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Die Fläche in Monaco wird zu klein. Deshalb soll der Stadtstaat ins Meer wachsen.

Mehr Geld als Platz

Monaco will wieder ins Meer wachsen

Paris - Das kleine Monaco möchte größer werden. Ein Milliardenprojekt soll dem Meer Land abtrotzen. Der Traum von mehr Fläche im Stadtstaat ist schon mal geplatzt.

Monaco ist ziemlich reich, aber auch recht klein. Weil der Stadtstaat im Zweifel mehr Geld als Platz hat, macht er neue Pläne für mehr Fläche im Fürstentum. Mit einem Milliardenprojekt wollen die Monegassen dem Meer vor der Côte d'Azur sechs Hektar neues Land abringen. Aktuell ist der nach dem Vatikan zweitkleinste Stadtstaat etwa zwei Quadratkilometer oder 200 Hektar groß.

Ein ähnliches Projekt hatte 2008 große Namen nach Monaco gelockt. Die beiden Stararchitekten Norman Foster (Reichstagskuppel) und Daniel Libeskind (Jüdisches Museum Berlin) legten mit den jeweiligen Investoren für eine 15 Hektar große Landzunge konkurrierende Entwürfe vor. Das Vorhaben wurde jedoch von Fürst Albert II. mit Blick auf Finanzen und Umwelt abgeblasen: „Im gegenwärtigen Klima wäre es unverantwortlich, ein Projekt von diesen Dimensionen in Angriff zu nehmen“, begründete er den Schritt in einem Interview.

Monacos Regierungschef Michel Roger ist inzwischen optimistischer in Sachen wirtschaftliche Zukunft: „Monaco hat die Krise hinter sich gelassen, wir stehen wieder auf stabilen Fundamenten“, sagte er bei der Präsentation der aktuellen Pläne.

Um ein Fundament geht es zunächst auch vor der Küste. Für etwa eine Milliarde Euro soll ein Sockel ins Meer gebaut werden. Darauf könnten dann bis zu zehn Stockwerke gesetzt werden: Luxusappartements, Geschäfte, Büros. Außerdem wünschen sich die Verantwortlichen, dass der neue Küstenabschnitt „Landschaftsbild und städtische Identität respektiert“.

All das soll ein Investor sicherstellen, der nun per Ausschreibung bis zum 23. Juli gesucht wird. Im Gegenzug bietet das Fürstentum unter anderem Bau- und Neubaurechte an wenigen noch freien oder schon bebauten Flächen. Das neue Viertel könnte dann bis 2024 fertig sein.

Das aus allen Nähten platzende Fürstentum hat bereits Erfahrung mit der Landgewinnung: Der Stadtteil Fontvieille ganz im Süden des von Frankreich umschlossenen Stadtstaates ist fast komplett dem Meer abgetrotzt. Noch als Prinz legte Albert 1981 den Grundstein für den neuen Teil des Fürstentums.

Ob es beim noch unbenannten neuen Projekt soweit kommt, hängt einmal mehr auch von Umweltfragen ab. Die ausgewiesene Fläche liegt unmittelbar zwischen dem Naturschutzgebiet Larvotto und dem mit Unterwasserhöhlen durchsetzten Areal Spélugues. Im Schutzgebiet sieht die in der Regierung für Umwelt verantwortliche Marie-Pierre Gramaglia „eine sehr große Artenvielfalt, die bewahrt und entwickelt werden muss“.

Die dort lebenden Zackenbarsche werden künftig vielleicht sehr genau hinschauen müssen: Zwischen Naturschutzgebiet und dem neu geplanten Sockel liegen ungefähr 20 Meter.

dpa

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