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Allen voran sind Stare betroffen, aber auch Haussperlinge, Wintergoldhähnchen und Buchfinken. Foto: Boris Roessler

Spatz und Co. in Gefahr

Deutlich weniger Vögel und Insekten in Deutschland

Weniger sirren, weniger flattern: Die Zahl der Insekten und Vögel sinkt stark in Deutschland. Was steckt dahinter?

Berlin (dpa) - Die Zahl der Vögel und Fluginsekten in Deutschland geht Untersuchungen zufolge deutlich zurück. So seien zwischen 1998 und 2009 knapp 13 Millionen Brutpaare verloren gegangen, erklärte Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Das sei ein Minus von 15 Prozent.

Besonders betroffen seien unter anderem der Haussperling (minus 22 Prozent) und der Star (minus 42 Prozent), der gerade erst zum "Vogel des Jahres 2018" gewählt wurde. Lachmann wertete Bestandsdaten aus, die die Bundesregierung 2013 an die EU meldete. Neuere Zahlen werden erst 2019 erwartet.

Am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee sieht auch der Forscher Wolfgang Fiedler einen Trend zum schleichenden Verlust von Vogelarten. "Wir haben keine eigenen Daten. Aber es trifft auch Vögel, die wir für häufig halten", sagte er.

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie untermauert außerdem einen erheblichen Rückgang der Insekten in Deutschland. "Ein direkter Zusammenhang mit dem Vogelrückgang ist sehr wahrscheinlich, denn fast alle betroffenen Arten füttern zumindest ihre Jungen mit Insekten", sagte Lars Lachmann vom Nabu.

In den vergangenen 27 Jahren nahm die Gesamtmasse der Insekten laut Studie um mehr als 75 Prozent ab, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "PLOS ONE". Die Analyse bestätigt erste, im Sommer vorgestellte Ergebnisse.

Caspar Hallmann von der Radboud University in Nijmegen (Niederlande) und sein Team hatten Daten ausgewertet, die seit 1989 vom Entomologischen Verein Krefeld gesammelt worden waren. Diese hatten in insgesamt 63 Gebieten mit unterschiedlichem Schutzstatus in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und in Brandenburg mit Hilfe von Fallen Fluginsekten gesammelt und deren Masse bestimmt. Der Schwund habe einen weit verheerenderen Effekt als bisher erkannt, stellen die Autoren fest.

Das betont auch Thomas Schmitt, Direktor am Senckenberg Deutsches Entomologischen Institut in Müncheberg (Brandenburg): Hummeln, Honigbienen und Wildbienen seien als Bestäuber wichtig für viele Pflanzen. Werden Nutzpflanzen nicht mehr regelmäßig angeflogen, entstehen der Landwirtschaft große Verluste, wie Schmitt erklärt. Zudem vertilgen bestimmte Insekten wie beispielsweise Laufkäfer laut Schmitt gerne Pflanzenschädlinge.

Auf der Suche nach möglichen Gründen für den Insektenschwund untersuchten die Wissenschaftler etwa den Einfluss von Klimafaktoren, der landwirtschaftlichen Nutzung und bestimmter Lebensraumfaktoren. Die Analyse brachte jedoch keine eindeutige Erklärung.

Für den Rückgang bei Insekten und Vögeln machen Naturschützer vor allem eine intensive Landwirtschaft mitverantwortlich. Der Deutsche Bauernverband warnt hingegen vor voreiligen Schlüssen. Bei beiden Untersuchungen sei die Datenlage unzureichend.

Ornithologe Fiedler vermutet neben weniger Insekten eine Vielzahl von Gründen für den Vogelschwund, für die allerdings in erster Linie der Mensch verantwortlich sei: eine weniger vielfältige Naturlandschaft für Feldlerche oder Goldammer, weniger Unterschlupf in der Stadt für Schwalben oder Mauersegler. Dazu kämen generell mehr Umweltgifte und Fremdstoffe, die Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Vögeln haben könnten. Auch die Jagd auf Zugvögel im Ausland spiele eine Rolle.

Die Folgen des Verlusts seien schwer einzuschätzen, sagte Fiedler. "Vögel verbreiten Samen und halten Parasiten in Schach." Und ein Ökosystem werde generell weniger stabil, je weniger Elemente es enthalte.

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