Es ging ihr ums Geld

Mutter erfindet Krankengeschichte ihrer Kinder

London - Jahrelang wurden zwei Kinder unnötigerweise medizinischen Behandlungen unterzogen - nur damit die Mutter staatliche Unterstützung erhielt. Es geht um mehr als 100.000 Euro.

Um staatliche Beihilfen in beträchtlicher Höhe zu kassieren, hat eine Mutter in Großbritannien ihre Kinder fälschlicherweise als schwer krank ausgegeben und ihnen unnötig jahrelang medizinische Eingriffe zugemutet. Ein Gericht verurteilte die Mutter aus Croydon bei London am Montag zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Kindesmisshandlung und Betrugs. Die 48-Jährige habe ihren Kindern "außerordentliche Grausamkeiten" zugefügt, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die 48-jährige habe die Krankengeschichten ihrer Kinder erfunden, um staatliche Gelder einzustreichen, befand das Gericht. Jahrelang mussten der Junge und das Mädchen unnötige medizinische Behandlungen über sich ergehen lassen. So wurden ihnen in operativen Eingriffen etwa Ernährungsschläuche in den Magen gelegt, weil die Mutter von schweren Essproblemen berichtet hatte, wie die Justiz mitteilte.

Es geht um mehr als 100.000 Euro

Der Sohn sei mit Steroiden behandelt worden, weil die Mutter angegeben hatte, er leide unter schwerem Asthma. An der Schule sei davon aber nie etwas aufgefallen. Die Mutter soll den Sohn zudem ermuntert haben, ein Verhalten zu zeigen, das auf Symptome von Autismus hindeute.

Auf Grundlage der erfundenen Krankengeschichten habe die Frau 87.400 Pfund (100.630 Euro) an staatlicher Behindertenunterstützung bezogen, teilte die Justiz mit. Obwohl sie mit einem Mann zusammenlebte, der eine Arbeit hatte, habe sie außerdem staatliche Unterhaltsbeihilfen beantragt. Damit beliefen sich die von ihr eingeforderten Gelder auf insgesamt 375.200 Pfund. Überdies wurden im Haus der Frau ungenutzte Medikamente gefunden, für die der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) mehr als 145.000 Pfund gezahlt hatte.

"Unehrlichkeit und Gier"

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erstreckten sich die Misshandlungen der Mutter an den Kindern über mindestens zehn Jahre. Die Frau sei von "Unehrlichkeit und Gier getrieben" gewesen, erklärte Staatsanwalt Malcolm McHaffie nach der Urteilsverkündung. Dass sie ihren Kindern die Eingriffe wegen eines Beihilfeschwindels zugemutet habe, liege "außerhalb des Fassungsvermögens". Dafür müsse sie jetzt "für eine beträchtliche Zeit ins Gefängnis".

Die Ermittler hatten drei Jahre lang Informationen zu dem Fall zusammengetragen. 114 Zeugen wurden befragt. Ein Ermittler beschrieb die Mutter als notorische Lügnerin. "Sie log bei jeder Gelegenheit und stellte sich selbst als Alleinerziehende dar, die mit kranken und anfälligen Kindern zurechtkommen muss", sagte Stuart Parsons. "In Wirklichkeit lebte sie mit ihrem Partner zusammen und täuschte die Beschwerden ihrer Kinder für ihren persönlichen Profit vor."

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Betrunken mit Segway gefahren - Führerschein weg und Geldstrafe
Hamburg - Wegen einer nächtlichen Trunkenheitsfahrt mit einem Segway muss ein Hamburger eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 10 Euro zahlen und seinen Führerschein …
Betrunken mit Segway gefahren - Führerschein weg und Geldstrafe
Neuer Virustyp bei Geflügelpest nachgewiesen
Statt Entspannung eine neue Variante bei der Geflügelpest: Zum ersten Mal in Europa tritt in einem Zuchtbetrieb ein anderer Virus-Subtyp auf als bisher. Betroffen ist …
Neuer Virustyp bei Geflügelpest nachgewiesen
Auswärtiges Amt warnt vor Waldbränden in Chile
Berlin/Santiago - Über 50 Brände sind am lodern, die Hauptstadt Santiago mit Rauch bedeckt: Die Waldbrände in Chile verschlimmern sich. In verschiedenen Regionen hat die …
Auswärtiges Amt warnt vor Waldbränden in Chile
Mehrere Tote bei Bootsunglück vor der Küste Malysias
Kuala Lumpur - Bei einem Bootsunglück vor der Küste Malaysias sind möglicherweise bis zu 40 Menschen umgekommen. Aufdem gekenterten Boot befanden sich illegale …
Mehrere Tote bei Bootsunglück vor der Küste Malysias

Kommentare