Mordopfer Mirco: Familie findet Kraft im Glauben

Grefrath/Hamburg - Die Familie des ermordeten Mirco aus Grefrath bemüht sich um eine Rückkehr zur Normalität. Der starke Glaube an Gott gibt ihnen Kraft und Mut.

Reinhard S. erläuterte bei der Aufzeichnung der Talkshow “Beckmann“ laut einem Vorabbericht vom Sonntag: “Wir haben bei uns zuhause jeden Abend ein Treffen gehabt und gesagt: Wir reden miteinander, wir lesen zusammen in der Bibel und haben eine intensive Gebetszeit. Wo jeder ausdrücken konnte, was er erwartet oder was in einem vorgeht.“ Es seien die Familienmitglieder gewesen, die einen getragen hätten und bei denen man habe Kraft schöpfen können.

“Unsere große Tochter hat gefragt: Mama, darf ich jetzt noch lachen oder darf ich das nicht mehr?“, sagte Mircos Mutter Sandra S. Sie habe sie dazu ermutigt: “Wenn es dir gut geht zu dem Zeitpunkt, dann hab deinen Spaß.“ Insgesamt seien Mircos Geschwister jedoch nach dem Tod ihres Bruders alle “ein Stück weit ruhiger und nachdenklicher geworden“.

Der zehnjährige Mirco war am Abend des 3. September 2010 von einer Skateranlage nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Fast fünf Monate war sein Schicksal unklar. Im Januar wurde ein 45-jähriger Familienvater festgenommen, der den Missbrauch und die Tötung von Mirco gestand.

Bei “Beckmann“ erzählen die Eltern auch davon, dass sie planen, anderen betroffenen Familien zu helfen und einen Verein zu gründen: “Es sind Ideen da: Wie kann ich Menschen helfen, die Ähnliches erlebt haben, und wie kann ich sie durch Gespräche und Austausch auffangen?“

Ein Problem für die Familien seien häufig die Schuldzuweisungen. “Daran gehen ganz oft Ehen kaputt. Und die anderen Kinder werden vernachlässigt, weil sie wegen dem vermissten oder verlorenen Kind beiseite gerückt sind.“ Nach Mircos Tod hätten sie und ihre drei weiteren Kinder keine spezielle psychologische Betreuung gesucht. “Durch unseren Familienzusammenhalt sind wir sehr eng miteinander. Und ich denke, das spüren auch unsere Kinder.“ Mircos Mutter ergänzt: “Das Leben geht weiter. Ich möchte mich nicht verschanzen, das wäre nicht ich.“

Der Auftritt in der “Beckmann“-Sendung, die am Montag (18. April) um 22.45 Uhr in der ARD gezeigt wird, ist der erste Auftritt der Eltern in einer Talksendung seit der Ermordung ihres Sohnes.

dapd/dpa

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