Gesetz zu Sterbehilfe

Nach Vergewaltigung: Nonne liegt 42 Jahre im Koma

Neu Delhi - 42 Jahre, nachdem sie in Folge einer brutalen Vergewaltigung ins Koma gefallen war, ist eine indische Krankenschwester am Montag gestorben. Ihr verdankt Indien ein bahnbrechendes Urteil.

Aruna Shanbaug lag in einem Krankenhaus in Mumbai im Koma, nachdem sie von einem Putzmann im November 1973 während einer Nachtschicht vergewaltigt worden war. Der Mann, der ihr aufgelauert hatte, fesselte sie mit einer Kette an ein Bett und strangulierte sie mit einem Hundehalsband. Erst elf Stunden später wurde die Krankenschwester entdeckt. Wegen der fehlenden Sauerstoffzufuhr hatte sie schwere Hirnstammverletzungen erlitten. Seither wurde sie von einem Team von Ärzten und Pflegerinnen betreut. Der Angreifer wurde wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Shanbaugs Fall hatte in Indien eine Debatte über Sterbehilfe angestoßen, nachdem ihre Freundin Pinki Virani 1999 den Obersten Gerichtshof angerufen hatte, um ihrer Freundin einen würdigen Tod zu ermöglichen. 2011 entschied der Gerichtshof schließlich, dass passive Sterbehilfe in einigen Fällen erlaubt ist, wenn die Familie des Patienten dies beantragt und ein Ärztegremium und Gerichte den Fall überwachen. Für Shanbaug allerdings ließ das Gericht keine Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte zu, da ihre Freundin Virani als Nicht-Familienmitglied keine Sterbehilfe beantragen dürfe.

In den vergangenen Tagen sei die 66-Jährige künstlich beatmet worden, nachdem sie an einer Lungenentzündung erkrankt sei, sagten Mitarbeiter des King-Edward-Hospitals der indischen Nachrichtenagentur PTI.

"Ihr wirklicher Tod war schon 1973", sagte Virani dem Fernsehsender Zee News. "Aruna hat unserem Land etwas Großes gegeben - ein Gesetz zur passiven Sterbehilfe." Dem indischen Sender NDTV sagte sie: „Ich danke Gott, dass ihr Leiden nun vorbei ist. (...) Sie war wie ein Vogel im Käfig.“

afp/dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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