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Neue Hiobsbotschaften aus Fukushima

Tokio - Nach einer weiteren Explosion und einem Brand im japanischen Atomkraftwerk Fukushima gerät die Situation zunehmend aus der Kontrolle. Die aktuelle Lage:

Die aktuelle Lage im Live-Ticker.

Ministerpräsident Naoto Kan erklärte in einer Fernsehansprache, aus vier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima Daiichi sei radioaktive Strahlung ausgetreten. Zudem kocht offenbar in einem Reaktor das Wasser in einem Becken mit verbrauchten Brennstäben. Rund 140.000 Menschen in einem Umkreis von 30 Kilometern um das Kraftwerk wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

Kan und andere Regierungsvertreter forderten die Bevölkerung zur Ruhe auf. Allerdings machte sich angesichts der neuesten Entwicklungen wachsende Panik breit. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte, der Brand habe sich in einem Lager für verbrauchte Brennstäbe ereignet. Dabei sei Radioaktivität direkt in die Atmosphäre gelangt. Das Feuer sei inzwischen gelöscht.

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Allerdings meldete wenig später die japanische Atomaufsicht, eines der Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe koche möglicherweise. Zu den möglichen Risiken, die von den steigenden Temperaturen in dem Becken ausgehen könnten, wollte sich Sprecher Hidehiko Nishiyama nicht äußern. Ursache sei ein Versagen des Kühlsystems für das Abklingbecken. Die Kraftwerksbetreiber suchten nach Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun.

Südlich von Fukushima meldeten die Behörden Strahlungswerte, die rund 100 Mal so hoch waren wie normal, wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Solche Zahlen sind nach Einschätzung von Experten besorgniserregend, allerdings nicht tödlich. In der Hauptstadt Tokio wurden leicht erhöhte Strahlenwerte gemessen. Die Menge sei äußerst gering, sagte Regierungssprecher Takayuki Fujiki. Gesundheitliche Bedenken gebe es nicht.

Auch Jod und Cäsium entdeckt

Zudem seien geringe Mengen der radioaktiven Substanzen Jod und Cäsium in Tokio entdeckt worden, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Stadtverwaltung. In der Präfektur Chiba östlich der Hauptstadt seien zwei- bis viermal so hohe Werte wie normal gemessen worden. In der Stadt Utsunomiya nördlich von Tokio seien die Werte 33-mal höher als normal, hieß es weiter.

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Kan warnte vor weiteren Lecks und forderte alle Menschen im Umkreis von 30 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima auf, sich nicht im Freien aufzuhalten. “Bitte gehen Sie nicht nach draußen. Bitte bleiben sie drinnen“, sagte der Chef des japanischen Kabinettssekretariats, Yukio Edano, den Bewohnern der Region. “Bitte schließen Sie die Fenster und schließen Sie Ihr Haus luftdicht ab.“ Es bestehe eine Gefahr für die Gesundheit. “Daran gibt es keinen Zweifel.“

Die Wettervorhersagen kündigten für (den heutigen) Dienstagabend Wind und Schnee aus nordöstlicher Richtung an. Ein mögliche radioaktive Wolke aus Fukushima könnte so Richtung Tokio getragen werden. Später sollte der Wind Richtung Westen auf das offene Meer beidrehen.

Noch 50 Mitarbeiter im Kraftwerk

Edano sagte, wahrscheinlich sei die radioaktive Strahlung wegen des jüngsten Brandes in Reaktor 4 gestiegen. Ein anderer Reaktor, dessen Außenhülle am Montag explodiert war, habe dagegen nicht deutlich zu gestiegenen Radioaktivität geführt. Edano erklärte, dieser Reaktor und ein weiterer hätten sich stabilisiert, der Status des Reaktors 2 sei unklar. Die Temperaturen in zwei weiteren Reaktoren, 5 und 6, seien leicht erhöht.

Die Behörden erklärten, 50 Menschen in Strahlenschutzanzügen arbeiteten noch in Fukushima und versuchten, Wasser in die Reaktoren zu pumpen, um sie zu kühlen. 800 weitere Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden.

Von Eric Talmadge und Shino Yuasa

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