„Corona-Mutation sind Grenzen gesetzt“ - Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner.
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„Corona-Mutation sind Grenzen gesetzt“ - Münchner Infektiologe Dr. Christoph Spinner.

Ende der Coronavirus-Pandemie

Münchner Infektiologe macht Hoffnung auf Pandemie-Ende - „Mutation sind Grenzen gesetzt“

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Coronavirus-Mutationen sind gefürchtet. Der Kampf gegen die Corona-Pandemie geht wohl jetzt erst richtig los. Infektiologe Christoph Spinner erklärt, wann uns das Virus nichts mehr anhaben kann.

München - Was für ein Dämpfer. Die Corona-Mutationen breiten sich auch in Deutschland rasch aus. Experten warnen jetzt eindringlich vor einer dritten Corona-Welle. Dabei herrscht nun schon wochenlang Lockdown. Alles wird komplizierter.

Bei den Corona-Impfungen hakt es weiter an allen Enden und Ecken. Gleichzeitig ist eine Diskussion um die Angaben zur Wirksamkeit, der derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe entbrannt. Das Vakzin von Biontech/Pfizer wirkt auf mRNA-Basis, das von AstraZeneca über ein Adenovirus als Vektor. Möglicherweise wirken die Impfstoffe gegen die Mutationen unterschiedlich gut. Im Minutentakt gibt es neue Nachrichten.

Die britische Corona-Mutation B.1.1.7. gilt als Infektiöser. Ob sich die Mutation für Kinder gefährlicher ist, lässt sich bisher noch nicht abschließend beantworten. Besonders gefürchtet ist die in Südafrika aufgetretene Mutation (B.1.351). Sie gilt als deutlich ansteckender als frühere Varianten. Der AstraZeneca-Impfstoff schützt laut ersten Studien weniger gut.

Infektiologe Spinner: „Mutationen sind Grenzen gesetzt“

Biontech/Pfizer hat am Wochenende eine Analyse von britischen Daten veröffentlicht, die vielversprechend ist. Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner ordnet diese und neueste Erkenntnisse zur Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs im Gespräch mit focus.de ein.

„In den letzten Tagen ist aber nochmal eine Arbeit aus dem Labor, sogenannte Neutralisationsuntersuchungen zum Biontech/Pfizer-Impfstoff erschienen“, sagt der Oberarzt am Münchner Klinikum rechts der Isar. Mit Blut von geimpften Personen würde dabei untersucht, ob die Virusvarianten aktiv sind oder eine Neutralisation stattfinde. Bei den Untersuchungen habe sich gezeigt, dass die Antikörper das Coronavirus neutralisieren, aber bei der Südafrika-Variante schwächer und schlechter.

Besorgniserregende Coronavirus Variante ((variants of concern - kurz VOCs)Mutmaßliche Eigenschaft
Britische Variante B.1.1.7.Erhöhte Übertragbarkeit
Südafrika-Variante B.1.351Reduzierte Wirksamkeit der Immunantwort nach Infektion/Impfung
Manaus (Brasilien)-Variante B.1.1.28 P.1Hinweis auf mögliche Wiederansteckung

„Antikörper funktionieren nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip“

Impfstoffhersteller passen deswegen ihre Vakzine an die neuen Mutationen an, erklärt Prof. Spinner. Es ginge darum eine breite Immunantwort zu erhalten. Eine Kombination von Impfstoffen sei deswegen auch möglich.

„Antikörper funktionieren nach einem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Also, sie müssen sich auf dieses Oberflächen-Protein des Virus, dem sogenannten S-Protein - dem Eiweißstoff des Virus möglichst gut passen. Damit das Virus durch diese Antikörper zuverlässig eliminiert wird“, führt der Münchner Infektiologe aus. Dass sich das Virus auch in Zukunft noch weiter verändert, sei wahrscheinlich. Jede Mutation bedeute, dass sich Antikörper schwächer binden.

„Aber glücklicherweise sind der Mutation auch Grenzen gesetzt. Denn, wenn sich dieses Oberflächenprotein sehr stark verändert, kann es auch nicht mehr in menschliche Zellen eindringen“, sagt Infektiologe Christoph Spinner. Wann das der Fall sein könnte, erläuterte Spinner allerdings nicht. Es kann also dauern. In einer Sache sind sich Wissenschaftler und Mediziner momentan einig: Alle Corona-Impfstoffe schützen vor schweren Verläufen. Alle drei bislang in Deutschland zugelassenen Impfstoffe seien sicher und wirksam und schützten nach aktuellem Wissensstand auch vor Erkrankungen durch die neuen Virusvarianten, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Das Ende der Corona-Pandemie - vor Weihnachten hat Top-Virologe Alexander Kekulé eine bemerkenswerte These aufgestellt. Dabei war der 57-Jährige vorsichtig optimistisch. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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