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Die Installation „Mr. Big“ vor dem Leopoldmuseum in Wien weist auf die Ausstellung „Nackte Männer“ hin.

Nackte Männer in Wiener Ausstellung

Nackte Männer erregen in Wien Aufmerksamkeit: Der männliche Akt ist das Thema einer neuen Ausstellung im Leopoldmuseum. Sie zeigt herausragende Kunstwerke von der Aufklärung bis zur Kunst der Moderne. Der Hirmer Verlag stellt die Werke in einem eindrucksvollen Katalog zur Schau vor.

Umstrittene Ausstellung „Nackte Männer“

Eine Ausstellung zum Thema „Nackte Männer“ war längst überfällig – das behaupten zumindest die Macher der Wiener Ausstellung, die noch bis 28. Januar im Wiener Leopoldmuseum zu sehen ist. An das Bild der nackten Frau hat man sich scheinbar längst gewöhnt. In der Werbung, in den Medien, in der Kunst – die unbekleidete Frau in meist erotischen Posen erregt heute kaum noch die Gemüter.

Über nackte Männer denkt man offensichtlich anders. Das erlebten die Organisatoren der Schau kürzlich. Wütende Proteste richteten sich vor allem gegen das Ausstellungsplakat mit drei Fußballspielern, die nur Sportschuhe und Stulpen tragen. Anwohner verpassten den Fußballspielern einen roten Balken an den entscheidenden Stellen. Doch genau solche Auseinandersetzungen mit dem Thema Nacktheit wollten die Macher nach eigenen Angaben mit der Ausstellung erreichen.

Die Ausstellung „Nackte Männer“ zeigt rund 300 Exponate von fast 100 Künstlern aus Europa und den USA. Darunter sind zahlreiche Leihgaben aus den großen Museen der Welt. Die unzensierten Bilder sind in dem eindrucksvollen Katalog zur Ausstellung „Nackte Männer“ zu sehen, der im Hirmer Verlag erschienen ist.

Nackte Männer – Kunstmotiv mit langer Tradition

Dass die Darstellung nackter Männer nicht neu ist, beweist die Ausstellung eindrucksvoll. Sie spannt einen weiten Bogen von der Aufklärung bis zur Kunst der Moderne. Das Aktzeichnen diente um 1800 als Grundlage in der Kunstausbildung. Dies zeigen die Gemälde von akademischen Akt-Sälen, in denen ausschließlich männliche Modelle standen – einer der Gründe, weshalb Frauen der Zutritt zum Akt-Saal und damit zum Kunststudium bis ins frühe 20. Jahrhundert verwehrt wurde.

Eine der ältesten erhaltenen Statuen eines nackten Mannes stammt aus dem 3. Jahrtausend vor Christus. Sie wurde bei Ausgrabungen in einem ägyptischen Grab entdeckt. Nackte Männer kennt man auch aus der Antike zum Beispiel als Götter-Statuen. Im Mittelalter war der nackte Körper lange Zeit Jesus Christus als Leidendem sowie den Märtyrern vorbehalten. Erst in der Renaissance entdeckten Künstler wie Michelangelo und Donatello die Schönheit des nackten Männerkörpers wieder.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist ein Bruch zu beobachten: Künstler legten in ihren Werken mehr Wert auf Ausdrucksfähigkeit als auf Schönheit – wie es vorher üblich war. Lust, Verzweiflung und Leidenschaft kommen in den Bildnissen von Auguste Rodin besonders gut zur Geltung. Weg von der Schönheit und hin zur Radikalität wandten sich schließlich auch die Künstler der Moderne: Richard Gerstl, Oskar Kokoschka und Egon Schiele. Mit ihren nackten Selbstdarstellungen setzten sie bis heute Maßstäbe in der Akt-Malerei.

Katalog zur Ausstellung mit zwei Covern

Der Hirmer Verlag präsentiert den Ausstellungskatalog „Nackte Männer“ mit zwei verschiedenen Covern: einem Akt von Egon Schiele und einer erotischen Männerszene von Andy Warhol. „Damit sprechen wir unterschiedliche Zielgruppen an“, begründet Verlagschef Thomas Zuhr die Entscheidung für zwei Umschlagbilder. „Der wahre Sammler will beide Ausgaben haben, weil er weiß: Diese Bücher sind etwas Besonderes.“

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