Mit Facebook-Posting

Nach Einbruch: Ladenbesitzer übt fragwürdige Selbstjustiz 

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Bitterfeld-Wolfen - Nachdem drei maskierte Männer in seine Pizzeria einbrachen, gerät nun der Besitzer des Restaurants ins Visier der Polizei - weil er die Dinge selbst in die Hand nahm.  

Ein Einbruch in Bitterfeld-Wolfen, bei dem sich mindestens drei Unbekannte unerlaubten Zutritt zu einer Pizzeria verschafften, sorgt aktuell für Aufruhr. Neben den Einbrechern, die sich ausgerechnet an Weihnachten an den Geldvorräten des Lieferservices „Red Pizza“ zu schaffen machten, gerät nämlich nun auch der Ladenbesitzer Norman Redemske ins Visier der Polizei.   

Nachdem er am Morgen des 25. Dezembers einen entstandenen Schaden von 5.000 Euro bilanzieren musste, traf der Pizza-Chef eine folgenschwere Entscheidung: Er postete Aufnahmen seiner Überwachungskamera auf Facebook. Die verschwommenen Aufnahmen zeigen, wie drei maskierte Männer mit einer Brechstange hinter dem Tresen nach Geld suchen. "Ohne die Kamera wüsste ich jetzt gar nichts. Darum haben wir das auch auf Facebook gestellt, um ein bisschen Feedback zu haben“, erklärt Norman Redemske im Gespräch mit dem MDR. Durch irgendeinen Zufall kommt's dann zur Auflösung", hofft er.

Tatsächlich gingen nach dem Posting etliche Hinweise bei dem Ladenbesitzer aus Sachsen-Anhalt ein, auch mögliche Namen der Täter wurden genannt. Trotzdem sieht die Polizei diese von sozialen Netzwerken immer beliebter gewordene Form der Selbstjustiz gar nicht gerne. 

Auch Kriminelle haben das Recht am eigenen Bild

Denn zum einen greift auch bei der eigenverantwortlichen Veröffentlichung von Überwachungsvideos das Recht am eigenen Bild. "Es kann theoretisch passieren, dass sich der Betroffene hinterher gegen die Veröffentlichung eines Überwachungsvideos wehrt", bestätigt Frank Spaeing von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz. Die Einbrecher könnten also auch nach der Festnahme klagen, weil sie nicht gefragt wurden, ob ihre Bilder bei Facebook veröffentlicht werden dürfen. 

Der Landeschef der Polizei-Gewerkschaft GdP Uwe Petermann warnt aber vor allem deshalb eindringlich vor derartigen Veröffentlichungen auf Facebook, weil dabei auch Unschuldige in Verdacht geraten könnten. Wenn jemand beispielsweise fälschlicherweise annimmt, eine Person zu erkennen und dann deren Namen in einem Kommentar publik macht, könnte er sich nämlich wegen Rufschädigung selbst strafbar machen. 

Der Hinweis auf die Polizei fehlt

Petermann und Ralf Moritz von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost prangern in diesem Zusammenhang an, dass bei Redemskes Facebook-Post der Hinweis fehlt, dass jeder Hinweis direkt an die Polizei weitergegeben werden müsse. 

Dass er mit seinem Posting nicht nur die Strafverfolgung gefährden, sondern auch sich selbst in rechtliche Schwierigkeiten bringen könnte, hat Redemske nach eigenen Aussagen nicht bedacht. "Ich bin der Meinung, dass man da die Bevölkerung mit einbeziehen kann. Es geht so schnell, dass sich da jemand beteiligt und Hinweise liefert“, rechtfertigt er sich im Interview mit RTL

Selbstjustiz per Facebook als verbreitetes Phänomen 

Redemskes Tätersuche auf eigene Faust ist mitnichten ein Einzelfall -  der Siegeszug sozialer Netzwerke hat diese Form der Selbstjustiz mittlerweile zu einem deutschlandweiten Phänomen avancieren lassen. 

Möglicherweise werden viele aber auch deshalb aktiv, weil sie das Vertrauen in die deutsche Polizei verloren haben. Wie RTL berichtet, werden laut Statistik nämlich nur knapp drei Prozent der Einbrecher in Deutschland wirklich gefasst und verurteilt. "Psychologisch gesehen hat jeder Mensch das Bedürfnis nach Kontrolle. Man möchte das eigene Leben in der Hand haben“, erklärt der Psychologe Dirk Baumeier im Interview mit dem Sender und spricht dabei ein Gefühl an, das Norman Redemske nur allzu gut kennen dürfte.

Rubriklistenbild: © Facebook (Screenshot)

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