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Der Angeklagte beim Prozessauftakt. 

Er hofft auf Bewährung

Mutmaßlicher IS-Terrorist gesteht vor Gericht

Düsseldorf - Weil er mit detaillierten Aussage den Statthalter des sogenannten Islamischen Staats in Deutschland hinter Gitter gebracht haben soll, kann ein Deutschtürke nun auf erheblichen Strafrabatt hoffen.

Ein mutmaßlicher IS-Terrorist aus Gelsenkirchen kann nach einem umfassenden Geständnis auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Der 23-jährige ehemalige Medizinstudent steht seit Montag in Düsseldorf vor Gericht. Er soll mit seinen Aussagen als „Kronzeuge“ erheblich dazu beigetragen haben, den mutmaßlichen Stellvertreter des Islamischen Staats in Deutschland, Abu Walaa, hinter Gitter zu bringen.

Den Vorwurf der Bundesanwaltschaft, Mitglied der Terrorgruppe Islamischer Staat gewesen zu sein, räumte der Deutschtürke beim Prozessauftakt sofort sein. Die Vorwürfe seien „im Wesentlichen zutreffend“, sagte er. Viele Tage lang hatte der 23-Jährige nach seiner Rückkehr aus Syrien Ermittlern und Justiz in Deutschland umfassend Rede und Antwort gestanden. Die Anklage basiere zu erheblichen Teilen auf seinen eigenen Aussagen, merkte der Vorsitzende Richter Frank Schreiber an. Verteidiger Johannes Pausch sagte: „Er ist das Beispiel eines Syrien-Rückkehrers, das Schule machen könnte.“

Vom Hörsaal nach Syrien

Der Angeklagte hatte sein Abitur in Gelsenkirchen mit 1,0 bestanden und in Aachen Medizin studiert. Er geriet in islamistische Kreise. Laut Anklage bestärkte ihn Abu Walaa zur Ausreise nach Syrien. Trotz Ausreiseverbots der Stadt Aachen setzte er sich mit seiner Ehefrau Mitte 2015 über die Türkei nach Syrien ab.

Dort wollte er dem IS mit seinen Medizinkenntnissen dienen, wie es in der Anklageschrift weiter heißt. Weil Abu Walaa für ihn gebürgt hatte, brauchte der Gelsenkirchener für seine Wohnung in Al-Rakka in Syrien keine Miete zu zahlen. Der IS habe ihm sogar ein etwa zehn Jahre altes Mädchen, eine Jesidin, als Sex-Sklavin zur Verfügung gestellt, berichtete sein Anwalt, so wie zuvor die Wochenzeitung „Zeit“.

Gefährliche Rückkehr nach Deutschland

Schockiert und abgeschreckt von der Brutalität des IS habe der inzwischen 23-Jährige mehrfach versucht, aus dessen Herrschaftsgebiet zu fliehen, so die Bundesanwaltschaft. Er wurde demnach erwischt und in ein IS-Gefängnis gebracht. Nachdem seine Haft in einen Hausarrest abgemildert wurde, gelang ihm schließlich die Flucht in die Türkei.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im September 2016 wurde er wiederum verhaftet. Inzwischen ist er aus der Untersuchungshaft entlassen, lebt im Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort und gilt als sehr gefährdet. Maskierte und bewaffnete Polizisten begleiteten ihn am Montag in den Gerichtssaal des Hochsicherheitstrakts des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Für das Verfahren sind bislang drei weitere Verhandlungstermine vorgesehen. Der Prozess wird am 15. Mai fortgesetzt.

dpa

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