Mutmaßlicher Kinderschänder Shanti an Deutschland ausgeliefert

München - Der mutmaßliche Kinderschänder Oliver Shanti ist an Deutschland ausgeliefert worden und sitzt in München in Untersuchungshaft. Nach seiner Festnahme am 27. Juni in Lissabon übergab die portugiesische Polizei am Freitag Shanti in Begleitung eines Notarztes den Beamten in München.

Diese brachten den 59- Jährigen in die Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Shanti kam wegen ungeklärter Beschwerden auf die Krankenstation, wie die Münchner Polizei am Montag mitteilte. Dem gebürtigen Hamburger, der zeitweise Guru einer sektenähnlichen Gemeinschaft war, werden mehr als 300 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch zur Last gelegt.

Nun will die Staatsanwaltschaft Shantis Gesundheitszustand überprüfen lassen. Eventuell müsse ein psychologisches Gutachten erstellt werden, sagte Anton Winkler, der Sprecher der Behörde. Shanti, der mit bürgerlichem Namen Ulrich Schulz heißt, habe einen relativ guten äußerlichen Eindruck gemacht, sagte Kriminalhauptkommissar Ignaz Raab. "Der Beschuldigte war emotional aufgewühlt." Shanti will nach Angaben des Ermittlers zu den Vorwürfen schweigen. Er habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als Komplott bezeichnet, teilte die Polizei mit.

"Die Polizei versucht, an weitere Opfer zu kommen. Die Staatsanwaltschaft will rasch Anklage erheben", sagte Staatsanwaltschaftssprecher Winkler. Noch unklar ist, warum der gesuchte Shanti in Portugal so lange auf freiem Fuß blieb. Ermittler Raab zitierte Shantis Aussage: "Ich war fünf Jahre an der gleichen Stelle und die Polizei in Portugal hat gewusst, wo ich bin". Da er sich in Portugal als sozialer Wohltäter viele Freunde gemacht haben soll, seien die ihm vorgeworfenen Taten dort lange unvorstellbar gewesen, mutmaßte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Zusammenarbeit mit der Polizei in Lissabon habe aber sehr gut funktioniert.

Der seit sechs Jahren gesuchte Esoterik-Musiker war bei einem Besuch der Deutschen Botschaft in Lissabon von Mitarbeitern erkannt worden. Als er das Botschaftsgebäude verließ, griffen die Fahnder der portugiesischen Polizei zu. Nach früheren BKA-Angaben gehörte Shanti zu den meistgesuchten Verbrechern in Deutschland. Zielfahnder der Polizei München hatten in Zusammenarbeit mit dem BKA international nach ihm gesucht. Dabei war es dem schwergewichtigen und bärtigen Shanti mehrfach gelungen, sich dem Zugriff zu entziehen.

Nachdem im Jahr 2002 Haftbefehl erlassen wurde, war er in Portugal untergetaucht. Er hatte als Produzent von esoterischer Musik erheblichen Erfolg gehabt und zahlreiche Schallplatten veröffentlicht. Vor etwa 20 Jahren war er nach Portugal übergesiedelt. Nach Angaben des BKA nutzte Shanti in Deutschland und Portugal den engen Kontakt zu seinen Anhängern aus, um sich an deren Kindern zu vergehen.

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