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Lieutenant Paul Vance (Mitte) von der Connecticut State Police informiert die Medienvertreter über den aktuellen Ermittlungsstand.

Motiv weiterhin unklar

Nach Amoklauf: Polizei findet "wichtige Beweise"

Newtown - Nach dem blutigen Massaker an 26 Kindern und Erwachsenen an der Grundschule in Newtown im US-Staat Connecticut rätselt die Polizei über das Motiv des Amokläufers.

Was trieb ihn zu einem solchen Verbrechen und warum erschoss er so viele kleine Kinder, einige von ihnen nicht älter als fünf Jahre?

Die Ermittler versuchten mehr über den Täter, den 20-jährigen Adam Lanza, herauszufinden, der nach Zeugenangaben ohne ein Wort zu sagen in ein Klassenzimmer stürmte und das Feuer eröffnete. Er tötete 20 Schüler und mehrere Erwachsene, bevor er sich selbst das Leben nahm. Die Spurensuche am Tatort werde noch mindestens bis Sonntag andauern, sagte Polizeisprecher Paul Vance bei einer Pressekonferenz. Ob auch ein Abschiedsbrief oder eine andere Nachricht gefunden wurde, wollte Vance nicht sagen. Es seien aber wichtige Beweise entdeckt worden, die Aufschluss über die Beweggründe Lanzas geben könnten. Unter anderem wurden auch zwei Pistolen, eine Glock und eine Sig Sauer, sowie ein Gewehr vom Typ Bushmaster Kaliber 223 entdeckt. Die offizielle Identifizierung der Opfer war am späten Samstagmorgen (Ortszeit) noch nicht abgeschlossen.

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Trauer und Verzweiflung nach Amoklauf von Newtown

Ablauf der Tat wird klarer

Doch zunächst hielt sich die Polizei zu einem Motiv Lanzas, der von Bekannten als klug, aber eigenbrötlerisch beschrieben wurde und an einer autistischen Persönlichkeitsstörung gelitten haben soll, bedeckt. Der Ablauf der Tat am Freitag war indessen etwas klarer. Der Schütze erschoss in seinem Haus erst seine Mutter, bevor er mit ihrem Auto zur Sandy-Hook-Grundschule fuhr und sich dort gewaltsam Zugang verschaffte. Vance teilte mit, dass der Täter nicht aus freiem Willen in die Schule gelassen worden sei. Wie genau Lanza eindrang, sagte er allerdings nicht. Im Inneren stürmte er dann nach Angaben aus Ermittlerkreisen in zwei Klassenzimmer, wo er das Feuer eröffnete. In vielen anderen Klassenzimmern versperrten die Lehrer die Türen und kauerten mit ihren Schülern in einer Ecke, als ein Schulangestellter durch die Gänge rannte und sie vor dem Schützen warnte. Inklusive dem Schützen und seiner Mutter starben 28 Menschen.

US-Präsident Barack Obama bekundete mehrfach seine Trauer ebenso wie Politiker auf der ganzen Welt. "Alle Eltern in Amerika haben ein schmerzendes Herz", sagte er am Samstag in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. Bereits am Freitag hatte er sich tief erschüttert gezeigt und mit den Tränen kämpfend angeordnet, die Flaggen auf Halbmast zu setzen.

Das Land müsse nun innehalten und zusammenrücken und etwas unternehmen, um Ähnliches in der Zukunft zu verhindern, mahnte er. Die USA hätten schon zu viele solcher Taten erlebt.

Das Weiße Haus machte indes keine konkreten Angaben über mögliche politische Maßnahmen, etwa eine Verschärfung der Waffengesetze. Prominente Befürworter einer solchen Politik wie der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg meldeten sich bereits zu Wort. Sofortiges Handeln sei notwendig, sagte er. Es habe genug Rhetorik in der Vergangenheit gegeben, sagte Bloomberg.

Dutzende Tote bei Schießerei in US-Grundschule

Dutzende Tote bei Schießerei in US-Grundschule

Merkel und andere Spitzenpolitiker kondolieren

Auch der Rest der Welt war entsetzt über die Tragödie an der Grundschule. "Die Nachrichten aus Newtown machen mich tieftraurig", teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Samstag in Berlin mit. Das Verbrechen habe kurz vor Weihnachten "unbeschreibliches Leid über viele Familien gebracht". "Wieder einmal stehen wir voller Entsetzen vor einer Tat, die wir nicht begreifen können," erklärte sie. Der Gedanke an die ermordeten Schüler und Lehrer mache ihr das Herz schwer. Deren Angehörigen wünschte die Kanzlerin "Kraft und Zuspruch, mögen sie in ihrem Schmerz nicht alleine bleiben." SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach von einer "unfassbaren Tat, die die betroffenen Familien in Verzweiflung stürzen lässt".

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, es sei herzzerreißend, wenn man an diejenigen denke, denen die Kinder geraubt wurden. Königin Elizabeth II. schrieb in einer Botschaft an US-Präsident Barack Obama, der "fürchterliche Verlust an Leben" erfülle sie mit Trauer. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte, er habe "mit tiefer Betroffenheit und Entsetzen" von der Tat gehört. Junge Leben voller Hoffnung seien zerstört worden. Im Namen der EU-Kommission spreche er den Familien der Opfer sein tiefstes Beileid angesichts dieser Tragödie aus. Der französische Staatspräsident François Hollande erklärte, er sei entsetzt über die Tat.

dapd

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