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Die Mutter schweigt beim Prozess vor dem Landgericht in Rottweil.

Tränen vor Gericht

Mutter ließ eigenes Kind verhungern

Rottweil - Die kleine Maja war nicht einmal zwei Jahre alt, als sie verhungerte und verdurstete - ihre Mutter hat am Montag vor dem Landgericht Rottweil zu den Vorwürfen geschwiegen.

Die heute 25-jährige Alleinerziehende aus Aldingen (Kreis Tuttlingen) soll laut Anklage das Mädchen Ende Mai 2012 mit ihren damals zwei und acht Jahre alten Brüdern lange alleingelassen haben. Als sie wieder nach Hause kam, war die Tochter tot. Die Kleine starb wenige Tage vor ihrem zweiten Geburtstag - ausgezehrt und ausgetrocknet. Der ältere Sohn Manuel hat laut Anklage eine psychische Störung entwickelt, weil er das Sterben seiner kleinen Schwester mit ansehen musste.

Die Angeklagte sei mit der Betreuung zunehmend überfordert gewesen, sagte der Leitende Staatsanwalt Joachim Dittrich. Als die Großeltern nicht mehr für die Kleinen sorgen konnten, seien die Kinder weitgehend sich selbst überlassen gewesen. Manuel habe sich um seine kleinen Geschwister kümmern müssen. Über die Rolle der Mutter sagte Dittrich: „Sie besorgte im Wesentlichen nur trockenes Toastbrot, zum Trinken gab es lediglich Leitungswasser.“ Die Anklage lautet auf Mord und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

Blass erschien die 25-Jährige am Montag zum Prozessauftakt vor Gericht, brach immer wieder in Tränen aus. Zu den Wochen vor der Tat schwieg die kleine Frau mit den rotbraunen Haaren und dem schwarzen Hemd. Ihr Leben bis dahin schilderte sie aber ausführlich. Sie wuchs demnach in einer Pflegefamilie auf mit einer Mutter, die sie ständig kontrolliert und drangsaliert habe. Die leibliche Tochter der Pflegemutter habe sich vor mehr als zehn Jahren das Leben genommen. Nach ihrem Hauptschulabschluss brach die Angeklagte ihre Ausbildung ab, war eigenen Angaben zufolge seit 2008 arbeitslos.

In den Monaten vor dem Tod ihrer Tochter habe sie unter Depressionen gelitten und teilweise viel Alkohol getrunken. Die Trennung von dem Vater der beiden jüngeren Kinder habe sie zusätzlich belastet. In einer Stellungnahme, die ihr früherer Anwalt im August 2012 an die Staatsanwaltschaft schickte und die am Montag verlesen wurde, äußerte sie sich: „Ich habe schon gemerkt, dass Maja zuletzt wenig gegessen und getrunken hat. Das kam bei ihr aber öfter vor.“ Deshalb habe sie keine akute Gefahr für ihre Tochter gesehen.

Nach dem Tod der Kleinen war auch das Jugendamt in die Kritik geraten. Ermittler fanden aber keine Anhaltspunkte dafür, dass das Kreisjugendamt eine Gefährdung des Mädchens hätte erkennen können. Der Prozess sollte am Mittwoch fortgesetzt werden. Insgesamt sollen 44 Zeugen und drei Sachverständige vor Gericht aussagen.

dpa

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