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Myanmar: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Der Sulamani-Tempel in Bagan, Myanmar
Der Sulamani-Tempel in Bagan, Myanmar © martinm303 / IMAGO

Myanmar blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Das einst abgeschottete Land in Südostasien konnte sich ab 2011 zeitweise aus der Diktatur befreien. Doch inzwischen hat das Militär wieder die Oberhand.

Naypyidaw – Das 676.578 Quadratkilometer große Myanmar in Südostasien war über Jahrzehnte hinweg von der Außenwelt abgeschottet. 2011 lockerte die Militärherrschaft allerdings ihren politischen Einfluss und es entstand eine Phase der Demokratie. In dieser Zeit galt das von buddhistischen Tempeln durchzogene Land sogar als Geheimtipp bei Touristen. Allerdings nur vorübergehend. Am 1. Februar 2021 riss das Militär in einem Putsch das Land wieder an sich, verhaftete demokratisch gewählte Volksvertreter und verhängte den Notstand.

Myanmar: Besiedlungsgeschichte, frühe Dynastien und Kolonialherrschaft

Die Besiedlung des heutigen Myanmar ist schon viele tausende Jahre alt. Ursprünglich waren hier indo-chinesische Völker ansässig, aus denen die Birmanen hervorgingen. Im ersten Jahrhundert nach Christus gründeten diese ein Reich am längsten Fluss Ayeyarwady. Zweihundert Jahre später entstand das Königreich der Khmer. Im 9. Jahrhundert breiteten sich die Birmanen weiter aus und gründeten die Stadt Bagan, deren Ruinen heute noch stehen. Ab dem 16. Jahrhundert übernahm die Taungu-Dynastie die Vorherrschaft, welche im 18. Jahrhundert von der Konbaung-Dynastie abgelöst wurde.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die britische Kolonialmacht auf dem Vormarsch. Ihre Herrschaft währte von 1885 bis 1948. Sie beschränkte sich vorwiegend auf das Kernland und schloss die in den Grenzgebieten lebenden Minderheiten nicht mit ein. Dies wurde später zum Problem. Als Burma 1948 als Staat unabhängig wurde, sahen sich diese Minderheiten nicht als Teil des Staates. Bereits damals kam es zu heftigen Auseinandersetzungen im Land.

Myanmar wird Militärdiktatur

Das unabhängig geworden Myanmar verfolgte unter Premierminister U Nu zwar einen demokratischen Kurs, aber immer wieder mischte sich das Militär in die Politik ein. General Ne Win sorgte 1962 schließlich für einen Militärstreich und riss das Regime an sich. Dieses wurde nach anhaltenden Unruhen im Jahr 1988 beendet. Unter General Saw Maung wurde eine Militärdiktatur errichtet. 1989 wurde Birma schließlich in Myanmar umbenannt.

1990 wurden Wahlen durchgeführt, bei der die Protestbewegung NLD (Nationale Liga für Demokratie) einen deutlichen Sieg errang. Doch die friedliche und demokratische Bewegung wurde von den Militärs niedergeschlagen. Die NLD ließ allerdings nicht locker und demonstrierte immer wieder gegen die unfairen politischen Maßnahmen des Militärregimes. Als die Militärregierung 2008 für ihre Verfassungsänderung 92 Prozent der Stimmen erhielt, regte sich erneut Protest und Widerstand bei den demokratischen Oppositionellen.

Myanmar: Kurze Phase der Demokratie

2011 brachte eine unerwartete Wende, als die Regierung demokratische Reformen ankündigte. Den Menschen wurde schließlich erlaubt zu wählen, wodurch es die NLD ins Parlament geschafft hatte. Aus ihr ging Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hervor, die 2016 die Regierung übernahm. Allerdings war das Militär nicht verschwunden, sondern behielt hinter den Kulissen weiterhin die Kontrolle.

Im November 2020 erreichte Suu Kyis Partei NLD schließlich sogar die absolute Mehrheit im Parlament. Die Europäische Union hatte die Wahl als fair und frei anerkannt. Die Armee dagegen, der ein Viertel der Sitze im Parlament vorbehalten ist, sprach von Wahlbetrug. Der Oberbefehlshaber des Militärs Min Aung Hlaing startete am 1. Februar 2021 einen Putsch, bei dem nicht nur Suu Kyi, sondern auch noch weitere hochrangige NLD-Mitglieder festgenommen wurden. Das Militär rief den Notstand aus und gab bekannt, für ein Jahr die Kontrolle übernehmen zu wollen.

