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Mutter der drei toten Babys von Plauen schweigt vor Gericht

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Zwickau - Zum Auftakt des Prozesses um die drei Babyleichen von Plauen (Sachsen) hat die angeklagte Mutter am Dienstag vor dem Zwickauer Landgericht ihre Aussage verweigert. Die 29-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat sie die Kinder zumindest durch Unterlassen der notwendigen Versorgung getötet. Die genaue Todesursache konnte aufgrund des weit fortgeschrittenen Zustands der Verwesung bei keinem der toten Mädchen ermittelt werden. Die Babys, geboren im Februar 2002, im Januar 2004 und im September 2005, waren Ende 2007 innerhalb von acht Tagen in verschiedenen Wohnungen in Plauen gefunden worden.

Oberstaatsanwalt Holger Illing räumte ein, dass die Beweislage schwierig sei. Er stützt die Anklage vor allem darauf, dass es keine Belege für eine natürliche Todesursache gebe. "Drei tote Kinder, alle versteckt, da ist es mehr als unwahrscheinlich, dass es einen natürlichen Tod gegeben hat", sagte er. Der erste Leichnam lag in einem Koffer im Keller bei der Großmutter, der zweite in einer Tiefkühltruhe einer früheren Wohnung der Angeklagten, der dritte in einem Blumenkübel auf dem Balkon. Zum Prozessauftakt wirkte die Frau gefasst.

"Die Staatsanwaltschaft ist am Zug, den Tatverdacht zu belegen", sagte Verteidiger Dirk Simon während einer Verhandlungspause. "Wir wissen überhaupt nicht, was passiert ist." In der Verhandlung verlangte er, die ersten polizeilichen Vernehmungen der Frau für ungültig zu erklären. Diese seien nicht nach rechtsstaatlichen Prinzipien geführt worden, da unter anderem kein anwaltliche Beistand dabei gewesen sei. Ein im Gericht vernommener Polizeibeamter betonte, dass die Angeklagte während der Vernehmung auf einen Anwalt verzichtet habe.

Der Beamte schilderte aus der Vernehmung, dass der Lebensgefährte der Angeklagten die Kinder offenbar nicht haben wollte. Beide hatten bereits im Jahr 2000 einen gesunden Jungen bekommen. Doch als die Frau mit Celine schwanger wurde, habe er ihr deutlich gemacht, dass ihm das Kind nicht passe. Nach der Geburt soll die Angeklagte ihrem Freund gesagt haben, dass sie das Mädchen zur Adoption freigegeben habe. "Die weiteren Schwangerschaften will sie vor ihrem Lebensgefährten versteckt haben", sagte der Ermittler. Beide Mädchen habe sie allein in der eigenen Wohnung zur Welt gebracht. Sie sei dabei jeweils "weggetreten" gewesen. Als sie wieder zu sich gekommen sei, seien die Kinder leblos gewesen. Sie habe die Kleinen in Plastiksäcke eingewickelt und zunächst auf dem Balkon versteckt und bei mehreren Umzügen auch mitgenommen.

Der Fall war im vergangenen Jahr ins Rollen gekommen, als die älteste Tochter Celine im November nicht wie vorgeschrieben zur Vorschuluntersuchung kam. Das Kind war bei der Geburt im Krankenhaus jedoch registriert worden, so fiel ihr Verschwinden auf. Die Mutter führte die Polizei schließlich zur ersten Leiche. Eine Woche später entdeckten die Beamten die toten Kinder Lisa und Marie. Diese hatte die Frau nach eigenen Angaben allein zu Hause geboren. p>

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