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Regelungen zur Kennzeichnung geändert

Neue Lebensmittelverordnung: Meilenstein oder Mogelei?

München - Bei vielen Verbrauchern hat die Menge der Informationen auf Lebensmittelverpackungen bislang eher für Verwirrung gesorgt. Das soll nun besser werden.

Ab dem 13. Dezember gelten europaweit neue Regelungen. Das Bundesernährungsministerium spricht von einem „Meilenstein“, Verbraucherschützern bleibt zu viel Raum für Mogelei.

Das Europäische Parlament hat mit der Lebensmittelinformationsverordnung und seinen 59 Erwägungsgründen, 55 Artikeln und 15 Anhängen ein ordentliches Informationspaket geschnürt. Die Auflagen müssen innerhalb der europäischen Union einheitlich und verbindlich umgesetzt werden. Es wurden allerdings keine neuen Wege der Lebensmittelinformation beschritten, sondern lediglich weitere Pflichtangaben beschlossen. Dennoch bedeuten die Neuerungen für den Konsumenten mehr Klarheit.

Hier die wichtigsten Themen der Änderungen:

-Allergenkennzeichnung

-Mindestschriftgröße

-Kennzeichnung der Lebensmittelimitate

-Einfrierdatum für Fleisch, Fleischerzeugnisse und unverarbeitete Fischerzeugnisse

-Fernabsatz

-Nährwertangaben

Für Allergiker

Für Allergiker werden die 14 häufigsten allergen wirkenden Stoffe oder der Stoffe, die Unverträglichkeiten auslösen können, in der Zutatenliste verpackter Lebensmittel leichter erkennbar sein. Sie müssen in der Schrift hervorgehoben oder mit einer anderen Farbe hinterlegt sein. Diese Zutaten lösen 90 Prozent aller Lebensmittelunverträglichkeiten aus und sind deshalb kennzeichnungspflichtig:

-Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon)

-Krebstiere

-Eier

-Fisch

-Erdnüsse

-Soja

-Milch und Milchprodukte (einschließlich Laktose)

-Schalenfrüchte (Mandel, Haselnuss, Walnuss, Cashew, Pecannuss, Paranuss, Pistazie, Macadamianuss und Queenslandnuss)

-Sellerie

-Senf

-Sesamsamen

-Schwefeldioxid und Sulfite in einer Konzentration von mehr als 10 mg/kg oder 10mg/l

-Lupinen

-Weichtiere

Lose Ware

Zudem muss über lose Ware etwa beim Bäcker, Metzger oder im Restaurant informiert werden. Hier konnten die Mitgliedsstaaten festlegen, in welcher Form das zu geschehen hat. Die Bundesregierung hat die mündliche Information festgelegt. Der Händler muss aber eine schriftliche Dokumentation parat halten. Dass sie nur auf Nachfrage zu zeigen ist, reicht den Verbraucherzentralen nicht. Nach ihrer Ansicht sollte eine schriftliche Information an der Theke ausliegen oder im Restaurant ausgehändigt werden.

Schriftgröße

Für die Pflichtangaben auf Lebensmittel-Etiketten gibt es in Zukunft eine konkrete Mindestschriftgröße. Allerdings bleiben wichtige Informationen bei einer Schriftgröße von 1,2 mm – bezogen auf das kleine „x“ – bzw. 0,9 mm für Kleinpackungen immer noch schwer erkennbar, denn die Schrift ist auch nach der Reformierung noch zu klein. Auch gibt es keine Vorgaben zur Schriftart, Farbe und Kontrast. All das ist ausschlaggebend für eine gute Lesbarkeit. Die europäische Kommission forderte ursprünglich eine Schriftgröße von drei Millimeter. Das konnte die Lebensmittelindustrie erfolgreich abwenden.

