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„Für einen Astronomen irgendwie gruselig“: Mysteriöses Objekt im Weltall sendet alle 18 Minuten Signale aus

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Von: Martina Lippl

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Auf diesem Foto ist die Milchstraße zu sehen. Das Stern-Symbol zeigt die Position des unbekannten Objekts im All.
Auf diesem Foto ist die Milchstraße zu sehen. Das Stern-Symbol zeigt die Position des unbekannten Objekts im All. © Dr Natasha Hurley-Walker /ICRAR/Curtin

Ein Himmelsobjekt stellt ein Forscherteam vor ein Rätsel. Es sendet ungewöhnliche Radiowellen aus. Noch nie haben Astronomen so etwas zuvor beobachtet.

Curtin - Bei der Kartierung von Radiowellen im Universum sind Astronomen durch Zufall auf ein mysteriöses Weltraumobjekt gestoßen. Und es ist völlig anders als alles, was sie jemals zuvor gesehen haben.

Das seltsame Objekt im All drehte sich und sendet dreimal in der Stunde Radiowellen aus. In diesem Moment ist es die hellste Quelle von Radiowellen, die von der Erde aus sichtbar sind. Das Himmelsobjekt wirkte wie ein himmlischer Leuchtturm.

Sensationelle Entdeckung „in unserem galaktischen Hinterhof“

Astronomen zerbrechen sich über das Himmelsobjekt mit seinen gewaltigen Energieausbrüchen den Kopf. Die Forscher vermuten, dass es ein Überbleibsel eines kollabierten Sterns sein könnte. Entweder ein dichter Neutronenstern oder ein toter weißer Zwergstern mit einem starken Magnetfeld – oder auch etwas ganz anderes. Im Fachmagazin Natur ist jetzt eine Studie über die Entdeckung vom März 2018 veröffentlicht worden.

Mysteriöses Himmelsobjekt versetzt Forschende in Staunen

Für einen Astronomen war es irgendwie gruselig, weil nichts am Himmel bekannt ist, was das tut. 

Astrophysikerin Dr. Natasha Hurley-Walker vom ICRAR

„Dieses Objekt tauchte und verschwand während unserer Beobachtungen über ein paar Stunden hinweg“, sagte Astrophysikerin Dr. Natasha Hurley-Walker vom International Center for Radio Astronomy Research an der Curtin University (ICRAR) in Perth (Australien) in einem Statement vom 27. Januar 2022. Sie leitete das Team, das die Entdeckung machte.

„Das war völlig unerwartet. Für einen Astronomen war es irgendwie gruselig, weil nichts am Himmel bekannt ist, was das tut. Und es ist wirklich ziemlich nah bei uns – etwa 4.000 Lichtjahre entfernt. Es ist in unserem galaktischen Hinterhof“, so die Hauptautorin der Studie.

Das mysteriöse Objekt wurde von Tyrone O’Doherty im Outback Westaustraliens entdeckt, als er das Murchison Widefield Array (MWA)-Teleskop nutzte. „Es ist aufregend, dass sich die Quelle, die ich letztes Jahr identifiziert habe, als ein so eigenartiges Objekt herausgestellt hat“, sagte O’Doherty, inzwischen Doktorand an der Curtin University. „Das große Sichtfeld und die extreme Empfindlichkeit des MWA sind perfekt, um den gesamten Himmel zu vermessen und das Unerwartete zu entdecken.“

Zahlreiche Theorien über mysteriöse Objekte im Universum

Objekte, die sich im Universum ein- und ausschalten, sind für Astronomen eigentlich nichts Neues – in der Astronomie werden sie „Transienten“ genannt.

„Wenn Sie Transienten untersuchen, beobachten Sie den Tod eines massereichen Sterns oder die Aktivität der Überreste, die er zurücklässt“, erklärt die ICRAR-Curtin-Astrophysikerin und Co-Autorin Dr. Gemma Anderson.

„‚Langsame Transienten‘ – wie Supernovae (explodierende Sterne) – können im Laufe von ein paar Tagen auftreten und nach ein paar Monaten verschwinden. ‚Schnelle Transienten‘ – wie eine Art Neutronenstern namens Pulsar – blitzen innerhalb von Millisekunden oder Sekunden auf und ab“, führt Anderson aus. Aber, für Dr. Anderson sei es wirklich seltsam, etwas zu finden, das sich etwa nur alle 18 Minuten für etwa eine Minute einschaltete.

Dieses neue mysteriöse Objekt sei laut den Wissenschaftler unglaublich hell und kleiner als die Sonne und strahle hochpolarisierte Radiowellen aus. Das deute darauf hin, dass das Objekt ein extrem starkes Magnetfeld hat.

Das Forscherteam vermutet deswegen, dass es sich bei dem unbekannten Himmelskörper um einen sogenannten „Magnetar mit ultralanger Periode“ handeln könnte. „Es ist eine Art langsam rotierender Neutronenstern, von dem theoretisch vorhergesagt wurde, dass er existiert“, führt Dr. Hurley-Walker aus. Dass sich diese theoretische Vorhersage, bewahrheitet, überrascht selbst die australische Forscherin. „Niemand hatte erwartet, einen solchen direkt zu entdecken, weil wir nicht erwartet hatten, dass sie so hell sind. Irgendwie wandelt es magnetische Energie viel effektiver in Radiowellen um als alles, was wir zuvor gesehen haben“, sagt Astrophysikerin Hurley-Walker.

Der Eindruck eines Künstlers: So könnte ein Magnetar aussehen. Magntare sind unglaublich magnetische Neutronensterne, von denen einige manchmal Radiostrahlung erzeugen.
Der Eindruck eines Künstlers, wie ein das Objekt aussehen könnte, wenn es sich um einen Magnetar, einen unglaublich magnetische Neutronenstern handelt. © ICRAR

Ungewöhnliche Signale aus dem Universum müssen weiter beobachtet werden

Das Forscherteam will das Objekt nun weiter überwachen, um zu sehen, ob es sich wieder einschaltet. Für Hurley-Walker steht fest:. „Weitere Entdeckungen werden den Astronomen sagen, ob dies ein seltenes einmaliges Ereignis war oder eine riesige neue Population, die wir noch nie zuvor bemerkt hatten“. Große Teile des Universums sind immer noch ein Rätsel: Mysteriöse Signale aus dem All erreichen die Erde: Radioblitze als Hinweis auf Außerirdische?(ml)

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