Nach Baby-Tod: Suche nach den Schuldigen

Bremen - Gab es Informationspannen nach dem Tod der drei Frühchen in Bremen? Senatorin Jürgens-Pieper will Aufklärung. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sie erst aus der Presse von dem Fall erfahren hat.

Im Fall der drei toten Frühchen in Bremen wegen eines resistenten Keims gab es möglicherweise Informationspannen. Die Bremer Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) will diesem Verdacht nachgehen. Noch wichtiger sei aber, “den Keim im Krankenhaus Bremen-Mitte zu finden, ihn zu stoppen und die Versorgung der Frühchen zu sichern“, teilte sie am Donnerstag mit. “Zweite Priorität hat die Aufklärung, wer wann und wo etwas weitergegeben hat.“

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, bestätigte am Donnerstag, seine Behörde habe erst am Mittwoch aus der Presse von dem Fall erfahren. “Wir sind dabei, die Krankenunterlagen beizuziehen.“ Dann beuaftrage man einen medizinischen Sachverständigen. “Wir erhoffen uns Erkenntnisse, wie es zu der Übertragung kommen konnte.“

Die ersten Infektionen bei den Frühchen mit einem Gewicht von weniger als 1000 Gramm waren Ende Juli aufgetreten. Das erste Frühgeborene starb im August, die beiden anderen starben im Oktober. Öffentlich gemacht wurden die Fälle erst am Mittwoch. Weil das Immunsystem der Frühchen schwach ist, können ihnen Keime gefährlich werden, die gesunde Erwachsene leicht wegstecken.

Senatorin Jürgens-Pieper kritisierte am Mittwochabend die Klinikleitung. “Das hat noch Konsequenzen anderer Art“, sagte sie in der Gesundheitsdeputation, einem Ausschuss mit Abgeordneten, Behördenvertretern und Bürgern, wie am Donnerstag der “Weser-Kurier“ zitierte. “Spätestens im Oktober nach Wiederausbruch hätte man mich und die Deputation informieren müssen.“

Der Chef des Klinikverbundes Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, beteuerte zeitgleich zu der Sitzung, sein Haus habe alles getan, um die Todesfälle aufzuklären. Die Behörden seien früh eingebunden worden.

Die Sprecherin des Klinikverbunds, Karen Matiszick, bekräftigte dies am Donnerstag. “Wir bleiben dabei, dass wir das Gesundheitsamt frühzeitig informiert haben.“ Das bestätigte auch die Sprecherin der Senatorin, Karla Götz. Ob es innerhalb der Behörde eine Panne gegeben habe, werde jetzt geklärt.

Die Klinik hatte nach Angaben der Leitung nach den ersten Fällen den Eindruck, das Problem mit Hygienemaßnahmen in den Griff zu bekommen. Das erneute Auftreten exakt des gleichen Keims im Oktober sei aber so schwerwiegend, dass Experten des Robert-Koch-Instituts zur Hilfe gerufen wurden, die mehr Erfahrung im Umgang mit solchen Infektionen haben. Die Klinik räumte ein, die Quelle der Keime nicht zu kennen. Die betroffene intensivmedizinischen Station für Frühgeborene nimmt zurzeit keine Frühchen mehr auf.

Klaus-Dieter Zastrow von der Gesellschaft für Krankenhaushygiene forderte im ZDF-“Morgenmagazin“ ausreichend Personal für bessere Hygiene in Krankenhäusern. “Wir haben oft eine personelle Unterbesetzung, dann kann man manches nicht mehr so sorgfältig machen.“ Es fehle gerade in den Frühchen-Stationen nicht an Wissen um Hygiene-Standards. Vielmehr sei das Personal meist überfordert, weil zu wenig Menschen sich um zu viel kümmern müssten. Ob das auch in Bremen der Fall war, sei aber noch unklar.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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