hilfe empfunden“, sagt Frank Kirchner, Roboter-Experte an der Universität Bremen. Fieberhaft wird in dem asiatischen Land an der Weiterentwicklung von künstlicher Intelligenz gearbeitet, gerade auch im Hinblick auf den Einsatz der Maschinen als Helfer für pflegebedürftige Menschen.

Schon bald ist „Ri-Man“ einsatzbereit. Der humanoide, also menschenähnliche Roboter ist 100 Kilogramm schwer und 1,58 Meter groß. Wenn alles passt, soll die vom japanischen Forschungsinstitut Riken entwickelte Maschine als künstlicher Altenpfleger zum Einsatz kommen. Ri-Man wird in der Lage sein, bis zu 70 Kilogramm schwere Personen aufzuheben oder auch herumzutragen. Und: Der Roboter kann sehen, hören und zwischen acht Gerüchen unterscheiden.

Auch die Fitness älterer Menschen haben Forscher im Auge: Der koreanische Roboter-Hund Genibo macht etwa Sportübungen vor – und erinnert den Menschen daran, dass er seine Medikamente einnehmen muss.

In der Vision des Informatik-Professors Raúl Rojas von der Freien Universität Berlin spielen die elektronischen Wesen vor allem als Hilfe im Alltag eine Rolle – für jeden. „Es wird Roboter geben, die die Post verteilen, die auf der Straße Koffer tragen, die am Hauseingang warten und den Kasten Bier in die vierte Etage tragen“, prophezeite er für das Jahr 2025. Das könnte eintreten, denn auch in Deutschland wird daran gearbeitet, Roboter fit zu machen für die Integration in die Gesellschaft. Die Zahl der Prototypen steigt.

Da wäre etwa der Haushaltsroboter „Care-O-Bot 3“. Entwickelt hat ihn das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA). Der „Robo Sapiens“ kann Gegenstände holen und bringen, den Tisch decken und Schubladen öffnen. Bekommt er einen Auftrag, quittiert er ihn mit einem blechernen „Sehr gerne“. Wie ein Mensch aus Fleisch und Blut sieht dieser Roboter bewusst nicht aus, heißt es beim IPA. Auch, weil der Benutzer die Maschine leicht überschätzt, wenn sie einem Menschen zu sehr ähnelt.

Vom Menschen lernen soll „Armar“, der Roboter des Karlsruher Instituts für Antropomatik. Wenn er „ausgelernt“ hat, soll er putzen, die Spülmaschine ausräumen und die Post vom Briefträger annehmen. Dazu sind aber noch weitere Forschungsarbeiten nötig. „Das Greifen ist vielleicht eines der komplexesten Probleme, die man auf dem Gebiet noch behandelt“, sagt Tamin Asfour, der an Armar arbeitet.

Abgesehen von der Roboter-Robbe Paro, die bereits in einem Heim in Baden-Baden bei Demenzkranken eingesetzt wird, sind die Erfinder noch nicht so weit, dass ihre Maschinen auf Menschen losgelassen werden können. Die Meinungen darüber, welche Auswirkungen Pflegeroboter mit sich bringen könnten, sind unterschiedlich: Da gibt es jene, die glauben, dass Altenpfleger so künftig mehr Zeit haben, um sich um soziale Aspekte zu kümmern. Andere befürchten, menschliches Personal werde wegrationalisiert, wenn die Pflegeroboter kommen. Und es gibt jene, die ein generelles Unbehagen befällt bei der Vorstellung, dass Maschinen den Pflegenotstand abmildern sollen. „Wenn menschlicher Kontakt durch Maschinen ersetzt wird, ist das ein Armutszeugnis für unsere Zukunft“, sagt der Sozialpädagoge Claus Fussek.

Doch die Statistiken für die Zukunft sagen sowieso Düsteres vorher: 2050 muss eine Pflegekraft 17 hilfebedürftige Personen betreuen. Da, so fürchten viele, bleibt menschliche Nähe sowieso auf der Strecke. Roboter können einen gewissen Grad an Unabhängigkeit erzeugen und die Lebensqualität der Menschen erhöhen. Ganz verstehen werden sie Menschen aber nie. Die Technik könne „menschliche Betreuung nie ersetzen, sondern nur ergänzen“, glaubt Heiko Fillibeck vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe. So viel ist denn auch sicher: Lächeln oder streicheln kann bisher kein Roboter.

Caroline Wörmann

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