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Sie sollen einen 26-Jährigen regelrecht hingerichtet haben: Elf Rocker stehen deswegen in Berlin vor Gericht.

26-Jährigen erschossen

Mord aus Rache: Rocker vor Gericht

Berlin - Rocker stürmen in ein Wettbüro, das Opfer wird von sechs Schüssen tödlich getroffen. Der Angriff soll ein Racheakt der Hells Angels gewesen sein. Im Gericht sitzen die Angeklagten hinter Panzerglas.

Die Kriminalpolizei sprach später von einer Hinrichtung: In einem Berliner Wettspiel-Café sollen mehrere Rocker einen Rachemord verübt haben. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen von Polizei und Justiz begann am Dienstag ein spektakulärer Prozess gegen elf Angeklagte. Im großen Saal 500 des Landgerichts Berlin saßen zehn Rocker der Hells Angels und ein weiterer Angeklagter hinter Panzerglasscheiben. 24 Verteidiger kamen.

Ein 30-jähriger Rocker-Boss soll den Anschlag in Auftrag gegeben haben. Der Mord im Januar geschah blitzschnell - und vor laufenden Überwachungskameras. Auf den Filmen ist zu sehen, wie die Rocker in einer langen Schlange in das Café marschieren und zwei Räume durchqueren. Im letzten Zimmer schießt der erste Rocker achtmal auf einen Mann an einem Tisch. Sechs Kugeln treffen ihn. Dann stürmen die Männer wieder nach draußen.

Laut Anklage war der Mord die Rache für eine Messerstecherei vor einer Diskothek im Herbst 2013, an der das Opfer beteiligt war. Mit der Gewalttat wollten die Hells Angels demnach ihren Führungsanspruch unterstreichen. Verteidiger des Schützen und der Mitangeklagten im Alter von 25 bis 38 Jahren sagten vor Beginn der Verhandlung, das Geschehen sei keineswegs eindeutig. Die Aktion sei kein geplanter Mord gewesen, sondern „aus dem Ruder gelaufen“.

Mutter des Opfers als Nebenklägerin weinend vor Gericht

Am Vormittag des ersten Verhandlungstages ging es zunächst nur um die Frage, welche und wie viele Zuschauer zu dem Verfahren zugelassen werden. Mehrere Anwälte kritisierten, dass einige Rocker von der Polizei am Betreten des Gerichtsgebäudes gehindert worden seien.

Die 57-jährige Mutter des 26-jährigen Opfers erschien als Nebenklägerin weinend im Gericht. Sie wirft der Polizei vor, ihren Sohn nicht geschützt zu haben. Diese hatte im Frühjahr eingeräumt, von Morddrohungen gegen das Opfer gewusst zu haben, aber nicht aktiv geworden zu sein. Der Mann wusste allerdings Bescheid - er trug oft eine Schutzweste und eine Pistole bei sich.

Einer der Angeklagten soll gegen seine ehemaligen Gefährten ausgesagt haben - er gilt als Kronzeuge. Der Mann mit Sonnenbrille und Mütze saß genauso wie der mutmaßliche Todesschütze durch Glas von den anderen getrennt.

Die Angeklagten gehören alle zu einer neueren Sektion der Hells Angels, die in den vergangenen Jahren aus türkischstämmigen Männern aus der kriminellen Szene entstand und die sich mit besonders brutalem Auftreten in den herkömmlichen Rocker-Kreisen Respekt verschaffen wollte. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts mischen sie im Drogen- und Waffenhandel, im Rotlichtmilieu und in der Schutzgelderpressung mit.

Es wird mit einem langwierigen Verfahren gerechnet. Termine sind bereits bis April 2015 geplant.

dpa

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