Ersatzstoffe

Bei der Verwendung von ersatzweise verwendeten Stoffen zu sogenannte Lebensmittelimitaten wie Analogkäse oder Schinkenimitate muss zukünftig unmittelbar in der Nähe des Produktnamens erscheinen, welchen Ersatzstoff der Hersteller verwendet hat. Der Begriff „Imitat“ erscheint allerdings nirgends, bemängeln die Verbraucherschützer.

Gefrorenes

Bei eingefrorenem Fleisch, eingefrorenen Fleischzubereitungen und eingefrorenen unverarbeiteten Fleischerzeugnissen muss das Einfrierdatum angegeben werden. Andere Tiefkühlerzeugnisse sind nach wie vor von dieser Kennzeichnungspflicht ausgenommen.

Fernabsatz

Werden Lebensmittel per Fernabsatz – telefonisch, im Internet oder Versandhandel – verkauft, gelten ab 13. Dezember dieselben Informationspflichten wie bei Lebensmitteln, die der Handel vertreibt. Lediglich über das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum muss erst zum Zeitpunkt der Lieferung informiert werden. Die Pflichtangaben müssen vor Abschluss des Vertrags zur Verfügung stehen.

Nährwertangaben

Kennzeichnen Hersteller bereits Nährwerte wie Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz auf der Verpackung müssen sie ab Dezember 2014 in einer Tabelle mit gleichen Bezugsgrößen wie 100 Gramm oder 100 ml angegeben werden. Alle anderen Produzenten können sich bis zum 12. Dezember 2016 mit der speziellen Kennzeichnung Zeit lassen.

In Zukunft soll auch der Salzgehalt im Lebensmittel klar ersichtlich sein. Das ist verbraucherfreundlich, denn das Umrechnen des Natriumgehaltes entfällt. Insgesamt können die Lebensmittel die vor dem 13. Dezember in den Verkehr gebracht oder gekennzeichnet wurden, noch verkauft werden und zwar so lange, bis die Bestände aufgebraucht sind. Ab 2016 müssen nahezu alle verpackten Lebensmittel eine Nährwerttabelle tragen. Bereits jetzt gibt es genaue Vorgaben für Hersteller, die diese Informationen kenntlich machen.

Herkunft von Fetten

Raffinierte Fette und Öle müssen in Zukunft mit ihrer botanischen bzw. pflanzlichen Herkunft gekennzeichnet werden (Beispielsweise Palmfett oder Pflanzenfett (Kokos). Handelt es sich um ein gehärtetes Öl oder Fett muss der Hinweis mit dem Ausdruck „ganz gehärtet“ oder „teilweise gehärtet“ gegeben werden.

Koffein

Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 mg/l müssen einen Hinweis auf Kinder, Schwangere und Stillende tragen. Für diese Personen sind die Getränke nicht geeignet. Bei Kaffee und Tee gibt es diese Pflicht nicht.

Fleisch und Fisch

Wenn ein Fleischprodukt etwa mit Enzymen aus kleinen Teilen zusammengeklebt wurde, muss aufs Etikett „aus Fleischstücken zusammengefügt. Für Fisch gilt entsprechendes.

Falls Fleisch oder Fisch mit so viel Wasser aufgespritzt wurde, dass es mehr als fünf Prozent des Gewichts ausmacht, muss dies auf der Packung vermerkt sein. Das gilt nur für Fleisch- oder Fischstücke, die aussehen, also ob sie ein Teil eines Tierkörpers sind – also nicht für Wurst, Pastete oder Fischnockerl.

Erst ab April 2015 muss unverarbeitetes und vorverpacktes Schweine- , Schaf- , Ziegen- und Geflügelfleisch mit dem Aufzuchtort und dem Schlachtort des Tieres gekennzeichnet werden. Für Rindfleisch gelten die Regelungen bereits.

Nano

Produkte, können zugesetzte winzige Nanopartikel enthalten, etwa um Stoffe besser löslich zu machen. Dann muss künftig hinter dem Inhaltsstoff das Wort „Nano“ aufgedruckt sein.

Heidrun Schubert, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern

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