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Ein Foto vom Unfallort und der Fahrer vor Gericht

"Monster": Mutter klagt vor Gericht Unfallfahrer an

Hamburg - Gut eineinhalb Jahre nach dem tödlichen Verkehrsunfall vor dem Hamburger Hauptbahnhof, bei dem ein vierjähriger Junge starb, ist der Unfallfahrer verurteilt worden.

Das Amtgericht Hamburg-St. Georg verhängte am Donnerstag eine zehnmonatige Bewährungsstrafe gegen den 75 Jahre alten Angeklagten wegen der fahrlässigen Tötung eines Vierjährigen. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor 15 Monate Bewährung gefordert, die Nebenklage eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Nach dem Urteil erklärte die Verteidigung den Verzicht auf eine Berufung.

Der Verurteilte hatte im Mai 2010 beim Ausparken im Rückwärtsgang vor dem Hauptbahnhof die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Er überfuhr den Jungen und dessen Mutter. Auch deren Bruder wurde von dem Wagen erfasst und verletzt. Der Junge starb rund eine Stunde nach dem Unfall an seinen schweren Verletzungen.

Gericht sieht Krampf als Schutzbehauptung

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses schriftlich sein Bedauern über den Unfall ausgedrückt. Er erklärte, einen Krampf im Bein und eine kurzzeitige Bewusstlosigkeit erlitten zu haben. Dies wies die Richterin in ihrer Urteilsbegründung als Schutzbehauptung zurück. Der Angeklagte habe Gas gegeben, um mit dem Wagen die Senke eines Regenablaufs zu überwinden. Dabei habe der Rentner in einem Sekundenversagen viel zu viel Gas gegeben, sodass der Wagen in die Menschengruppe fuhr.

Strafmildernd sei zu werten, dass die Versicherung des Mannes die Überlebenden des Unfalls entschädigt habe, heißt es in der Urteilsbegründung. Er sei nicht vorbestraft und habe auch keine aktenkundigen Verkehrsverstöße vorzuweisen. Zudem habe er auf Wunsch der Nebenklage seinen Führerschein noch im Gerichtssaal abgegeben. Es handele sich um einen “ganz schrecklichen Fall“. Keine Strafe gegen den Unglücksfahrer könne das Leid der Eltern mindern.

Eltern: Zu spät für Entschuldigung

Kurz vor der Urteilsverkündung hatte die Mutter als Nebenklägerin eine angebotene Entschuldigung des Angeklagten nicht angenommen. Dafür sei es zu spät, sagten die mittlerweile getrennt lebenden Eltern des Kindes am Rande des Prozesses. “Mein Kind hat nicht die Chance, sein Leben weiterzuführen“, sagte die Mutter. “Ich musste den Sarg aussuchen.“ Den Angeklagten bezeichnete sie als “Monster“. Er habe keine ehrliche Reue gezeigt.

Sowohl der Angeklagte als auch seine Ehefrau, die ihn am Unglückstag begleitete, begaben sich nach eigener Darstellung nach dem Unfall für längere Zeit in psychiatrischer Behandlung. Sie berichteten von übelsten Beschimpfungen und ständigen Morddrohungen gegen sie.

dapd

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