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Neue Omikron-Varianten breiten sich aus: Drosten ordnet sie jetzt ein und teilt Befürchtung

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Von: Kai Hartwig

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Omikron-Varianten sorgen für eine fünfte Corona-Welle in Südafrika, auch in den USA grassiert ein Subtyp. Muss Europa sich nun wappnen? Virologe Drosten beruhigt.

Berlin – Eine neue Corona-Welle sucht derzeit Südafrika heim. In dem Land wurde von offizieller Stelle bereits eine Warnung ausgesprochen. „Die fünfte Welle ist da. Passt auf euch auf“, schrieb das das Zentrum für Innovation und Reaktion auf Epidemien (CERI) am Dienstag (26. April) auf Twitter.

Muss die fünfte Welle in Südafrika in Deutschland und Europa als möglicherweise beunruhigender Vorbote betrachtet werden? Virologe Christian Drosten hat sich auf Twitter beruhigend zur Pandemie-Lage geäußert, insbesondere in Bezug auf die grassierenden Omikron-Varianten und -Subtypen.

Corona: Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 können laut Virologe Drosten Immunabwehr umgehen

Der Wissenschaftler gab an, dass derzeit in der Corona-Überwachung vorwiegend „drei neue Varianten beobachtet“ werden. Dies seien zum einen die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5. Diese stammen laut Drosten vom „Omikron-Vorläufer“, also der ursprünglichen Virusvariante mit Namen Omikron ab, nicht aber von den Varianten BA.1 und BA.2.

Dafür tragen Omikron BA.4 und BA.5 eine Mutationsform (L452R) in sich, die auch schon bei der Delta-Variante vorkam. Bei Tierversuchen an Hamstern erhöhte die besagte Mutation die Virulenz (Ansteckungsgefahr). Zudem war ein Umgehen der Immunantwort (Immunescape) zur Abwehr des Virus wahrscheinlich. Eine weitere in Verbindung mit Omikron BA.4 und BA.5 auftretende Mutationsform (F486V) könnte nach Angaben des Virologen ebenfalls die Immunabwehr umgehen.

Corona-Welle in Südafrika: Seit April exponentielle Zunahmevon Varianten Ba.4 und BA.5

Im Bezug auf Südafrika sprach Drosten davon, dass man dort „eine schleichende Zunahme von BA.4 und BA.5 seit Januar“ ausmachen könne. Seit Mitte April habe sich eine „exponentielle Zunahme“ ergeben. „Wahrscheinlich hat die Variante einen Immunescape-Vorteil in einer Bevölkerung, in der es (wie in Südafrika) keine BA.2-Welle gab“, mutmaßte Drosten: „Die jetzt starke Beschleunigung der Inzidenzzunahme kommt naheliegenderweise durch den einsetzenden Verlust von Übertragungsimmunität nach der BA.1-Welle im Dezember (die Latenzzeit passt).“ Der natürliche Schutz gegen die Omikron-Varianten durch das Immunsystem sei daher gering.

Noch seien trotz fünfter Welle „glücklicherweise keine Auswirkungen auf die Krankenhaus-Einweisungen in Südafrika“ festzustellen, „aber das könnte sich in den kommenden zwei Wochen einstellen“, so Drosten weiter. In Europa sind BA.4 und BA.5 nach Angaben des Mitglieds des Expertenrats der Bundesregierung auch schon vorgekommen, „allerdings bisher selten“.

Corona-Variante BA.2.12.1 grassiert in den USA und Indien – noch ohne dramatische Folgen

Die dritte neue Variante, die neben BA.4 und BA.5 häufig zu beobachten ist, sei unter dem Sammelbegriff BA.2.12.1 allgemein bekannt. Die trete derzeit vorwiegend in den USA, aber auch beispielsweise in Indien auf, schilderte Drosten. Den Omikron-Subtyp BA.2.12.1 wies das Robert Koch-Institut kürzlich auch in Deutschland nach. Dabei handelt es sich um „eine Zunahme von BA.2-Stämmen mit zusätzlicher L452Q-Mutation (und andere Mutationen an L452)“, erklärte der Virologe.

„In den USA gibt es eine starke Zunahme von BA.2.12.1 im Hintergrund der derzeitigen BA.2-Verbreitung, die aber bei niedriger Gesamtinzidenz auftritt“, schrieb Drosten: „Auch für diese Variante kann man wegen der L452-Mutation an eine Virulenzerhöhung denken.“

Trotz zunehmender Krankenhausaufnahmen in den besonders betroffenen Regionen sei „die Gesamtzahl weiter beruhigend niedrig“, befand Drosten. Es empfehle sich, die Entwicklung weiter zu beobachten. (kh)

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