Myanmar: Das politische System und seine Entwicklung

Myanmars politisches System ist de jure eine Republik mit parlamentsgebundener Exekutivgewalt. De facto ist das Land seit 2021 wieder in eine Militärdiktatur zurückgekehrt. In Myanmars Verfassung von 2008 genießt das Militär immer noch einige Vorrechte. Durch das im März 2010 von der Militärregierung veröffentlichte Wahlgesetz war die frühere NLD-Politikerin Aung San Suu Kyi und ihre Partei von den Wahlen ausgeschlossen. Da das Regime allerdings international immer mehr unter Druck geriet, wurde diese Änderung aufgehoben, was Suu Kyi einen erneuten Antritt zu den Wahlen ermöglicht hatte.

Von 2011 bis 2016 stellte die Union Solidarity and Developement Party den Staatspräsidenten Thein Sein. Das Amt des Ministerpräsidenten blieb allerdings vakant und ist auch in der Verfassung von 2008 nicht vorgesehen. Der Staatspräsident wird durch ein Wahlkollegium aus drei verschiedenen Parlamentariergruppen bestimmt. Im weitesten Sinne liegt hier also ein System parlamentsgebundener Exekutivgewalt vor. Von 2018 bis 2021 war Win Myint von der NLD Staatspräsident Myanmars. Er wurde beim Militärputsch ebenfalls verhaftet.

Myanmar: Fakten im Überblick

Myanmar: Sprachen und Bevölkerung

Myanmar ist ein Vielvölkerstaat, in dem 135 verschiedene Ethnien zu finden sind. Den größten Anteil machen hierbei die Birmanen mit 70 Prozent aus. Die zweitgrößte Volksgruppe sind die Shan mit 8,5 Prozent. Amtssprache ist zwar Birmanisch, allerdings sprechen die zahlreichen Ethnien und Völker ihre eigenen Sprachen. Aber auch Englisch ist in der Handelssprache geläufig.

Das Bevölkerungswachstum ist in den letzten Jahren etwas zurückgegangen. Hier stellen die Bamar mit 69% auch den größten Anteil, gefolgt von den Shan (8,5%), den christlichen Karen (6,2%), den muslimischen Rohingya (4,5%), den Mon (2,4%), den Chin (2,2%), den Kachin (1,4%), den Indern (1%) und den Han (1-2%). Die Ausländerquote in der Bevölkerung zählt mit 0,1% zu der geringsten der Welt.

Myanmar: Geografie und Städte

Der südostasiatische Staat Myanmar grenzt an Thailand, Laos, die Volkrepublik Chinas, den Nordosten Indiens, Bangladesch und den Golf von Bengalen. Der südlichste Teil des Landes liegt auf der Malaiischen Halbinsel. Hier sind auch viele Sumpfgebiete zu finden. Dagegen ist der Norden des Landes gebirgig. Hier ragen noch Ausläufer des Himalayas hinein. Der höchste Berg ist der Hkakabo Razi im Grenzgebiet Myanmar-Indien-China, der mit seinen 5.881 Metern gleichzeitig auch der höchste Berg Südostasiens ist.

Die größten Städte Myanmars im Überblick

Myanmar: Wissenswertes zum Land

Myanmar ist stark vom Buddhismus geprägt. Rund 88 Prozent der Einwohner sind Theravada-Buddhisten, deren Tradition noch auf jene Mönchsgemeinde zurückgeht, die zu den ersten Anhängern Buddhas gehörten. Die religiöse Verwurzelung macht sich auch optisch im Land bemerkbar: Überall ragen mit Blattgold verzierte Pagoden in den Himmel empor. Ebenso beeindruckend sind die zahlreichen imposanten Buddha-Statuen, die ebenfalls reich verziert sind. Die friedliche Atmosphäre spiegelt sich auch in der Freundlichkeit und Kontaktfreudigkeit der Einwohner wider.

Doch der religiöse Hintergrund des Landes hat auch seine Schattenseite: Zu den dunkelsten Kapiteln in der Geschichte Myanmars zählt wohl die Krise um die Rohingya. Sie zählen zur muslimischen Minderheit des Landes und wurden immer wieder von den Militärs verfolgt und getötet. Zuletzt kam es im Oktober 2016 zu einer ethnischen „Säuberungsaktion“, bei der fast 100.000 Rohingya vor dem Militär flohen. 2017 wurden schätzungsweise rund 6.700 Rohingya getötet. Obwohl sie bis zu den Unruhen etwa 1,1 Millionen Menschen umfassten, wurden sie von Myanmar nicht als eigene Bevölkerungsgruppe akzeptiert. Doch auch im muslimisch geprägten Nachbarland Bangladesch sind die geflohenen Rohingya nicht erwünscht.

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