News-Ticker zum Barcelona-Terror: Zahl der Todesopfer auf 15 gestiegen

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Der Angeklagte im Fall Janina vor Gericht.

Er bestreitet eine Tötungsabsicht

Janina (11) an Silvester erschossen - Schütze gesteht

Bamberg - Eine Elfjährige stirbt in der Silvesternacht durch eine Revolverkugel - der Schütze steht nun wegen Mordes vor Gericht. Doch der 54-Jährige beteuert, nicht bewusst auf Menschen geschossen zu haben.

Zum Auftakt des Prozesses um den Silvestermord an der elf Jahre alten Janina hat der Angeklagte Roland E. vor dem Landgericht Bamberg ein Geständnis abgelegt. Sein Mandant räume ein, drei oder vier Mal geschossen zu haben, bestreite aber jede Tötungsabsicht, erklärte der Verteidiger des 54-Jährigen am Mittwoch. Er habe damals nicht bewusst in Richtung von Menschen gezielt, sondern in Richtung eines Walds nahe seinem Haus. „Er bedauert zutiefst, was am 1. Januar 2016 passiert ist“, sagte sein Anwalt.

Im unterfränkischen Dorf Unterschleichach hatte die elf Jahre alte Schülerin in der Silvesternacht mit drei anderen Mädchen und zwei Frauen ins neue Jahr gefeiert. Gegen 1.00 Uhr traf sie die Kugel aus einem Revolver in den Hinterkopf. Der Rettungsdienst brachte das schwer verletzte Mädchen zwar noch in ein Krankenhaus, dort starb es aber nach einer mehrstündigen Notoperation.

Wut auf Silvester-Böllerei als Auslöser?

Strittig ist das Motiv des Mannes. Die Staatsanwaltschaft wirft E. vor, dass er sich durch die Böllerwürfe und den Lärm der das neue Jahr feiernden Menschen gestört gefühlt und aus Wut geschossen habe.

Sein Verteidiger verwies auf frühere Polizeivernehmungen, laut denen sein Mandant zunächst angegeben habe, aus "Blödsinn" geschossen zu habe und später gesagt habe, aus "Wut". E. selbst machte zu seinem Motiv zunächst trotz des Drängens von Staatsanwaltschaft und Gericht keine Angaben.

Oberstaatsanwalt Otto Heyder warf dem Angeklagten vor, die entscheidende Frage damit nicht zu beantworten. "Das sind sie den Angehörigen schuldig", appellierte Heyder an E., das Motiv zu benennen. Die als Nebenkläger auftretenden getrennt lebenden Eltern hätten zum Aufarbeiten des Geschehens ein Recht darauf.

Auch der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt appellierte eindringlich an E., das Motiv für die Schüsse zu benennen. Es gebe ein berechtigtes Interesse der Eltern, dieses zu erfahren. Außerdem sei es für Außenstehende nur "sehr schwer nachvollziehbar", wenn der Angeklagte sich an Einzelheiten vor den Schüssen und nach den Schüssen erinnern könne, aber die entscheidende Frage nicht beantworte.

E. sagte dagegen nur: "Ich weiß es wirklich nicht, warum ich das gemacht habe." Janinas Vater verfolgt die Aussagen konsterniert, er ist so schwer traumatisiert, dass er das ganze Jahr über arbeitsunfähig war. Die neu verheiratete Mutter, die ihre Tochter als "Engel auf der Erde" beschreibt, muss einmal unter Tränen mit ihrem Ehemann den Gerichtssaal verlassen.

Der Angeklagte versinkt in Selbstmitleid

Bei dem Angeklagten - einem gelernten Maurer, der zuletzt als Fahrer bei einer Justizvollzugsanstalt arbeitete - waren vier Waffen und zahlreiche Patronen sichergestellt worden. Früher habe er im Krieger- und Soldatenverein geschossen, sagte der Mann vor Gericht. Allerdings könne er aufgrund eines Zittern in den Händen schon länger nicht mehr schießen. Er habe öfter daran gedacht, seine Waffen abzugeben, sagte E. nun. "Besser wäre es gewesen, ich hätte den Scheiß verkauft."

Das ist der Moment, als E. sich selbst mit wachsendem Selbstmitleid beschreibt. Krank sei er, die Lunge. Auch Depressionen habe er und Schmerzen in der Bauchspeicheldrüse. "Ich hatte Schmerzen, das konnte man ja nicht aushalten." 

Das Selbstmitleid können viele Zuhörer nur schwer ertragen, immer wieder ist wütendes Murmeln zu hören. Selbst seine Tat sieht der Angeklagte vor allem als Belastung für sich selbst: "Das ist so schlimm, dass man nicht mehr schlafen kann".

Staatsanwalt: Tötung war Mord

Weil er beim Schießen bewusst darauf geachtet habe, von der Straße aus nicht gesehen zu werden, habe das Mädchen nicht mit einem Angriff rechnen können, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Daher geht sie von Heimtücke sowie niederen Beweggründen aus und bewertet die Tötung als Mord. Dass das Mädchen sterben würde, habe der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen. Das könnte für ihn lebenslange Haft bedeuten.

In dem Verfahren, das als „Fall Janina“ bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte, soll es nach dem Auftakt zunächst vier weitere Verhandlungstage geben. Ein Urteil könnte am 22. Dezember fallen.

Tod in der Silvesternacht

dpa/afp

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