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Polizisten suchen im Juni 2013 in Mössingen nach Spuren des Mordes an einer jungen Frau, die mit 145 Messerstichen getötet worden war.

Tochter (2) musste zusehen

Mörder sticht 145 Mal auf sein Opfer ein

Tübingen - Mit 145 Messerstichen soll er eine junge Mutter vor den Augen ihrer Tochter getötet haben - doch der 27-jährige Angeklagte beteuert seine Unschuld.

Vor dem Landgericht Tübingen hat am Donnerstag der Prozess um einen brutalen Raubmord im vergangenen Frühling in Mössingen begonnen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte die Frau umgebracht und ausgeraubt hat, um seine Spielsucht finanzieren zu können. Doch der Angeklagte beteuerte: „Ich bin nicht der Mörder, und ich fühle mich zu Unrecht inhaftiert.“ Die Schwurgerichtskammer stellt sich auf einen monatelangen Indizienprozess ein.

Die Tat im Mai 2013 hatte in der kleinen Stadt am Fuß der Schwäbischen Alb für Entsetzen gesorgt. Vor allem auch deshalb, weil die zweijährige Tochter des Opfers die grausame Tat mit ansehen musste. Als der Täter schon geflüchtet war, saß das kleine Mädchen noch sechs Stunden lang am Kopf seiner toten Mutter.

Die Ermittler waren erst nach einigen Tagen auf die Spur des 27-Jährigen gekommen. Der Mann aus Rottenburg hatte hohe Schulden bei seinem 31 Jahre alten Opfer und ihrem Mann. Um 15.000 Euro sei es gegangen, räumte der Angeklagte in einer Erklärung ein, die er im Gefängnis verfasst hatte und die vor Gericht verlesen wurde. Das Geld hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft vor allem in Spielhallen ausgegeben. Mehrmals pro Monat habe der arbeitslose Mann dort an den Automaten um Summen von teilweise mehreren hundert Euro gespielt - und immer verloren.

An jenem Freitagmorgen war der 27-Jährige wieder einmal pleite. Seine Freundin habe einkaufen gehen wollen und die nächste Rate für die Autoversicherung sei fällig gewesen, erklärte er. Deshalb sei er noch einmal zu der 31-Jährigen gefahren und habe sie um 500 Euro gebeten.

Was dann passierte, dazu gibt es zwei verschiedene Versionen. Der Angeklagte selbst spricht davon, dass er sich nett mit der Frau unterhalten und einen Kaffee mit ihr getrunken habe. Schließlich habe sie einen 500-Euro-Schein geholt und ihm das Geld für ein, zwei Wochen geliehen. Er habe sich verabschiedet und sei gegangen. Dass die 31-Jährige am gleichen Morgen ermordet wurde, habe er erst nach seiner Festnahme fast zwei Wochen später erfahren.

Doch diese Version kauft ihm die Staatsanwaltschaft nicht ab. Sie geht davon aus, dass die Frau ihm nicht noch mehr Geld leihen wollte. Daraufhin habe der 27-Jährige zu einem Messer gegriffen und immer wieder auf sein Opfer eingestochen, sagte der Oberstaatsanwalt. Als er dann in der ganzen Wohnung nach Bargeld suchte, sei die Frau mit letzten Kräften hinter ihm hergekrochen - wohl auch, um ihre kleine Tochter zu schützen. Daraufhin habe der Mann noch einmal auf sie eingestochen. 145 Stichverletzungen zählten Gerichtsmediziner.

Fahnder fanden außerdem Blut des Angeklagten am Tatort. Für die Anklage ist das ein entscheidendes Indiz. Der 27-Jährige erklärt das damit, dass beim Besuch der Frau wohl eine schon etwas ältere Wunde wieder aufgegangen sei.

Die Schwurgerichtskammer am Tübinger Landgericht hat für den Prozess gegen den 27-Jährigen 15 Verhaltungstage bis in den Sommer hinein angesetzt. Ihm droht eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Bei der Suche nach dem Mörder war zunächst auch eine 24 Jahre alte Schwangere festgenommen worden. Sie erlitt daraufhin eine Fehlgeburt. Die Behörden haben erklärt, dass es keine Versäumnisse durch die Beamten gegeben habe.

dpa

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