Der Terrorverdächtige Adem Yilmaz will im Gericht provozieren.
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Der Terrorverdächtige Adem Yilmaz will im Gericht provozieren.

Sauerland-Prozess: Eine Woche Ordnungshaft für Angeklagten

Düsseldorf - Bevor die schwerwiegenden Anklagepunkte überhaupt zur Sprache gekommen sind, ist im Düsseldorfer Prozess gegen die vier mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe einer der Angeklagten zu einer Woche Ordnungshaft verurteilt worden.

Der 30-jährige Adem Yilmaz habe sich einer “Ungebühr schuldig gemacht“, sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts. Trotz mehrfacher Aufforderung war Yilmaz zum Prozessauftakt am Mittwoch beim Eintreten des Senats in den Sitzungssaal wie auch bei der Vereidigung eines Dolmetschers sitzengeblieben. Dies sei ein provokatives und die Missachtung des Gerichts ausdrückendes Verhalten, sagte Breidling. Die Bundesanwaltschaft hatte drei Tage Ordnungshaft für Yilmaz gefordert.

Yilmaz' Verteidigerin Ricarda Lang hatte am Mittwoch erklärt, ihr Mandant wolle keineswegs Missachtung gegenüber dem Gericht ausdrücken - sein Verhalten sei ausschließlich religiös begründet. Yilmaz hatte erklärt, er stehe “nur für Allah auf“.

Breidling forderte Yilmaz auf, sein Verhalten noch einmal zu überdenken. Der 30-Jährige war auch am Donnerstag beim Eintreten des Senats wieder sitzengeblieben. Weitere Fälle würden nicht ungeahndet bleiben, betonte der Richter.

Die zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider, der Deutsch-Türke Atilla Selek und der Türke Yilmaz müssen sich seit Mittwoch unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen in einem der größten Islamistenprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik verantworten. Sie wollten laut Anklage mit Autobomben möglichst viele amerikanische Bürger in Deutschland töten. Als Mitglieder und Gründer einer deutschen Zelle der Islamischen Dschihad Union (IJU) seien sie erfüllt gewesen von einem “abgrundtiefen Hass auf die USA als größtem Feind des Islam“.

Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Angeklagten Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord vor. Der 23-jährige Schneider muss sich zudem wegen versuchten Mordes verantworten, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll. Am zweiten Prozesstag sollten Zeugen aus dem privaten Umfeld der Angeklagten gehört werden.

AP

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