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Mosambik: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Statue von Machel Samora auf dem Unabhängigkeitsplatz in Maputo, Hauptstadt von Mosambik
Statue von Machel Samora auf dem Unabhängigkeitsplatz in Maputo, Hauptstadt von Mosambik © Eunika Sopotnicka / IMAGO

Mosambik besitzt traumhaft schöne Strände am Indischen Ozean. Dennoch wüten zahlreiche Unruhen im vermeintlichen Paradies. Neben Naturkatastrophen wurde das Land in den letzten Jahren auch von Terroranschlägen heimgesucht.

Maputo – Das über 800.000 Quadratkilometer große Mosambik wirkt auf den ersten Blick wie ein wahres Urlaubsparadies. Das Land besitzt entlang des Indischen Ozeans kilometerlange idyllische Strände sowie Meeres- und Naturparks. Dabei zählt das Land im Südosten Afrikas nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern ist auch stark risikobehaftet. Der Grund ist nicht nur die schlechte Infrastruktur und die hohe Ansteckungsgefahr an Tropenkrankheiten, auch politisch hat der Staat mit großen Herausforderungen zu kämpfen.

Mosambik: Frühe Völker und Kulturen

Schon vor tausenden Jahren waren hier die San ansässig. Dabei handelte es sich um Buschleute, die auf die Jagd gingen und Früchte sammelten. Später wurden diese durch die Bantuvölker verdrängt, die sich im ersten Jahrhundert nach Christus weitgehend im Südosten Afrikas niederließen. Mit ihnen begannen die Eisenzeit und somit auch der Ackerbau, wie Keramiken und Werkzeuge aus der Stadt Chibuene belegen.

Im 8. Jahrhundert breiteten sich die Swahili in der Küstenregion Mosambiks aus. Dieses Volk besaß eine islamische Kultur, gründete Städte wie Mombasa, Lamu, Sansibar-Stadt oder Bagamoyo und betrieb Handel mit Indien und Persien. Ihre Ware umfasste allerdings nicht nur edle Güter wie Gold, Schildpatt oder Elfenbein, sondern auch Sklaven. Letzteres sorgte dafür, dass ihre Sprache auch sehr unbeliebt war, weil sie mit der Sprache der Sklavenhändler gleichgesetzt wurde.

Mosambik: Die Portugiesen erobern das Land

1498 landete der portugiesische Eroberer und Seefahrer Vasco da Gama in Mosambik. Er lernte den Scheich Moussa Ben Mbiki kennen, von dem der Landesname „Mosambik“ abgeleitet wurde. Für die Portugiesen stellten die arabischen Händler eine große Konkurrenz dar. Aus diesem Grund zwang Vasco da Gama mit Kriegsschiffen die Hafenstädte Mosambiks in die Knie. So konnte sich Portugal den gesamten Handel an der Ostküste Afrikas sichern.

Im Jahr 1752 wurde Mosambik schließlich portugiesische Kolonie. Über die Jahrhunderte hinweg dominierte hier ein Gold- sowie menschenverachtender Sklavenhandel. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts startete die Freiheitsbewegung FRELIMO (Frente da Libertacao de Mocambique) einen erbitterten Kampf gegen die portugiesische Herrschaft. Doch erst mit dem Sturz der Diktatur in Portugal 1974 wurden ehemaligen Kolonien in ihre Unabhängigkeit entlassen. Am 25. Juni 1975 wurde Mosambik als unabhängige Volksrepublik ausgerufen.

Mosambik: Bürgerkriege und Demokratisierung

Da sich in der Freiheitsbewegung FRELIMO zunehmend marxistische Einflüsse bemerkbar machten, spaltete sich bald die demokratischere Widerstandsbewegung RENAMO von ihr ab. Die Konkurrenzparteien lieferten sich ab 1977 einen 15 Jahren anhaltenden Bürgerkrieg, die auch stellvertretende für den Westen und den Osten standen. Während RENAMO von Südafrika, den USA und Europa unterstützt wurde, erhielt FRELIMO Rückenwind von der Sowjetunion, Kuba und der damaligen DDR.

Der Bürgerkrieg, der in einem Friedensabkommen erst 1992 endgültig beendet wurde, hatte das Land in große Armut gestürzt. Schon 1990 wurde eine neue Verfassung eingeführt, welche die Demokratisierung des Landes vorantrieb. Auch die beginnende Marktwirtschaft sorgte wieder für eine Rückkehr zur wirtschaftlichen und politischen Stabilität des Landes. Doch auch noch in den 2010er Jahren kam es immer wieder zu Konflikten der ehemaligen Bürgerkriegsparteien. Seit 2015 übte allerdings auch die mit dem Islamischen Staat verbündete dschihadistische Gruppierung der al-Shabab viele Anschläge in Teilen des Landes aus. Zuletzt nahm diese im März 2021 die Stadt Palma ein, wurde allerdings vom Militär wieder zurückgedrängt.

