Keine Explosion in der Luft

Nach Germanwings-Absturz: Darum hoffen alle auf eine Audiodatei

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München/Paris - Die Welt brennt auf Neuigkeiten über die Ursache des Absturzes von 4U 9525. Zwar gibt es inzwischen eine Audiodatei aus dem Cockpit. Doch die Aufklärung könnte sich Tage hinziehen.

Update vom 31. März 2015: Co-Pilot Andreas L. galt schon vor Jahren als selbstmordgefährdet. Das hat die Staatsanwaltschaft nun bekanntgegeben. Verfolgen Sie die Entwicklungen aus den französischen Alpen in unserem Ticker.

Update 2 vom 30. März 2015:Hatte Andreas L. eine Lebenskrise? Und ließ er das Germanwings-Flugzeug absichtlich abstürzen? Was ist Spekulation bei der Katastrophe, was ist schon gesichert? Wir haben die Fakten überprüft.

Update 1 vom 30. März 2015: Die Frauenzeitschrift Emma hat mit einem Kommentar zur Germanwings-Katastrophe die Internet-Gemeinde gegen sich aufgebracht. "Amoktrips sind Männersache", schreibt die Autorin und fordert eine Frauenquote fürs Cockpit. Alles zu den Entwicklungen in den französischen Alpen in unserem Live-Ticker!

Update vom 26. März 2015: Was ist in den dramatischen acht Minuten an Bord der Unglücksmaschine von Germanwings passiert? Der Stimmenrekorder wurde bereits gefunden und ausgewertet - dabei kamen neue Details ans Licht. Verfolgen Sie die Entwicklungen in unsrem Ticker.

Irgendwann wird Rémi Jouty die ganze Fragerei ein wenig zu viel. „Wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen“, sagt der Chef der französischen Luftfahrtbehörde BEA ein wenig genervt. Normal sei es, dass solche Untersuchungen ein paar Tage, manchmal auch ein paar Monate dauern. Und er werde sich jetzt nicht zu irgendwelchen voreiligen Schlüssen hinreißen lassen. Gründlichkeit gehe vor.

Die Haltung des Behördenchefs kollidiert mit dem europaweiten Bedürfnis nach Aufklärung. 15 Nationen sind von dem Absturz betroffen, überall fragen sich die Menschen, was die Ursache für dieses Unglück war. Warum ging die Maschine plötzlich in einen steilen, aber offenbar kontrollierten Sinkflug über? Warum gaben die Piloten kein Notsignal ab? Warum reagierten sie nicht auf die Kontaktversuche des Towers und flogen bei klarer Sicht in die Felswand?

Aufschluss könnte der Stimmrekorder geben. Rémi Jouty berichtet, dass ein erstes Ermittlerteam am späten Dienstagnachmittag am schwer zugänglichen Unglücksort eingetroffen sei. Schon um 17.40 Uhr sei der Stimmrekorder gefunden worden. Etwas Verwirrung gibt es dagegen um die Black Box mit den technischen Daten: Zunächst heißt es am Mittwochnachmittag, sie sei gefunden, aber in mehrere Teile zerbrochen. Frankreichs Staatschef François Hollande sagt, man habe nur die „Hülle“ des zweiten Flugschreibers entdeckt, nicht aber das Gerät selbst. Und Rémi Jouty dementiert – fast zur gleichen Zeit – schließlich sogar das.

Haben die Piloten selbst den Sinkflug eingeleitet?

Generell will Monsieur Jouty nicht viel preisgeben, auch nicht zum Stimmrekorder. Nur so viel: Um 9.45 Uhr, bei Zeitangaben ist er sehr exakt, sei am Mittwochmorgen mit der Auswertung begonnen worden. „Wir haben eine Audiodatei extrahieren können, auf der sich verwertbare Töne und Stimmen befinden.“ Wann die Aufnahme beginnt, wann sie endet, in welcher Sprache die Piloten sprechen, ob sie am Schluss überhaupt noch kommunizieren – all das lässt der zugeknöpfte BEA-Chef unbeantwortet. „Die Audiodatei muss erst mit den Flugparametern abgestimmt werden.“

In der Tat ist diese Einordnung wichtig. Vieles spricht nach jetzigem Stand der Informationen nämlich dafür, dass die Piloten selbst den Sinkflug eingeleitet haben. Der Stimmrekorder könnte den Grund dafür liefern. Normal wäre es, dass man vorher dafür die Erlaubnis einholt oder im Notfall zumindest umgehend die Flugaufsicht informiert. Die gängigen Spekulationen gingen am Mittwoch von einem plötzlichen Druckabfall im Cockpit aus, womöglich durch ein kaputtes Fenster. Vielleicht wurden die Piloten auch ohnmächtig, weil giftige Gase austraten. Irgendetwas muss jedenfalls geschehen sein. Denn zu dem Zeitpunkt, als die Piloten in den Sinkflug gingen – also nur eine Minute nach Erreichen der geplanten Reiseflughöhe –, wären die rettenden Flughäfen von Nizza oder Marseille noch in Reichweite gewesen. Stattdessen flog 4U 9525 noch acht Minuten lang weiter in Richtung Berge.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte nach dem Fund des Sprachrekorders noch eine schnelle Aufklärung der Absturzursache erwartet. „Ich gehe davon aus, dass wir sicherlich relativ schnell erste Informationen bekommen werden, was die Absturzursache wahrscheinlich war“, hatte Spohr gesagt. Rémi Jouty sieht das anders. Die Journalisten löchern ihn mit Fragen, von denen er die meisten abwiegelt. Doch dann verkündet er doch noch etwas Wesentliches. „Das Flugzeug ist bis zum Schluss geflogen.“ Die sehr kleinen Trümmer ließen den Schluss zu, dass der Airbus an der Wand zerschellte – und nicht durch eine Explosion in der Luft zerstört wurde.

Rubriklistenbild: © dpa

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