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Rettungsteams suchen in Mexiko-Stadt nach Überlebenden. Foto: Natacha Pisarenko

Kaum Hoffnung für Verschüttete

Mindestens 250 Erdbebentote in Mexiko

Der Präsident dankt der Bevölkerung: "Tapfer und mit Solidarität" hätten die Mexikaner auf das Erdbeben reagiert. Die Suche nach Überlebenden in den Trümmern ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

Mexiko-Stadt (dpa) - Mit bloßen Händen tragen sie Trümmer ab, verzweifelt werden die Namen von Verschütteten gerufen: Nach dem schweren Erdbeben mit bisher rund 250 Toten rennt den Helfern in Mexiko die Zeit davon.

Wie der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Miguel Ángel Mancera, im TV-Sender Televisa mitteilte, starben allein in der Hauptstadt mindestens 115 Menschen. Dort sind knapp 50, teils sehr hohe Gebäude eingestürzt. Nach Angabe von Rettungskräften können Menschen bis zu drei Tage in den Trümmern überleben. Das Erdbeben der Stärke 7,1 hatte sich am Dienstag um 13.14 Uhr Ortszeit ereignet.

In der Millionenmetropole beteiligen sich Zehntausende Freiwillige am Abtragen der Schuttberge und versorgen obdachlos gewordene Menschen mit Wasser und Essen. Die Grundschule Enrique Rébsamen im Süden von Mexiko-Stadt ist zu einem Symbol für die Katastrophe geworden - hier wurden rund 400 Schüler von dem Beben überrascht, das Gebäude stürzte ein. 19 Leichen von Schülern und sechs Leichen von Erwachsenen wurden dort bisher geborgen, zuvor war von 21 getöteten Kindern die Rede.

In den Trümmern wurde lange Zeit ein zwölfjähriges Mädchen vermutet, das in Medien als "Frida Sofía" bezeichnet wurde - aber diese Information war offensichtlich falsch. Wie ein Sprecher der die Rettungsarbeiten koordinierenden Marine am Donnerstag mitteilte, sind keine Kinder mehr unter den Trümmern. Das könne man nach einem Abgleich von Listen der Schüler mit den Toten, Geretteten und in Krankenhäuser eingelieferten Personen "mit Sicherheit" sagen.

Vor den Ruinen eines eingestürzten Gebäudes in Mexiko-Stadt stand eine Frau mit einem Megafon und rief immer wieder aufmunternde Botschaften für ihren dort verschütteten Bruder. Nach Einschätzung der Hilfsorganisation I.S.A.R., die auf die Rettung von Verschütteten spezialisiert ist, besteht generell etwa drei Tage eine Überlebenschance. Das sei aber auch von der Trümmerstruktur und den Hohlräumen, in denen sich die noch Lebenden befinden, abhängig, sagte die Leiterin der Hilfsorganisation, Daniela Lesmann, der Deutschen Presse-Agentur. "Ohne zu essen kann man einige Tage überleben. Ohne Wasser wird es nach 72 Stunden, je nach Witterung, sehr schwierig."

"Die Kraft, die Entschlossenheit und die Solidarität der Mexikaner gegenüber diesem Desaster werden uns gestärkt daraus hervorgehen lassen", lobte Staatspräsident Enrique Peña Nieto das gemeinsame Anpacken. Überall in den betroffenen Städten und Gemeinden, auch außerhalb der Metropolregion, bildeten sich Menschenketten, um die Schuttteile weiterzureichen und so die Trümmer wegzuschaffen. Mit erhobenen Händen wurde um Stille gebeten, um mögliche Klopfgeräusche zu hören.

Das Beben hatte sich genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens vom 19. September 1985 ereignet. Damals starben nach Schätzungen bis zu 10 000 Menschen. Dass es dieses Mal nicht so schlimm kam, hängt auch mit deutlich verschärften Bauvorschriften gerade für Hochhäuser zusammen, die besser auf mögliche Erschütterungen und Schwankungen ausgerichtet werden müssen. Viele der nun eingestürzten Gebäude sollen vor 1985 gebaut worden sein. Außerdem gibt es in Mexiko regelmäßige Erdbebensimulationen und umfangreiche Katastrophenpläne.

Aus vielen Ländern, darunter auch Deutschland, wurden Helfer geschickt. Schlagzeilen machte die Spendenbereitschaft der in Mexiko geborenen Schauspielerin Salma Hayek ("Frida"). Die 51-Jährige kündigte an, für die Erdbebenopfer 100 000 US-Dollar (83 500 Euro) zu spenden und noch viel mehr Geld über eine Crowdfunding-Kampagne zu sammeln. "Bei dem verheerenden Erdbeben 1985 starben viele Freunde und ein Onkel, der mir sehr nahe stand", teilte sie in einer Videobotschaft mit.

Der mexikanische Formel-1-Rennfahrer Sergio Pérez sagte eine Spende von umgerechnet rund 140 000 Euro zu. Papst Franziskus kündigte eine Spende von 150 000 Dollar (125 000 Euro) an. Der Facebook-Konzern will nach CNN-Angaben dem mexikanischen Roten Kreuz eine Million Dollar (835 000 Euro) spenden.

Neben der mexikanischen Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen. Im Bundesstaat Puebla stürzte in Atzala eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert ein. Wie lokale Medien berichteten, begann um 13.00 Uhr eine Taufe - und als 13.14 Uhr die Erde zu beben begann, stürzte das Kirchendach ein. Auch das Mädchen, das getauft werden sollte, wurde von den Dachtrümmern erschlagen. Der Priester und ein Messdiener konnten noch fliehen. Elf Menschen kamen ums Leben.

Für Millionen Schüler in Mexiko fällt vorerst der Unterricht aus. Die Schulgebäude werden auf mögliche Schäden untersucht. Nachdem fast fünf Millionen Menschen über Stunden ohne Strom zubrachten, ist zumindest das Stromnetz in weiten Teilen wieder hergestellt.

Mexiko ist eines der erdbebengefährdetsten Länder der Welt. Das Land liegt am Pazifischen Feuerring, einer Zone entlang der Küsten des Pazifiks. Hier treffen zwei Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt immer wieder zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

Bilder von zerstörter Kirche

TV-Sender Televisa mit Informationen über Erdbeben

Crowdfunding Salma Hayek

Videobotschaft Salma Hayek

Tweet ONEMI

Tweet Sergio Pérez

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Der Pazifische Feuerring (Ring of Fire) ist eine hufeisenförmige Zone entlang der Küsten des Pazifischen Ozeans. Sie wird häufig von Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht. Hier treffen verschiedene Platten der Erdkruste aufeinander. Es kommt zu tektonischen Verschiebungen und Verwerfungen.

Entlang dieses mehr als 40 000 Kilometer langen Gürtels liegt ein großer Teil der aktiven Vulkane. Er reicht von der süd- und nordamerikanischen Westküste über die nord-pazifischen Inselgruppen der Aleuten und Kurilen nach Japan und weiter über die Philippinen, den Ostrand Indonesien, verschiedene Südsee-Inselstaaten bis Neuseeland und zur Antarktis.

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