Mosambik: Das politische System

Mosambik ist eine präsidentielle Republik, die seit dem Ende des Bürgerkriegs als demokratisiert gilt. Allerdings regiert aufgrund der wechselhaften Geschichte des Landes die Partei FRELIMO nahezu unangefochten und dauerhaft. Der Präsident ist Staatsoberhaupt und Regierungschef sowie der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird auf fünf Jahre gewählt. Ihm zur Seite steht der Premierminister, der den Vorsitz im Ministerrat einnimmt und den Präsidenten unterstützt und berät.

Die Legislative ist Aufgabe der Versammlung der Republik von Mosambik. Dabei handelt es sich um ein Einkammerparlament, das aus 250 Mitgliedern besteht und nach Verhältniswahlrecht auf eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt wird. Die Justiz obliegt dem Obersten Gerichtshof, dessen Unabhängigkeit von internationalen Beobachtern jedoch angezweifelt wird.

Mosambik: Fakten im Überblick

Mosambik: Sprachen und Bevölkerung

Obwohl die Amtssprache in Mosambik Portugiesisch ist, werden im Land weit mehr als 40 Sprachen gesprochen. Dabei sind die einheimischen Landessprachen den Bantusprachen zu zuzuordnen. Portugiesisch wird als Muttersprache tatsächlich von gerade mal 12 Prozent der Bevölkerung gesprochen – vorwiegend in den Städten. Die Bantusprache mit dem höchsten Bevölkerungsanteil ist Makua und wird vor allem im Norden des Landes gesprochen. Etwa 40 Prozent der Einwohner Mosambiks sind allerdings Analphabeten.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Bevölkerung beträgt inzwischen etwa 60 Jahre. Obwohl die Einwohnerzahl in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, sorgt die HIV-Prävalenz von gut über 12 Prozent (eine der höchsten der Welt) dafür, dass das Bevölkerungswachstum und die durchschnittliche Lebenserwartung gebremst werden. Das Land besitzt darüber hinaus eine bedeutende Diaspora in Südafrika, die allein 2017 rund 680.000 Personen umfasste.

Mosambik: Geografie und Städte

Mosambik grenzt an die Staaten Tansania, Malawi, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Eswatini an. Im Osten besitzt sie eine 2.800 Kilometer lange Küste am Indischen Ozean, in welchem durch die „Straße von Mosambik“ der Inselstaat Madagaskar vom afrikanischen Festland getrennt ist. Das Land besitzt ein flächenmäßig sehr breites Küstentiefland; vor allem im Süden. Im Norden steigt die Landschaft durchschnittlich auf 1.000 Meter ins Landesinnere hinein an. Der höchste Berg ist der Monte Binga mit 2.436 Metern.

Mosambik besitzt ein Savannenklima mit einer feuchten und einer trockenen Jahreszeit. Die hohe Klimavariabilität sorgte in den letzten Jahren allerdings auch für extreme Wetterereignisse, wie Dürren oder Überschwemmungen. Zuletzt haben 2019 die Zyklone Idai und Kenneth verheerende Schäden im Land angerichtet. Vor allem die Menschen in den ländlichen Regionen, die vom Regenfeldbau leben, waren sind von den Naturkatastrophen am härtesten getroffen.

Die größten Städte Mosambiks im Überblick

Mosambik: Wissenswertes zum Land

Auch wenn die Wirtschaft des Landes langsam wächst, leben rund zwei Drittel der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Ein Großteil der Bevölkerung ist von der Landwirtschaft und Fischerei abhängig. Dabei verfügt das Land über viele wichtige Rohstoffe wie Eisenerz, Erdgas, Gold, Marmor, Kohle oder auch Titan. Allerdings ist die Handelsbilanz immer noch stark negativ, sodass vorwiegend eher Nüsse, Krustentiere, Baumwolle und Zucker exportiert werden.

Auch der Tourismus ist aufgrund der schlechten Infrastruktur des Landes nur schwach ausgeprägt. Dabei hätte das Land wahre Schätze an Flora und Fauna zu bieten. Es verfügt über zwölf Nationalparks und Naturschutzgebiete. Hier leben Antilopen, Affen, Elefanten, Gazellen, Giraffen, Warzenschweine, Wasserbüffel, Zebras, aber auch Löwen und Leoparden. An den Küsten sind vor allem die Mangrovenwälder heimisch. Allerdings besteht für Touristen aufgrund des mangelhaften Gesundheitssystems ein höheres Infektionsrisiko diverser Krankheiten, wie Malaria, Cholera, Dengue-Fieber, Hepatitis A und B, Typhus oder sogar Pest.

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