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Solidaritätsbekundung in Nizza.

Nach Terroranschlägen

Frankreich erwacht aus dem Alptraum

Paris - Drei Tage lang fühlen sich die Franzosen wie in einem Alptraum. Nach dem Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ und die Meinungsfreiheit ist Trauer angesagt. Aber auch Trotz.

Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ hat Frankreich geschockt, die Tage des islamistischen Terrors haben das Land traumatisiert. Aus diesem Alptraum erwachen die Franzosen mit sehr gemischten Gefühlen. Sie trauern um die Opfer der Attentäter und Geiselnehmer. Nach dem abrupten Schlussstrich unter die dramatischen Ereignisse mit dem Doppelschlag der Polizei machst sich aber auch so etwas wie Erleichterung breit.

Angefeuert von weltweiter Solidarität taucht in der Politik, den Medien, im Internet vor allem eines jetzt immer wieder auf: „Résister“ - dem Terror, den Feinden von Demokratie und Republik widerstehen, wie es die linksliberale „Libération“ in riesigen Lettern am Samstag auf ihrer Titelseite fordert.

Die Pariser Zeitung hat bereits vorgemacht, wie das gehen kann: Nach dem Anschlag fanden Redakteure und Zeichner von „Charlie Hebdo“ in den Räumen des traditionsreichen Blattes Unterschlupf. Sie wollen in der ihnen eigenen Art in der nächsten Woche widerstehen - das Magazin soll in der Großauflage von einer Million Exemplaren erscheinen. Ministerpräsident Manuel Valls kam sofort zu einem Unterstützungsbesuch und betonte, „Charlie Hebdo“ werde weiterleben.

Solidaritätsmarsch am Sonntag

Die Unterstützung ist ganz im Sinne von Präsident François Hollande, der alle Franzosen nach Ende der Geiselnahmen aufrief, sich gegen den Terrorismus zu erheben. Sie sollen - wie er selbst - an diesem Sonntag am „republikanischen Marsch“ gegen den Terrorismus in Trauer um die Opfer mitmachen.

Die so folgenschweren Ereignisse dieser Woche sind ein weiteres Kapitel im langen Kampf Frankreichs gegen Terror und Dschihadisten. Die drei erschossenen Terroristen sind Kinder des Landes, was dem bedrohlichen Gewaltphänomen eine zusätzliche Dimension gibt. „Das ist nicht zu Ende“, warnte auch Hollande davor, jetzt nur aufzuatmen und sich dann zurückzulehnen.

„Der Staat hat das letzte Wort gegen die Terroristen gehabt“, stellt der konservative „Le Figaro“ zwar am Samstag fest, aber nicht ohne anzufügen: „Dieser Ausgang markiert jedoch nicht das Ende des Krieges der Fanatiker gegen unser Land.“ Neben der bemerkenswerten politischen und gesellschaftlichen Mobilisierung ist also weiterhin Wachsamkeit angesagt, heißt das. Ein Null-Risiko gibt es nicht, diese banale Wahrheit hat die Pariser Regierung nochmals betont.

Konsequenz: verstärkte Sicherheitsvorkehrungen

Konsequenzen sehen und spüren die Menschen schon mit den geltenden Terrorwarnungen. Seit dem ersten Anschlag am Mittwoch ist die oberste Alarmstufe ausgerufen. Schwer bewaffnete Einheiten sind damit Teil des Stadtbilds von Paris. Zutritt zu sonst freien Einrichtungen ist ohne Kontrolle nicht mehr möglich. Militärs verstärken die Polizei, am Wochenende kommen weitere Uniformierte hinzu.

Die überwältigende internationale Solidarität mit „Charlie Hebdo“, dem religionskritischen Magazin, und mit dem Land ist Balsam für die französische Seele. Die von einer Wirtschaftskrise geplagten und mit ihrem Staatschef im höchsten Maße unzufriedenen Franzosen konnten sich durch Anteilnahme in vielfältigster Form aufgerichtet - und in ihrem Drang nach Widerstand bestärkt - fühlen.

„Frankreich ist nicht Michel Houellebecq“, hatte Regierungschef Valls unterstrichen - „Soumission“ (Unterwerfung) sei also nicht angesagt. Das bezieht sich auf den Titel des islamkritischen Houellebecq-Romans, der just am Mittwoch des Anschlags in den französischen Buchläden landete.

Während Frankreichs Imame Solidarität üben, hat die Gewaltwelle bereits wieder Streit um die rechtsextreme Front National (FN) ausgelöst. Auch Parteichefin Marine Le Pen war zwar im Zuge der Konsultationen Hollandes nach dem Anschlag in den Élysée-Palast geladen, ihre bei Wahlen zuletzt gestärkte Partei aber von den Organisationen des „republikanischen Marsches“ am Sonntag nicht eingeladen worden.

Die Rechtsextremen gehören zu den beliebten Zielen der „Charlie-Hebdo“-Karikaturen. FN-Parteigründer Jean-Marie Le Pen, für antisemitische und ausländerfeindliche Ausfälle bekannt und teils verurteilt, griff die weltweit millionenfach verbreitete Solidaritätsbekundung „Je suis Charlie“ auf: „Es tut mir leid, ich bin nicht Charlie.“

Aktuelle Infos zu den Geschehnissen in Paris im Live-Ticker

dpa

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